New York Times ruft zum Denunzieren von Fehlinformation auf - und erntet Spott

New York Times ruft zum Denunzieren von Fehlinformation auf - und erntet Spott
Kennt sich aus mit Desinformation: Die New York Times
Zwei Monate vor den Zwischenwahlen in den USA ruft die "New York Times" dazu auf, ihr Fälle von Desinformation im Netz zu melden. Die Reaktionen machen deutlich: Die Zeitung wird nicht zuletzt selbst mit der Verbreitung von "Fake News" in Verbindung gebracht.

Die New York Times hat ihre Leser am Montag dazu aufgerufen, ihr Fälle politischer Desinformation zuzutragen. Im Vorfeld der Zwischenwahlen zum US-Kongress im November hat die Zeitung ein Online-Formular veröffentlicht, in dem man Links und Screenshots einfügen kann, um sie der New York Times zukommen zu lassen. Die Zeitung sucht nach "Fehlinformationen", mit denen "Wähler verwirrt, irregeführt oder beeinflusst" werden sollen.

Die Suche der Zeitung nach Fehlinformationen erfolgt vor dem Hintergrund der im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen 2016 in den sozialen Medien verbreiteten Falschmeldungen und Scherze. Diese "Fake News" sorgten für langwierige Debatten, hatten aber nach einer Studie der Stanford-Universität keinen entscheidenden Einfluss auf den Wahlausgang.

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Der Aufruf der traditionsreichen New York Times entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Die Zeitung hat sich nämlich in ihrer langen Geschichte immer wieder an der Verbreitung von Fehlinformationen und Unwahrheiten beteiligt. Vor dem Irakkrieg 2003 beispielsweise verbreitete auch sie die Lüge von den angeblich im Land versteckten Massenvernichtungswaffen, mit denen der Angriff der USA gerechtfertigt wurde.

Vor wenigen Tagen erst kam die US-Zeitung in die Kritik, weil sie in einem Artikel den Eindruck vermittelte, dass Nikki Haley, US-amerikanische Botschafterin bei den Vereinten Nationen, überteuerte Vorhänge für eine Dienstwohnung gekauft hätte. Tatsächlich lag die Anschaffung Jahre zurück, Haley hatte mit ihr nichts zu tun.

In den sozialen Netzwerken stieß der Aufruf der New York Times dementsprechend vor allem auf Spott und Häme. "Ich hab einen!", schrieb etwa ein Twitter-Nutzer und postete den irreführenden Artikel über Haley und die teuren Vorhänge. Ein anderer postete die Prognose des Blattes von 2016, dass Hillary Clinton mit 92-prozentiger Wahrscheinlichkeit die Wahl gegen Donald Trump gewinnen würde. 

Die Zahl der kritischen Kommentare auf Twitter geht in die Tausende, dies verdeutlicht, wie sehr die traditionellen Medien auch in den USA an Ansehen verloren haben.

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