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Corona-Tote: Russisches Außenministerium fordert Gegendarstellung von NYT und FT

Corona-Tote: Russisches Außenministerium fordert Gegendarstellung von NYT und FT
An einer temporären Gedenkstätte in Sankt Petersburg ehrt eine Frau die Mediziner, die in den Krankenhäusern der Stadt im Kampf gegen das Coronavirus gestorben sind. (28. April 2020)
Die relativ niedrige Zahl der Corona-Toten in Russland stellt manche Experten vor ein Rätsel. Die New York Times (NYT) und die Financial Times (FT) meinen, des Rätsels Lösung zu kennen: Der Kreml vertusche die wahren Todeszahlen. Moskau fordert nun eine Gegendarstellung.

Aktuell gibt es in Russland 272.043 positiv auf das Coronavirus Getestete, wovon inzwischen 2.537 an COVID-19 verstorben sind. (Stand: 16. Mai) Russland ist damit nach den USA das Land mit den meisten Infizierten. Die Todeszahlen sind jedoch vergleichsweise gering.

"Experten wollen wissen, warum das Coronavirus nicht mehr Russen getötet hat", betitelte jüngst das Online-Nachrichtenportal des Medienhauses Bloomberg ursprünglich einen Artikel zum Thema Coronavirus in Russland. Später wurde "wollen wissen" in "fragen" geändert.

UPDATE: Am 16. Mai einigte sich die Redaktion schließlich auf den endgültigen Titel "Experten stellen russische Daten bezüglich Covid-19-Todeszahlen infrage".

Mediziner warten auf ihren Einsatz vor einem Moskauer Krankenhaus.

Bei der Sprecherin des russischen Auswärtigen Amtes Maria Sacharowa brachte die in der ersten Version des Titels mitschwingende Enttäuschung über die vermeintlich zu wenigen russischen Toten das Fass zum Überlaufen. Sie kommentierte auf Facebook die Formulierung von Bloomberg, die sie in einen größeren Kontext einordnete und mit einer Aussage des NATO-Generalsekretärs gegenüber der italienischen La Repubblicaverband:

Dass der Startschuss einer Desinformationskampagne gegen Russland im Kontext der Pandemie erfolgt ist, haben schon alle verstanden. Und heute hat NATO-Generalsekretär Stoltenberg ihre Stoßrichtung klar vorgegeben: 'Russland und China verbreiten in der Pandemie des COVID-19-Coronavirus massenweise Desinformation, um auf diese Weise die Weltordnung zu ändern.'

Ich bin übrigens gar nicht so sicher, dass mit einer Weltordnung, in deren Rahmen die Nachrichtenagentur Bloomberg einen Artikel mit dem Titel 'Experten wollen wissen, warum das Coronavirus nicht mehr Russen getötet hat' veröffentlicht, wirklich alles in Ordnung ist.

Update: Bei Bloomberg hat man erkannt, dass der Titel schauderhaft ist, und ihn geändert. Nun lautet er: 'Experten stellen infrage, warum das Coronavirus nicht mehr Russen getötet hat'. Na, geht doch. Die Experten waren wohl beleidigt.

Gegendarstellung von Financial Times und New York Times gefordert

Vorwürfe von Vertuschung angeblich echter Todeszahlen infolge der Corona-Epidemie wurden auch in fast synchron erschienenen Artikeln der New York Times (NYT) und der Financial Times erhoben. Russlands Auswärtiges Amt fordert nun Gegendarstellungen, schreibt die Nachrichtenagentur TASS.

Sitzung des EU-Parlaments unter der Teilnahme der EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen am 26. März 2020 in Straßburg.

Die NYT und die britische Financial Times (FT) machten in ihren Artikeln auf Todeszahlen infolge der Coronavirus-Epidemie in Russland aufmerksam. Die New York Timeswarf unverblümt den zuständigen Behörden in Russland bewusstes "Unterschlagen" "echter" Todeszahlen vor.

Auch die Financial Times erhob implizit den Vorwurf der Vertuschung, vermied es im Gegensatz zur NYT aber, sich mit eigenen Aussagen aus dem Fenster zu lehnen.

Man verwies stattdessen auf Kritiker und Oppositionelle: Das Verbot von Fake News zur Coronavirus-Epidemie in Russland und der Diskussion darüber könne Kritikern zufolge von der Regierung dazu genutzt werden, unabhängiger Berichterstattung den Maulkorb anzulegen, falls diese den offiziellen Angaben zuwiderläuft, äußern die Verfasser in einem Satz. Gleich im nächsten Satz wird die Aussage einer nicht namentlich genannten Ärzteorganisation mit angeblichen Verbindungen zu Aktivisten der Opposition indirekt zitiert, der zufolge Russlands Regierung das Ausmaß der "Krise im Gesundheitswesen vertuscht".

Die russischen offiziellen Angaben erachteten die Verfasser der beiden Artikel als zu niedrig. Die "echten" Zahlen meinen sie mithilfe der Übersterblichkeit ermitteln zu können. Als Beispiel führen beide Zeitungen entsprechende Werte aus Moskau an, die Financial Times auch die aus Sankt Petersburg.

Russlands Außenministerium hat von den Redaktionen beider Zeitungen Gegendarstellungen gefordert. Entsprechende Briefe werde man den Chefredakteuren über die Botschaften der USA und Großbritanniens in Russland zukommen lassen, kündigte die Sprecherin des russischen Außenministeriums bei einer Pressekonferenz an. Je nachdem, ob die Redaktionen der New York Times und der Financial Times die Forderungen erfüllten oder nicht, behalte man sich weitere Schritte vor.

Weitere Schreiben zu diesem Thema adressierte Russlands Auswärtiges Amt an die Vereinten Nationen, so etwa an den Vertreter für Fragen der Pressefreiheit Harlem Désir und UNESCO-Generalsekretärin Audrey Azoulay. In solchen Artikeln sieht das Amt Beispiele für eine Pandemie der Desinformation, vor der der UN-Generalsekretär Guterres warnte:

Ähnliche Texte werden wir an das Sekretariat der UN leiten – als Beispiel für die 'Infodemie', zu deren Bekämpfung der Generalsekretär António Guterres aufrief.

Noch vor Erhalt der Schreiben erklärten beide Zeitungen, für Gegendarstellungen keinen Anlass zu sehen. Ob die Forderung nach Gegendarstellungen durchsetzbar ist, ist unklar. Die Artikel beider Zeitungen führen auch Gegenstimmen an, sodass sie eine ausgewogene Berichterstattung geltend machen könnten. So zitiert die Financial Times den russischen Diagnostiker, Pathologen und Onkologen Georgi Frank, Professor an der Russischen Akademie der Medizinwissenschaften, mit der Aussage, dass es falsch wäre, bei jedem Todesfall mit einem COVID-19-Krankheitsbild dieses auch als die Ursache festzumachen.

Frank verweist damit auf die nicht nur in der russischen Medizin gängige Praxis, bei Todesfällen infolge mehrerer gleichzeitiger Krankheiten nicht immer die Krankheit als Todesursache zu registrieren, die als letzte hinzukam und dem Körper den Rest gab, sondern häufig die, die bei dem Kranken den meisten Schaden anrichtete.

Mehr zum Thema – "Pure Lügenmärchen": Russland kritisiert Verleihung von Pulitzer-Preis an New York Times

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