Lars Mährholz im RT Deutsch-Interview: 1,5 Jahre "Mahnwachen für den Frieden"

Lars Mährholz auf der Berliner Mahnwache für den Frieden
Lars Mährholz auf der Berliner Mahnwache für den Frieden
Im März 2014 rief Lars Mährholz die erste Mahnwache für den Frieden aus. Doch obwohl die öffentliche Rezeption der Mahnwachen alles andere als positiv war, ist die Bewegung bis heute aktiv. Für kommenden Samstag ist die "3. Bundesweite Mahnwache" in Berlin geplant. Im RT Deutsch-Interview äußert sich Mährholz zu Zuschreibungen durch Dritte, gibt Einblicke in seine politischen Ansichten und erzählt von seiner persönlichen Entwicklung vom Finanz-Trader und CDU-Mitglied zum Friedensaktivisten.

RT Deutsch: Herr Mährholz, es sind nun rund 1,5 Jahre vergangen, seitdem Sie im März 2014 unter dem Eindruck der Ukraine-Krise die erste "Mahnwachen für den Frieden" in Berlin anmeldeten. Daraus sollte alsbald eine bundesweite Bewegung werden, die zuerst ignoriert und dann, sowohl vom medialen Mainstream wie auch aus der etablierten Linken, heftig bekämpft wurde. Dennoch ist die Bewegung - wenn auch auf kleiner Flamme - bis heute aktiv. Sie waren, als alles losging, ein unbedarfter Aktivist und Politneuling. Wie hat sich Ihr persönliches Leben seit der ersten Mahnwache verändert?

Lars Mährholz: Wenn Sie so fragen, müssen wir viel früher anfangen. Ich war keinesfalls ein „Politneuling“ ich war schon vor meinem 18. Lebensjahr Mitglied in der CDU und bin dann später in die FDP eingetreten. Ich wuchs in einem sehr politischen Elternhaus auf und war mit 17 schon mit meinem ersten Unternehmen selbständig. Ich hatte eine IT-Firma, später dann eine kleine Unternehmensberatung und dann eine Eventagentur mit einem Club in Berlin. Mit 24 Jahren begann ich Fallschirm zu springen und um mich diesem Leistungssport voll und ganz widmen zu können, pausierte ich mit den anderen geschäftlichen Unternehmungen.

Mit Anfang 30 beschäftigte ich mich intensiv mit den Finanzmärkten und habe Gold, Silber und Währungen im Hochfrequenzhandel getradet. Zu dieser Zeit liefen im Büro zirka 18 Stunden täglich Bloomberg oder andere Nachrichtensender. Des Weiteren habe ich alle „wichtigen“ Wirtschaftszeitungen gelesen, auch die Financial Times. An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Ukraine-Krise nur der Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Es waren hunderte andere Punkte und Informationen, die mich bereits zuvor an den Rand der Verzweiflung getrieben haben. Da alles, was ich in den letzten 20 Jahren gelernt, gelesen und gehört habe oder was mir beigebracht worden ist, plötzlich in einer Welt mit vielen neuen und anderen Informationen keinen Sinn mehr für mich ergab.

Vor dem 17. März 2014 war ich kein Aktivist. Ich habe mich immer gefragt, wieso die Leute auf die Straße gehen. Ich war zuvor noch nie auf einer Demonstration, geschweige denn, habe ich selber eine angemeldet. "Können Demonstranten mit ihrer Zeit nichts sinnvolles anfangen, z.B. Geld verdienen," diese oder ähnliche Meinungen vertrat ich und leider haben meine jüngsten Erfahrungen gezeigt, dass es so wie mir damals, heute noch sehr vielen geht. Wenn man aber einmal verstanden hat, worum es geht - und zwar nicht um einzelne oder persönliche Interessen, sondern um die Gemeinschaft, unseren Planeten, unser aller Leben - hat man keine Alternative, als auf die Straße zu gehen und einen Standpunkt einzunehmen.

Die US-Airbaise von Ramstein aus der Luft. Bildquelle: U.S. Army Corps of Engineers Europe District. Some rights reserved

Nun kommen wir zu der Frage, inwiefern sich mein Leben verändert hat: Abgesehen davon, dass ich keine Zeitungen mehr lese, kein Fernsehen mehr schaue, auch keine Nachrichten mehr, habe ich mich von all meinen Kreditkarten getrennt. Ich zahle meinen Kredit so schnell wie möglich ab und würde nie wieder einen aufnehmen. Ich konsumiere wesentlich bewusster, ich gehe nicht mehr zu Fastfood-Ketten, versuche Produkte von Konzernen wie z.B. Nestle, Monsanto, Coca Cola und vielen weiteren Monopolen zu meiden und bin mit dem glücklich, was ich habe. Der Konsumismus ist das System, in dem wir leben und aus dem habe ich mich so gut wie möglich verabschiedet. Man definiert sich nicht über das was man kauft oder das Handy, Auto, Haus usw. welches man besitzt! Wenn man das verinnerlicht, ist man, so glaube ich, schon auf einem sehr guten Weg. Natürlich hat sich auch meine Art mit Informationen umzugehen grundlegend geändert.

Ich habe zirka 34 Jahre lang alles geglaubt, was ich aus Nachrichtensendungen, in Zeitungen oder im Inforadio erfahren habe. Es ist aber unglaublich wichtig, jede Information, die man bekommt genau zu hinterfragen und selber zu recherchieren! Aus diesen und weiteren Gründen ist mein Büro zu einer Aktivismus-Zentrale geworden und fast meine ganze Zeit investiere ich in Planung und Umsetzung von Aktionen für politische Bildung. Etwas anderes sollten die Mahnwachen nie sein. Sie sind weniger eine Demonstration als viel mehr eine Informationsveranstaltung.

RT Deutsch: Nun laden sie und ihre Mitstreiter für kommenden Samstag, den 29. August 2015, zur "3. Bundesweiten Mahnwache" in Berlin ein. Bisher haben sich rund 700 Menschen angekündigt. Die Teilnehmerzahlen an den Veranstaltungen ihrer Bewegung sind jedoch seit einiger Zeit rückläufig. Ist die Kriegsgefahr denn nicht gebannt? Ist es aus ihrer Sicht denn wirklich noch nötig für Frieden auf die Straße zu gehen?

Lars Mährholz: Wie bereits erwähnt, sind die Mahnwachen keine Demonstration im herkömmlichen Sinne, sondern eine alternative Informationsveranstaltung. Ich glaube daher leider nicht daran, dass die Mahnwachen in naher Zukunft nicht mehr nötig sein werden. Es sind zu viele Lügen und Falschinformationen im „Umlauf“ und genau eine solche Situation ist oft die Grundlage für Kriege. Sei es die Brutkastenlüge, der Golf von Tonkin oder die angeblichen Massenvernichtungswaffen im Irak (um nur einige zu nennen) - immer waren Lügen die Ausgangssituation und davon gibt es heutzutage Hunderter, die jederzeit als Grundlage für eine Eskalation z.B. in der Ukraine benutzt oder missbraucht werden können.

Sie erwähnen hier das zweite Mal, dass die Zahlen der Teilnehmer rückläufig sind, das stimmt so nicht ganz. Erstens sind die tausenden Menschen, die im letzten Jahr noch auf der Straße waren sicherlich noch weiter aktiv und versuchen im Rahmen ihrer Möglichkeiten weiter alles, um für eine bessere Welt einzutreten. Es stimmt aber, dass ab dem dritten Quartal des letzten Jahres immer weniger Leute auf die Straße gegangen sind. Das hat mit Sicherheit auch mit der Berichterstattung über die Mahnwachen zu tun. Die Menschen hatten einfach Angst, in eine falsche Schublade gesteckt zu werden. Aber seit Monaten ist die Zahl der aktiven Teilnehmer gleichbleibend, wenn nicht sogar wieder leicht ansteigend.

RT Deutsch: Das etablierte linke Spektrum hat enorme personelle und finanzielle Mittel aufgewendet um sich an der Mahnwachen-Bewegung - und auch an Ihnen persönlich - abzuarbeiten. Erst kürzlich thematisierte auch eine "wissenschaftliche Studie" der gewerkschaftsnahen Otto-Brenner-Stiftung die Mahnwachen und bezeichnete diese als einen der Schlüsselakteure in einem angeblichen "Querfront-Netzwerk". Und das sind noch die harmlosesten Kategorisierungen. Wie fühlt es sich für Sie persönlich an, so viel Ablehnung von Linken auf sich zu ziehen - gerade auch in Zeiten, wo eine tatsächliche rechte Gefahr zunehmend Front gegen Flüchtlinge macht?

Wolfgang Storz und sein Querfront-

Lars Mährholz: Ich persönlich habe nie verstanden, weshalb seit meiner ersten Mahnwache so auf mich „eingeschlagen“ wird. Ich habe niemals etwas rassistisches, menschenverachtendes oder ähnliches geäußert! Ich habe über unser Geldsystem, den Zins und Zinseszins und die Zentralbanken gesprochen (dort besonders über die FED), über ein System, welches nur zirka zehn Prozent der Weltbevölkerung begünstigt. 90 Prozent der Menschheit „leiden“ darunter! Ich wusste damals nicht, dass auch rechte Kreise diese Themen behandeln. Da stellt sich dann aber die Frage, ob ich es auch gemacht hätte, hätte ich es gewusst. Die Antwort ist eindeutig JA. Nur weil ein „Rechter“ sagt der Himmel ist blau und ich sage, "Ja, das stimmt", bin ich noch lange nicht rechts. Das sollte mal verstanden werden! Ich kann nur sagen, dass Menschen, die mich schon lange kennen, sagen, dass ich doch sehr linke Themen vertrete. Ich bin aber weder rechts noch links, ich bin neutral! Es geht mir um Fakten und die können nicht rechts oder links sein! Ich würde niemals gegen eine Gruppe Menschen, gegen eine Religion oder Einzelpersonen hetzen oder sie als Feind oder Problem darstellen! Alle unsere Probleme sind systembedingt. Also nur eine Änderung des Systems kann unsere Probleme lösen und nicht das Bekämpfen von Personen und Gruppen.

RT Deutsch: Wie ist Ihre Haltung zur äußerst kontrovers diskutierten Flüchtlingspolitik? Wie Sie selbst erwähnen, wurde Ihnen in der Vergangenheit oft vorgeworfen ihre Bewegung mache sich auch mit Rechten gemein. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie sehen, dass in Freital oder nun in Heidenau Rechtsextreme und "besorgte Bürger" Jagd auf Asylsuchende machen?

Lars Mährholz: Ich bin traurig und enttäuscht darüber, wie die Menschen sich von den Medien, der Politik oder ihren Nachbarn manipulieren lassen, anstatt sich persönlich über die Zusammenhänge zu informieren. Wir dürfen bitte nicht vergessen, dass seit dem 11. September 2001 die Medien auf der ganzen Welt z.B. den Moslem als Feind ausgerufen haben. Nach nun 14 Jahren medialer Gehirnwäsche, wundern sich die selben Medien, weshalb beispielsweise große Teile der deutschen Bevölkerung denken, "der Moslem" sei unser Feind.

Ich möchte betonen, dass sowohl ich mich persönlich, wie auch die Berliner Mahnwache, vom ersten Tag von Rechtsextremismus ganz klar distanziert haben und wir uns niemals mit jemandem aus diesem Spektrum gemein gemacht haben! Ich lehne jede Art von Ignoranz und Intoleranz ab und habe auch immer versucht anderen Mahnwachen diese Einstellung zu vermitteln. Da es aber eine dezentrale Bewegung ist, habe ich keinen Einfluss auf Redner und Themen anderer Mahnwachen. Ich kann nur sagen, wer solchen Müll propagiert, fördert und vertritt, ist auf keinen - ich betone auf KEINEN Fall - Teil der Mahnwachenbewegung, auch wenn sie sich so nennen sollten.

Allerdings würde es meiner Einstellung und meinem Denken und Handeln widersprechen, dem Dialog und der Diskussion mit „Rechten“ aus dem Wege zu gehen, denn nur wenn man sich mit ihnen unterhält und versucht, die eigene Sicht der Dinge zu erklären, besteht die Hoffnung und die Möglichkeit, dass sich auch ihre Ansichten ändern.

RT Deutsch: Was sind Ihrer Meinung nach die Ursachen für die steigende Zahl der Flüchtlinge, die auch zunehmend in Deutschland Schutz suchen?

Lars Mährholz: Wer Waffen exportiert, und das macht Deutschland auf dem vierten Platz der Weltrangliste, sollte sich bei diesem Thema nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Die Deutschen sollten gegen Waffenexporte auf die Straße gehen oder gegen den Finanzterror von EU und Troika (angeführt von Deutschland), gegen die Art und Weise wie die EZB, BIZ, FED, Weltbank, IWF und weitere Institutionen unsere Welt im kapitalistischen Würgegriff halten, was auch maßgeblich für die Flüchtlingsströme verantwortlich ist. Es gibt keinen Unterschied zwischen Wirtschafts- und Kriegsflüchtlingen. Wir, der „Westen“, beuten die meisten Länder dieser Welt aus. Das ist nicht zu leugnen! Zusammengefasst könnte man sagen: Länder, die Waffen exportieren, müssen Flüchtlinge aufnehmen und ich fände es eine gute Idee wenn die Rüstungsfirmen und Banken, die das alles sehr reich macht, für deren Unterbringung, Bildung, Gesundheitsversorgung usw. der Flüchtlinge aufkommen müssten.

RT Deutsch: Zur angekündigten "3. Bundesweiten Mahnwache" am kommenden Samstag in Berlin: Was ist geplant? Wie wird der Tag aussehen? Welche Redner werden erwartet? Welche Themen stehen auf dem Programm? Gibt es zentrale Forderungen der Aktion und der Bewegung als solche?

Lars Mährholz: Wissen Sie, zentrale Forderungen stellen ein generelles Problem dar, da es schwer ist, alle oder nur viele Menschen darunter zu vereinen. Natürlich hat jeder Redner, Künstler und Besucher der Mahnwachen seine ganz eigenen Forderungen und bis wir Millionen Menschen sind, die auf der Straße stehen, sollte man die Mahnwachen als Informationsveranstaltung betrachten, auf der man sich nicht immer der Meinung des Redners anschließen muss.

Ich verstehe die Angst der Menschen vor falscher oder unvollständiger Berichterstattung in den verschiedenen Medien. Oft wurden in der Vergangenheit alle Teilnehmer der Mahnwachen "über einen Kamm geschoren", soll heißen, die Meinung der Redner sei die Meinung der Zuhörer. Man sollte aber so in sich ruhen, dass diese äußeren Angriffe abprallen und niemanden tangieren. Es ist lobenswert, eine eigene Meinung zu haben und diese dann auch auf einer der kommenden Mahnwachen zu vertreten.

Der Journalist Harald Schumann. Quelle: Screenshot arte

Ich persönlich hätte auch nichts gegen Mahnwachen, auf denen drei Stunden geschwiegen wird, oder sich nur die Teilnehmer miteinander unterhalten. Stellen Sie sich einmal vor wie laut es sein würde, wenn in ganz Europa jeden Montag zehn Millionen Menschen schweigend auf der Straße stehen und sei es nur für eine Stunde! Aber natürlich haben wir bei über sechs Stunden Programm sehr gute Redner und sehr gute Künstler eingeladen. Namen möchte ich hier und jetzt nicht nennen. Ich kann Ihnen aber versichern, dass es keine intoleranten Redner und Künstler sein werden, dass keine menschenverachtenden oder anderweitig abstoßenden Reden gehalten werden und dass keine Religion oder irgendwelche Menschengruppen als Feindbild aufgebaut werden! Die Aufgabe der Mahnwachen ist es, zu verbinden, Vertrauen der Menschen untereinander herzustellen und die Liebe zu sich und anderen wieder zu entdecken.

Bevor ich kurz auf die Route und den zeitlichen Ablauf eingehe, möchte ich gerne Kants kategorischen Imperativ zitieren, unter dessen Motto man alle Mahnwachen stellen könnte: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ Sollte es dieser Satz in die Köpfe aller Menschen (auch von Bankern, Konzernbossen und Politikern) schaffen, wären wir auf einem guten Weg!

Unser Tagesablauf:

14:00 Uhr - Auftaktkundgebung am Washingtonplatz (Hauptbahnhof Berlin)

ca. 15:30 Uhr - Lauf zum Brandenburger Tor

ca. 16:30-45 Uhr - Lauf zum Potsdamer Platz

ab 17.00 bis voraussichtlich 22:00 (Abschlusskundgebung)

Da es sich um ungefähre Angaben handelt, würde ich jeden Interessierten bitten, sich gegen 14:00 Uhr am Washingtonplatz (Hauptbahnhof Berlin) einzufinden und sich selbst ein Bild von den Rednern und Musikern zu machen. Nur gemeinsam - und zwar wir alle gemeinsam - können diese Welt verändern!

RT Deutsch: Angesichts der massiven Angriffe mit denen Sie persönlich und auch Ihre Bewegung seit ihrem Entstehen leben müssen, gibt es ihrer Meinung nach auch Anlass zur Selbstkritik? Haben Sie einige Aussagen in der Vergangenheit vielleicht auch zu naiv oder unüberlegt getätigt? Was würden Sie heute - mit der Erfahrung der vergangenen 1,5 Jahre - anders machen?

Lars Mährholz: Selbstreflexion ist mit Abstand eine der schwierigsten, schmerzhaftesten und anstrengendsten Aufgaben, die jeder von uns in seinem Leben zu bewältigen hat. Natürlich habe ich als Mensch, und die Mahnwachen als Bewegung, Fehler begangen. Einige hätte ich verhindern können, auf andere hatte ich keinen Einfluss.

Hier nun aufzuzählen was im Einzelnen nicht perfekt gelaufen ist, würde wohl den Rahmen dieses Interviews sprengen. Nach jeder Mahnwache oder jedem Interview denke ich über das Gesagte nach und wünsche mir oft, ich hätte es etwas anders ausgedrückt oder klarer dargestellt. Ich kann Ihnen aber gerne ein Beispiel nennen, welches ich persönlich viel schlimmer fand als meinen oft zitierten Satz, dass die FED Schuld an den Kriegen der letzten 100 Jahre sei, womit ich auf keinen Fall die deutsche Schuld der zwei großen Kriege schmälern wollte, sondern lediglich ansprechen wollte, woher die enormen Summen, die solche Kriege kosten, kommen.

Ich habe 2014 Max Keiser von RT International in New York ein Interview auf Englisch gegeben:

In diesem Interview habe ich viele Dinge leider nicht so ausdrücken konnte wie ich es auf Deutsch hätte tun können. Aber mein „größter Fehler“ in dem Interview war mein Satz, dass die FED die erste Zentralbank gewesen sei. Mir ist schon klar, dass dem nicht so ist und dass das Vorbild einer privaten Zentralbank aus Europa gekommen ist. Eigentlich wollte ich sagen, dass der Federal Reserve Act (also die FED) der Anfang unseres heutigen Wirtschaftssystems war, von allem was danach gekommen ist: IWF, Weltbank und aller weiteren Institutionen dieser Größe.

Max Keiser hat mich schon im Interview korrigiert. Diese Situation hat mich noch Monate danach beschäftigt und ich habe es selber als erbärmlich empfunden. Es bringt jedoch nichts, eine solche „Last“ mit sich herumzuschleppen, die Devise lautet: erkennen, benennen, lernen und es beim nächsten Mal besser zu machen!

RT Deutsch: Zu guter Letzt: Was würden Sie Ihren zahlreichen Kritikern und "Gegnern" gerne mit auf den Weg geben?

Lars Mährholz: Das ist mit Abstand die schwierigste Frage, die Sie mir heute gestellt haben. Ich hätte zu jeder Ihrer anderen Fragen noch hundert Dinge mehr sagen können, mehr versuchen zu erklären oder aufzuzeigen, aber ich bin nicht der, der einzelnen Personen kluge Ratschläge geben will. Ich kann versuchen Ihnen zu erklären, nach welchen Prinzipien ich versuche zu leben und wenn dann jemand sagt "Das hört sich doch gut an" oder "Ich denke mal darüber nach", habe ich schon alles erreicht, das es zu erreichen gilt.

Es geht darum, wenn wir jetzt speziell von mir reden, die Dinge, die über mich gesagt werden, zu hinterfragen, zu schauen, ob das wirklich der Wahrheit entspricht. Nur ein kleines Beispiel: Mir wird immer wieder meine frühere Vorstandstätigkeit als Beisitzer im VJJ (Verband Junger Journalisten) vorgeworfen, weil der Gründer dieses Vereins sich mal mit Jörg Haider getroffen haben soll. In diesem Verband waren tausende von Mitgliedern organisiert und keiner von denen - auch ich nicht - hatten persönlichen Kontakt zu dem Gründer und dennoch wird mir vorgeworfen, dass meine frühere Mitgliedschaft in dem Verband "rechte Einstellungen" belegen würde.

Das ist ungefähr so, als würde in einer Firma herauskommen, dass der Chef mal eine fragwürdige Partei gewählt hat und nun allen Angestellten vorgeworfen wird, rechts zu seien. Ergibt das Sinn für Sie?

So einfach kann es sein, an die Wahrheit zu kommen, man muss nur mal die richtigen Fragen stellen. Ich versuche, mir über keinen Menschen eine Meinung zu bilden, mit dem ich nicht persönlich gesprochen habe (außer jemand begeht z.B. einen Mord - auch mit Drohnen. Da ist dann schon klar, dass das nicht mit meinen Vorstellung einer Gesellschaft vereinbar ist). Ich versuche nach dem Spruch zu leben: „Liebe/respektiere deinen Nächsten wie dich selbst“.

Ich versuche verständnisvolle, verzeihende und tolerante Gedanken zu haben, da wir dringend verstehen müssen, dass aus unseren Gedanken unsere Worte werden und aus unseren Worten unsere Taten.

RT Deutsch: Vielen Dank für das Interview

Die Fragen stellte RT Deutsch-Redakteur Florian Hauschild

comments powered by HyperComments