Neue Studie: 77 Prozent der US-Amerikaner werfen Mainstreammedien Verbreitung von Fake News vor

Neue Studie: 77 Prozent der US-Amerikaner werfen Mainstreammedien Verbreitung von Fake News vor
Werbetafel auf dem Times Square in New York, 5. Februar 2018
Zwei jüngere Studien der Monmouth-Universität deuten an, dass die US-Amerikaner über Parteigrenzen hinweg ihren Medien und auch dem politischen Entscheidungsprozess immer stärker misstrauen. Nur 21 Prozent verneinen den Einfluss eines Tiefen Staates.

Die Debatte über Fake News hatten ursprünglich Gegner des US-Präsidenten Donald Trump nach dessen Wahl im November 2016 initiiert. Ihre Vorwürfe, Alternativmedien und russische Social-Media-Bots hätten durch das systematische Verbreiten falscher Behauptungen der angeblich besser qualifizierten Gegenkandidatin Hillary Clinton den Sieg gestohlen, verfolgten augenscheinlich das Ziel, Trumps Autorität und die Legitimität seiner Präsidentschaft zu untergraben.

Dem Präsidenten ist es seither jedoch offenbar erfolgreich gelungen, den Begriff der Fake News selbst zu vereinnahmen und seinerseits gegen die ihm überwiegend sehr kritisch gegenüberstehenden traditionellen Medien zu instrumentalisieren.

Eine jüngst veröffentlichte Studie der Monmouth-Universität in New Jersey, über die Politico berichtete, unterstreicht, dass die Skepsis der Bevölkerung gegenüber Medien insgesamt deutlich angewachsen ist. Von den über 800 Befragten gaben nicht weniger als 77 Prozent an, den größeren Nachrichtenplattformen sowohl im Bereich TV als auch im Bereich Print zu misstrauen. Gegenüber den 63 Prozent, die dies im Rahmen der gleichen Studie im Vorjahr zum Ausdruck gebracht hatten, stellt dies einen erneuten deutlichen Zuwachs dar.

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Während 31 Prozent der Studienteilnehmer erklärten, sie hätten den Eindruck, regelmäßig mit verfälschten Informationen versorgt zu werden, gehen 46 Prozent von gelegentlicher Desinformation aus.

89 Prozent der Republikaner halten Medien für Agenda-getrieben

Mit 83 Prozent noch höher ist der Anteil jener Befragten, die davon überzeugt sind, dass spezielle Interessensgruppen versuchen, absichtlich falsche Informationen in den Nachrichtenzyklus zu tragen - bei sozialen Medien wie Facebook oder YouTube gehen sogar 87 Prozent davon aus, dass die gleichen Kräfte am Werk sind. Insgesamt 66 Prozent der Befragten halten dies für ein ernstes Problem.

Der Argwohn gegenüber Medien ist keine Angelegenheit, die auf die Anhänger nur einer Partei konzentriert wäre, auch wenn es Unterschiede gibt. Unter deklarierten Republikanern gehen 89 Prozent davon aus, dass in den Mainstreammedien eigene unsaubere Absichten den Willen beeinträchtigen, objektiv und wahrheitsgemäß zu berichten, bei den Demokraten sind es immerhin 61 Prozent, was einen Zuwachs von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr darstellt. Auch die Unabhängigen sind skeptisch gegenüber den Medien – von 66 Prozent im Vorjahr ist der Anteil der Argwöhnischen unter ihnen auf 82 Prozent angewachsen.

Die Definition von Fake News ist dabei unter den Befragten uneinheitlich. Nur 25 Prozent legen dabei jedoch jenen engen Maßstab an, der den Erfindern des Begriffs vorgeschwebt hatte, nämlich Information, die faktisch unwahr sind. Als ein Beispiel dafür nannten Trump-Gegner einst Berichte, wonach Hillary Clintons Wahlkampfleiter John Podesta in einen satanistischen Kinderschänder-Ring involviert gewesen sei - eine Behauptung, für die es keinerlei belastbare Beweise gab. Hingegen subsumieren 65 Prozent der befragten US-Amerikaner auch in parteiischer Weise gefilterte oder selektive Information und redaktionelle Vorgaben darüber, was berichtet wird und was nicht, unter "Fake News" - und folgen damit der weitläufigeren Definition, von der Präsident Trump offenbar ausgeht.

"Interessengruppen und parteiische Redaktionen tragen zu Fake News bei"

Eine relative Mehrheit von 42 Prozent der Studienteilnehmer erklärte, die traditionellen Medien würden absichtlich verfälschte Nachrichten verbreiten, um eine bestimmte Agenda voranzubringen. Das ist ein geringfügiges Plus von drei Prozent gegenüber 2017. Demgegenüber meinen 26 Prozent, dies geschehe unabsichtlich und infolge unzureichender Recherche, im Vorjahr waren dies aber noch lediglich 17 Prozent. Etwa sieben Prozent meinen, beide Faktoren spielten in etwa in gleichem Maße eine Rolle. Die übrigen Befragten waren sich nicht sicher oder meinten, die traditionellen Medien würden keine Fake News verbreiten.

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Der Leiter des unabhängigen Umfrageinstituts der Monmouth-Universität, Patrick Murray, meint:

Aus Sicht der Bevölkerung sind Fake News das Resultat sowohl außenstehender Akteure, die versuchen, fabrizierte Geschichten in Umlauf zu bringen, als auch von redaktionellen Prozessen innerhalb der Mainstream-Medienformate selbst, die falsche Narrative verbreiten. Die Wahrnehmung dieses Problems könnte weiter verbreitet nicht sein.

Nicht nur, was die Lauterkeit der Medien anbelangt, sind die US-Amerikaner offenbar nicht restlos davon überzeugt, dass die Ideale der unverfälschten demokratischen Willensbildung in ihrem Land in vollem Umfang umgesetzt werden.

63 Prozent der US-Amerikaner kennen den Begriff "Tiefer Staat" nicht

Bereits im März hatte das Institut eine Studie durchgeführt, die sich mit der politischen Infrastruktur in Washington insgesamt befasste und nach den Wahrnehmungen hinsichtlich eines Einflusses sogenannter tiefer Strukturen im Staatswesen fragte.

Dabei erklärten 60 Prozent der Teilnehmer, das Gefühl zu haben, dass nicht gewählte, sondern lediglich ernannte Regierungsbeamte zu viel Einfluss auf die Ausrichtung der landesweiten Politik hätten. Nur 26 Prozent meinten, die Balance zwischen dem Einfluss gewählter und nicht gewählter Amtsträger sei gerade richtig. Unter Republikaner und Demokraten mit jeweils 59 Prozent und Unabhängigen mit 62 Prozent zog sich der Eindruck, nicht vom Wählerwillen abhängige Akteure wären zu mächtig, recht gleichmäßig durch alle politischen Lager.

Murray äußerte sich dazu folgendermaßen:

Normalerweise erwarten wir, dass die Meinungen über die Funktionsweisen der Regierung variieren, je nachdem, welche Partei gerade am Ruder ist. Aber es gibt unter Republikanern wie Demokraten gleichermaßen ein merkwürdiges Gefühl, dass ein 'Tiefer Staat' von nicht gewählten Akteuren an den Hebeln der Macht hantiert.

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Dabei sind 63 Prozent der US-Amerikaner der Umfrage zufolge mit dem Begriff "Tiefer Staat" gar nicht vertraut, während 24 Prozent ihn zumindest schon einmal gehört haben und 13 Prozent mit ihm sehr vertraut sind. Auf die direkte Frage, ob es eine Gruppe nicht gewählter Regierungsbeamter und Militärs gäbe, die im Geheimen die nationale Politik beeinflussen oder dirigieren, antworten 27 Prozent, es gebe definitiv eine solche, und 47 Prozent meinen, solche Strukturen würden "wahrscheinlich" existieren. Nur insgesamt ein Fünftel - 16 Prozent "wahrscheinlich nicht" und fünf Prozent "sicher nicht" - gehen nicht von einflussreichen tiefen Strukturen im Staatsapparat aus.

Unter jenen, die davon ausgehen, es gebe "definitiv" tiefe Einflussgruppen, bejahten 33 Prozent der Unabhängigen und 31 Prozent der Republikaner, aber nur 19 Prozent der Demokraten diese Option.