Russlands fünf Trümpfe im Sanktionspoker mit den USA

Russlands fünf Trümpfe im Sanktionspoker mit den USA
(Symbolbild)
Washingtons Pläne, die Sanktionen gegen Moskau zu verschärfen, haben sowohl in den USA als auch in Russland heftige Debatten darüber ausgelöst, welches Land mehr Schaden nehmen wird.

Die USA haben angedeutet, dass sie den Export sensibler nationaler Sicherheitsgüter nach Russland ins Visier nehmen, Flüge der russischen Aeroflot-Fluggesellschaft in die USA einstellen und sogar alle US-Exporte nach Russland verbieten würden. Nach Angaben des US-Außenministeriums sind die vorgeschlagenen Maßnahmen eine Reaktion auf die Vergiftung des Doppelagenten Sergei Skripals und dessen Tochter im Vereinigten Königreich. Russland wies den Vorwurf zurück und forderte wiederholt eine objektive internationale Untersuchung.

In Anbetracht der Tatsache, dass Washington so ziemlich alles sanktioniert hat, was es in Bezug auf Russland zu sanktionieren gibt, hat Moskau einige interessante Optionen, wenn es diesmal stark reagieren muss.

Bisher warnten russische Gesetzgeber davor, dass die neuen Strafmaßnahmen mit harten Vergeltungsmaßnahmen einhergehen könnten, die auf einige sensible Bereiche der Zusammenarbeit zwischen den Ländern abzielen würden. RT Deutsch führt hier die Liste der möglichen Maßnahmen an, die Moskau verwenden könnte, um den USA zu schaden.

Titan

Im Falle eines umfassenden Sanktionsaustauschs könnte die russische Regierung entweder ein Verbot oder eine andere Art von Beschränkung für den Export von Titan in die USA verhängen. Das russische Titanmonopol-Unternehmen VSMPO-AVISMA produziert ein Drittel der weltweiten Titanteile für die Flugzeugindustrie. Das Unternehmen liefert 70 Prozent seiner Produktion auf den Weltmarkt. Avisma liefert 40 Prozent der von Boeing benötigten Titan-Komponenten. Bei Airbus sind es 60 Prozent. Der Bedarf des brasilianischen Unternehmens Embraer an Titan-Komponenten wird sogar zu 100 Prozent von dem russischen Titanproduzenten gedeckt.

Die Suche nach einem Ersatz des russischen Titans wäre für Boeing nahezu unmöglich. Die industrielle Arbeit mit Titan begann gleichzeitig in den USA und in der UdSSR in den 1950er Jahren. Allerdings gelang  es nur Russland, hochwertige Titanlegierungen herzustellen.

Die Verwendung anderer Materialien ist für Boeing ebenfalls nicht ideal. Titan hat große Vorteile gegenüber anderen Legierungen. Der Flugzeugbau erfordert die Verwendung von Materialien, die den hohen Belastungen des Fluges in großen Höhen und einer ständigen Aussetzung der Naturelemente standhalten. Früher wurden Flugzeuge aus Stahl hergestellt, aber heute werden leichtere, haltbarere Materialien verwendet, um die Lebensdauer der Flugmaschinen zu verlängern und sie energieeffizienter zu machen. Titan ist so stark wie Stahl, aber 45 Prozent leichter. Es hält eine lange Zeit der Einwirkung von Salzwasser in einer Meeresatmosphäre stand. Die Festigkeit von Titan macht das Verschweißen schwierig, was zu seinem hohen Preis im Vergleich zu Stahl und Aluminium beiträgt.

Luftraum

Strategisch zwischen Europa und Asien gelegen, könnte Russland höhere Tarife für die Transitnutzung seines Luftraums für alle US-Fracht- und Passagierflugzeuge einführen oder die Flüge ganz verbieten.

Regis Duvignau

Im günstigsten Fall müssten US-amerikanische Fluggesellschaften entweder höhere Tarife zahlen oder alternative Flugstrecken wählen. Der Verlust der kürzeren Strecke von Europa nach Asien bedeutet aber auch einen Verlust gegenüber der Konkurrenz durch europäische und asiatische Fluggesellschaften.

Im schlimmsten Fall würde ihnen nichts anderes übrig bleiben, als das größte Land der Welt zu umfliegen, was die Treibstoffkosten erheblich erhöhen würde. In jedem Fall würden die US-amerikanischen Fluggesellschaften hohe finanzielle Verluste erleiden, was für die US-amerikanische Luftfahrtindustrie eine Katastrophe wäre.

Flüssiggas und sonstige Energieressourcen

Auch die Einfuhr von verflüssigtem Erdgas (LNG) und anderen Energieprodukten aus Russland in die USA könnte verboten werden. Russlands Exporte von Öl und Petrochemikalien in die USA machen Berichten zufolge nur acht Milliarden US-Dollar aus, was nur 4,6 Prozent der gesamten russischen Energieexporte ausmacht. Das Verbot wäre relativ schmerzlos für russische Hersteller, die den Verkauf ihrer Produkte leicht an asiatische Käufer umleiten könnten.

Für die USA jedoch könnte es eine andere Geschichte sein, denn sie versuchen, ein wichtiger Akteur im Energieexport zu werden. Die USA sind nicht in der Lage, genug LNG für den Inlandsverbrauch und den Export zu produzieren. Außerdem haben sie nicht genügend LNG-Tanker und verkaufen russisches LNG an europäische Länder. Wenn Russland die Energieversorgung unterbricht, müssten die US-amerikanischen Pläne, ein großer Energieexporteur zu werden, auf Eis gelegt werden.

Die Sprecherin des Außenministeriums, Heather Nauert, spricht am 30. November 2017 bei einem Briefing im State Department in Washington, D.C.

US-Unternehmen in Russland

Trotz der Verschlechterung der Beziehungen zwischen Moskau und Washington arbeiten viele US-amerikanische Unternehmen weiterhin in Russland, ohne von der russischen Regierung benachteiligt zu sein. Als Vergeltung für neue US-Sanktionen könnte Russland Unternehmen wie PepsiCo, Procter & Gamble, McDonald's, Boeing, Mondelez International, General Motors, Johnson & Johnson, Cargill, Alcoa, General Electric und vielen anderen die Arbeit auf russischem Territorium deutlich erschweren.

Es gibt nur sehr wenige russische Unternehmen in den Vereinigten Staaten, daher würde es Washington schwer fallen, mit Spiegelmaßnahmen zu reagieren. Die einzige Tatsache, die den Kreml bei der Ausführung jeglicher Schritte gegen US-amerikanische Unternehmen in Russland bremst, ist die inländische Beschäftigung, da diese Unternehmen Arbeitsplätze für russische Bürger bieten.

Russische Raketen

Lieferungen von RD-180-Raketentriebwerken gelten als eine der Haupttrümpfe Russlands bei der Vergeltung von US-Sanktionen. Die Triebwerke sind entscheidend für das US-Raumfahrtprogramm, da die NASA und das Pentagon damit US-amerikanische Satelliten starten. Versuche, sie nicht mehr von Russland zu kaufen, sind gescheitert, weil die USA nicht in der Lage waren, eine einheimische Alternative zu produzieren.

Die Motoren werden zum Antrieb von Atlas-V-Raketen eingesetzt. Neben den RD-180-Triebwerken kaufen die USA auch russische RD-181-Triebwerke. Das Triebwerk RD-181 wird zum Antreiben der Antares-Raketen eingesetzt. Diese bringen die Cygnus-Raumtransporter für die NASA zur Internationalen Raumstation.

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