Schlachtfeld Öffentliche Meinung - Wie die CIA weltweit Medien, Kunst und Kultur auf Linie bringt

CNN/CIA-Karikatur. Quelle: http://therundownlive.com
CNN/CIA-Karikatur. Quelle: http://therundownlive.com
Die Öffentliche Meinung ist Arena eines Kampfes um Deutungshoheit, Agenda-Setting und konkrete Interpretationen von Wirklichkeit. Kein Herrschaftssystem kann es sich leisten, dieses Feld zu ignorieren. Mit besonders ausgefeilten Methoden der Beeinflussung der Öffentlichen Meinung arbeiten seit Jahrzehnten westliche Geheimdienste.

Für Aufsehen sorgte etwa die CIA-Operation "Mockingbird", die in den 1950er bis 1970er Jahren darauf ausgerichtet war, global die Kontrolle über Medienhäuser zu erlangen. Doch auch heute noch versuchen die selben Kräfte Medien, Kunst- und Kulturschaffende unter ihren Einfluß zu bringen. Mit fatalen Folgen für Gemeinwohl und Gesellschaft.

von RT Deutsch-Redakteur Florian Hauschild

"Wer ist die größte Supermacht", fragt der Schweizer Historiker Dr. Daniele Ganser gerne das Publikum bei seinen Vorträgen. Die Antwort ist dann meist einhellig: Die USA. "Wer ist die zweitgrößte Supermacht", fragt Ganser dann. Da gehen die Meinungen schon auseinander. China? Russland? Die EU? Der IWF? Die Bilderberger, gar? Weder noch. Die zweitgrößte Supermacht, so Ganser, ist die Öffentliche Meinung und um diese findet ein täglicher Kampf statt. Im Zeitalter digitaler Medien, sozialer Netzwerke und zahlreicher basisdemokratischer Initiativen und Bewegungen weiß jedes Herrschaftssystem, dass es die eigenen unsozialen, antidemokratischen, kriegerischen bis hin zu eindeutig kriminellen Machenschaften nur erfolgreich umsetzen kann, wenn es auch die öffentliche Wahrnehmung dieser Ereignisse kontrolliert.

So lässt sich kein Krieg über einen längeren Zeitraum führen, wenn dieser in der Medienrezeption mit zerfetzten, blutverschmierten Leichen, toten Kindern oder zerbombten zivilen Infrastrukturen einhergeht. Krieg muss sauber sein und vor allem immer "gerecht". Für die gute Sache, gegen "den Terrorismus", für die Freiheit, für Frieden und Demokratie.

Der Journalist Harald Schumann. Quelle: Screenshot arte

Ähnlich verhält es sich mit der Arbeit von Geheimdiensten. Geheimdienste - so das propagandistische Narrativ - dienen dem Wohle von Volk und Demokratie, der Gefahrenabwehr böser Kräfte und Mächte, dem Schutz. Schließlich sind die Dienste nicht zuletzt auch auf Milliardenzahlungen aus den steuergeldfinanzierten öffentlichen Haushalten angewiesen. Gleichzeitig aber auch auf eine maximal laxe Gesetzgebung hinsichtlich Transparenz und Kontrolle.

Auch intransparente, antidemokratische Handelsabkommen wie TTIP müssen "verkauft" werden. Nicht nur den Bevölkerungen in den beteiligten Staaten, auch den politischen, wirtschaftlichen und administrativen Entscheidungsträgern auf den verschiedenen Ebenen des Systems.

All dies macht die Öffentliche Meinung zu einem umkämpften Feld, und es ist nur logisch, dass Regierungen, Geheimdienste und Wirtschaftskonzerne versuchen ihre Agenda auf diesem Feld durchzusetzen. Natürlich haben auch Menschen, die in derartigen Organisationen arbeiten, ein Recht darauf, ihre Ansichten zu verbreiten. Problematisch werden die Verstrickungen allerdings wenn Regierungen, Geheimdienste und transnationale Unternehmen konsequent die Menschen- und Grundrechte verletzen oder gar an deren Abschaffung arbeiten; wenn eine gemeinsame Agenda dieser sehr mächtigen Akteure eindeutig gegen die Interessen der übrigen Weltbevölkerung arbeitet. All diese Vorwürfe müssen sich westlich geprägte Regierungen, Geheimdienste und Wirtschaftsunternehmen gefallen lassen. Sicher nicht nur diese, aber in Zeiten eines sich immer aggressiver gebärenden US-geführten Wirtschafts-, Polit- und Finanz-Imperiums gilt es, hier den Schwerpunkt der Kritik zu legen.

So diskutiert etwa der freie Journalist Ken Jebsen im Gespräch mit dem oben erwähnten Historiker Dr. Daniele Ganser die so genannte "Operation Mockingbird", ein CIA-Projekt mit dem sich zwischen den 1950er und den 1970er Jahren der US-amerikanische Auslandsgeheimdienst anschickte, global die Kontrolle über die Redaktionen und Medienhäuser zu erlangen. Wie Ganser im Gespräch anmerkt, wurde zu diesem Zweck ein weit verzweigtes und hoch komplexes Geflecht der gegenseitigen Informationsbeschaffung und -verbreitung errichtet. Dem US-Imperium wohlgesonnene Journalisten wurden gefördert und mit Hintergrundinformationen versorgt, kritische Schreiber wurden hingegen abgestraft. Ganser, der in seiner Doktorarbeit die Gladio-Geheimarmeen der NATO aufgedeckt hat, berichtet auch von seinen eigenen Erfahrungen als Wissenschaftler und Forscher. Kritische Fragestellungen an führende Geheimdienstvertreter führten schnell dazu, dass diese den Schweizer schnitten. So bezweifelt Ganser auch offen, dass "Operation Mockingbird" jemals wirklich beendet wurde. Blickt man auf die oft kampagnenartig wirkende Berichterstattung, auch in deutschen Medien, ist man geneigt dem Historiker zuzustimmen.

Doch ohnehin macht die Meinungsmanipulation und das geheimdienstliche Agenda-Setting bei Presse und Fernsehen nicht halt. Die arte-Dokumentation "Benutzt und gesteuert - Künstler im Netz der CIA" zeigt auf wie die Methode Mockingbird auch auf Künstler und Schriftsteller angewendet wurde und wird. Der Film setzt in den frühen 1950er Jahren an, also kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Es kann angenommen werden, dass das US-Imperium nach Ende des Krieges die Kriterien der temporären Stärke Nazi-Deutschlands analysierte und Teile dieser Methoden übernahm. Besonders die Beeinflussung und Nutzbarmachung von Künstlern, Kulturschaffen und Intellektuellen seitens des Herrschaftsapparats erinnert an die dunkelsten Zeiten der deutschen Geschichte. Die Dokumentation zeigt auch, wie besonders die führenden Köpfe in Deutschland zum Zielobjekt transatlanischer Geheimdienste wurden. Unter anderem von Interesse für die Dienste: Heinrich Böll und Günter Grass. Über Schatten- und Tarnorganisationen, wie etwa dem "Kongress für kulturelle Freiheit", wurde an der Beeinflussung der Schriftsteller gearbeitet, ohne dass diese selbst die Hintergründe und verdeckten Ziele ihrer Kontaktpersonen kannten.

All diesen Verstrickungen widmet sich mit einer aktuellen Untersuchung auch Isabelle Lascar auf den Nachdenkseiten in dem Artikel "Transatlantische Netzwerke: Auch im Verlagswesen sind sie präsent. Und wo man hinfasst: Soros". Lascar deckt auf, wie die Methodik der gezielten imperialen Beeinflussung der Öffentlichen Meinung auch heute noch im großen Stil organisiert wird. Dabei immer wieder im Vordergrund: Der Magnat und Politunternehmer George Soros.

Damals wie heute macht die Meinungsmache des transatlantischen Herrschaftssystems bei der Beeinflussung der Tagespresse nicht Halt. Mit dem Suhrkamp-Verlag und der Henning-Kaufmann-Stiftung sind auch auf bleibende Inhalte ausgerichtete kulturelle Institutionen Ziel der Manipulation.

All dies wirkt schnell übermächtig, ob der weit verzweigten Verstrickungen und der professionellen, oft skrupellosen Vorgehensweise der transatlantischen Meinungs-Agenten. Doch einen großen Vorteil hat das System des profitorientierten Kapitalismus hier: Als "Bürger" hat der Mensch seine Macht zwar längst weitestgehend eingebüst, als "Kunde" hat er hingegen Gestaltungspotential hinzugewonnen. Und wenn dieser "Kunde" die geheimdienstlich und imperial durchsetzten Informationsprodukte schlicht meidet, werden diese an ihrem wundesten Punkt getroffen.

Alternativen zum weich gerührten Einheitsbrei des Presse-, Kunst- und Kultur-Mainstreams existieren längst. Es spricht nichts dagegen, sie zu nutzen.

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