Mit dem Ersten und Zweiten sieht man gar nichts: TV-Rechte für Olympische Spiele bis 2024 an Eurosport vergeben

Quelle: Makaristos
Quelle: Makaristos
Bei den Übertragungsrechten für die Olympischen Spiele 2018 bis 2024 sind ARD und ZDF erstmals leer ausgegangen. Die privaten Anbieter Discovery und Eurosport erwarben vom IOC die gesamten Übertragungsrechte – und könnten diese oder auch Sublizenzen an Pay-TV-Sender weiterreichen.

Schwarzer Tag für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland: Bis dato konnten die Sendeanstalten der ARD und des ZDF, deren verpflichtende Finanzierung durch alle deutschen Haushalte aus den Reihen der Bevölkerung immer offensiver in Frage gestellt wird, ihre Legitimation unter anderem damit begründen, dass sie gerade bei großen Sportveranstaltungen eine Grundversorgung garantieren.

Dies traf zuletzt weitgehend mit Blick auf die Fußball-Weltmeisterschaften der FIFA zu, wo – mit Ausnahme des Jahres 2002 – im Regelfall alle Spiele in Deutschland ohne zusätzliche Bezahlschranken zu empfangen waren. In Bezug auf die Länderspiele der deutschen Fußball-Nationalmannschaft trifft es hingegen schon nicht mehr uneingeschränkt zu. Hier ist ein nicht unerheblicher Teil über den Privatsender RTL zu sehen und wer diese Spiele online über Livestream mitverfolgen möchte, muss dafür bezahlen.

Quelle: Screenshot ARD

Nun könnte das deutsche TV-Publikum auch, was die Olympischen Spiele anbelangt, zumindest bei den öffentlich-rechtlichen Sendern außen vor bleiben. Das Internationale Olympische Komitee hat überraschend die TV-Rechte für die Olympischen Spiele 2018 bis 2024, was den europäischen Markt anbelangt, an Discovery/Eurosport verkauft.

ARD und ZDF wurden von diesem spektakulären Coup völlig auf dem falschen Fuß erwischt. Bestenfalls über Sub-Lizenzen könnten die beiden Groß-Fernsehanstalten mit Blick auf Olympia doch noch zum Zuge kommen.

Aus der Pressemitteilung des IOC, in der die Entscheidung bekannt gegeben wurde, sei man in den beiden Sendeanstalten nicht ausreichend schlau geworden. Es gehe daraus nicht hervor, welche Konsequenzen dies auf den deutschen Fernsehmarkt habe, wo beide Sender zu empfangen sind. In diesem Sinne verlangt man eine Stellungnahme seitens des IOC oder DOSB.

IOC-Präsident Thomas Bach versuchte indes, die Gemüter zu beruhigen. Die Rechte seien im Moment zwar exklusiv in den Händen von Discovery Communications und Eurosport. Diese, so äußerte Bach gegenüber der dpa, seien aber bereit, mit anderen Sendeanstalten über allfällige Übertragungsrechte zu verhandeln.

Am Ende dürften Sublizenzierungen jedoch eine Frage des Preises darstellen – und Discovery beziehungsweise Eurosport müssen insgesamt nicht weniger als 1,3 Milliarden Euro refinanzieren, die im Vorfeld für den Erwerb des kompletten Rechtepakets investiert worden waren. Dabei können jedoch auch Pay-TV-Kanäle zum Zuge kommen, zumal Eurosport selbst welche unterhält.

Quelle: Screenshot

ARD und ZDF hatten auch diesmal beim IOC mitgeboten, im Unterschied zu 2014 und 2016 kamen sie jedoch nicht zum Zuge. Nur noch für die bevorstehenden Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro haben sie die Recht inne, die sie ursprünglich für 110 Millionen Euro gekauft hatten.

Die deutschen Sender hatten damals die Lizenzrechte zum ersten Mal direkt beim IOC erworben, weil das IOC seine diesbezügliche Zusammenarbeit mit der European Broadcasting Union (EBU) beendet hatte. Nun hängt man seitens der öffentlich-rechtlichen Sender vom Wohlwollen Discoverys ab. Dort gibt man sich noch bedeckt. In einer Erklärung heißt es lediglich: „Discovery und Eurosport werden dafür sorgen, dass die Olympischen Spiele über ihre eigenen TV-Sender und Medienplattformen übertragen werden und in einzelnen Gebieten (durch Sublizenzierung) gegebenenfalls auch durch andere Rundfunkanstalten.”

Viele Fernsehzuschauer dürften die Entscheidung des IOC allerdings nicht nur mit einem weinenden Auge sehen. So häuften sich nicht zuletzt in Deutschland 2014 die Beschwerden darüber, dass die Sportberichterstattung über die Olympischen Winterspiele von Sotschi immer wieder durch politische Agitation und Propaganda angereichert worden wäre. Von Eurosport ist man unerbetene politische Handreichungen im Zuge von Sportübertragungen hingegen weniger gewohnt.