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Der Bayerische Rundfunk ist ein heimliches Propagandainstrument – gesteuert von Außerirdischen

Der Bayerische Rundfunk ist ein heimliches Propagandainstrument – gesteuert von Außerirdischen
Eine "unheimliche Begegnung der dritten Art" hatte RT Deutsch nun auch mit dem Bayerischen Rundfunk.
Kein seriöser Journalist würde eine solche Schlagzeile wie diese Überschrift voranstellen. Denn Behauptungen sollte man belegen können. Nur wenn es um RT Deutsch geht, gelten offenbar andere Regeln. Das jüngste Beispiel dafür liefert der Bayerische Rundfunk.

von Timo Kirez

In einem Beitrag des Bayerischen Rundfunks (BR) vom 20. Oktober sagt die Journalistin Sissi Pitzer während eines Interviews, RT Deutsch sei ein Fernsehsender, der in deutscher Sprache sende. Er sei ein Propagandainstrument, ein ganz übles sogar, aus Russland, das sehr viel rechte Propaganda verbreite.

In dem Interview mit dem ARD-Geschäftsführer und Intendanten des BR, Ulrich Wilhelm, geht es um eine gemeinsame Medien- und Kulturplattform für Europa. Der Dominanz von Google, Apple, Facebook und Amazon soll eine europäische Lösung entgegengesetzt werden. Die Initiative soll "Qualitätsinhalte" fördern. Oder wie Wilhelm es ausdrückt:

Was wir hier nicht verbreiten sollten, sind demagogische Inhalte, Angebote, deren Geschäftskern Desinformation ist oder die das Ziel haben, Leute in einer bestimmten Meinung aufzuputschen.

In diesem Zusammenhang fällt dann die Behauptung von Pitzer. Denn wer bestimmt, so möchte die BR-Journalistin von ihrem Chef wissen, wer auf eine solche Plattform darf? Die Antwort von Wilhelm ist so ausweichend und wachsweich, dass sich die Wiedergabe hier nicht weiter lohnt. Denn auf RT Deutsch geht Wilhelm in diesem Interview jedenfalls mit keiner Silbe weiter ein. Zu finden ist der Beitrag übrigens beim BR unter "Nachrichten" und nicht etwa als eine "Meinung" (unter vielen). Nun ist es beileibe nicht das erste Mal, dass sich RT Deutsch mit derartigen Vorwürfen konfrontiert sieht. Man sagt zwar landläufig, man solle nicht über jedes Stöckchen springen, das einem so hingehalten wird. Aber im vorliegenden Fall des BR lohnt sich das Springen ausnahmsweise, denn so viel Unverfrorenheit verdient eine gebührende "Würdigung".

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Schon die ersten Worte Pitzers über RT Deutsch sind schlicht "Fake News". Weder "sendet" RT Deutsch, noch kann es demzufolge ein "Fernsehsender" sein. RT wird in Deutschland einzig und allein als Online-Plattform geduldet. Verwechselt die Journalistin da RT Deutsch mit RT International? Wohl kaum, denn RT International sendet gar nicht auf Deutsch. Das lässt nur ahnen: Pitzer hat schlichtweg nicht recherchiert und niemals - geschweige denn zwecks eifriger Analyse - die RT Deutsch-Webseite besucht. Anders wäre so ein peinlicher verbaler Lapsus für eine derartig erfahrene Journalistin kaum zu erklären.

Natürlich wollte RT Deutsch auch selbst gern erfahren, wie Pitzer zu ihrer Feststellung kommt, dass es sich hier um ein "ganz übles Propagandainstrument" handele, "das sehr viel rechte Propaganda" verbreite. Deshalb fragte die RT Deutsch-Redaktion kurzerhand per Mail beim BR nach. Am 25. Oktober ging folgende Mail an die Kollegen in München raus:

Ihre Redakteurin Sissi Pitzer hat in einem Beitrag vom 20.10. RT Deutsch als 'ein ganz übles Propagandainstrument, ein von Russland gesteuerter Sender voll rechter Propaganda und Desinformation' bezeichnet. Wir möchten Sie bitten, zu der Aussage Ihrer Redakteurin Stellung zu beziehen und uns anhand von konkreten Beispielen darzulegen, auf welchen Erkenntnissen und Informationen die Aussagen Ihrer Redakteurin Frau Pitzer über RT Deutsch im BR basieren. Vielen Dank für eine zeitnahe Antwort!

Am 30. Oktober trudelte dann per Mail eine Antwort ein, die wir dem geneigten Leser nicht vorenthalten wollen:

Die Formulierung unserer Autorin im Online-Text sowie im Audio-Beitrag ist eher als wertungsmäßige Betrachtung anzusehen, die im Übrigen auch in zahlreichen Publikationen geteilt wird. Es handelt sich um die Einordnung in einer Interviewsituation, in die unsere Autorin ihre persönlichen Eindrücke einfließen lässt. Und wenn man das Programm von RT Deutsch anschaut, fällt es auch schwer, zu einer anderen Meinung zu gelangen.

Was sieht der Journalist, was der

So viel Chuzpe muss man erstmal haben: Es ist also eine "wertungsmäßige Betrachtung", und es sind "persönliche Eindrücke". Warum nur ist der Beitrag beim BR dann zu "Nachrichten" hochstilisiert und nicht irgendwo unter "Meinung" aufgelistet? Und müssten nicht auch beim BR Journalisten ihre "wertungsmäßigen Betrachtungen" und "persönlichen Eindrücke", die sie dem Publikum zudem noch als "Nachrichten" unterjubeln, auf Nachfrage irgendwie belegen können? Fakten? Ja mei, bist du deppat?

Mit anderen Worten: wenn ein "Qualitätsmedium" wie der BR sein Urteil gefällt hat, dann ist die Welt eben so, gar kein Zweifel. Das ist dann nicht mehr zu hinterfragen und entspricht in etwa der päpstlichen "Infallibilität", also der Unfehlbarkeit. Amen, kann man da nur sagen. Oder, wie man in Bayern auch oft zu hören kriegt: "Wer ko, der ko!" und "Mia san mia!". Dass der BR mit dieser Haltung allerdings gegen seine eigenen Qualitäts-Richtlinien verstößt, steht auf einem anderen Blatt. Und dieses Blatt datiert vom 25. April 2013 und nennt sich "Richtlinien für Programme und Telemedienangebote des Bayerischen Rundfunks". Auf Seite 5 findet sich der Abschnitt "4. Recherche und Sorgfaltspflicht". Dort kann man unter anderem nachlesen:

Recherche ist unverzichtbares Element journalistischer Sorgfalt. Informationen werden mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft. Grundsätzlich sollen Informationen auf zwei voneinander unabhängigen Quellen basieren. Nur in Ausnahmefällen wird auf eine einzige Nachrichtenquelle Bezug genommen, die dann explizit genannt wird.

Aber was sind schon Richtlinien, noch dazu die eigenen. Und vielleicht hier noch ein Wort zu dem Thema "Staatsferne" versus "Staatsnähe" eines Mediums. Als Ulrich Helm am 8. Mai 2010, nach fünf Jahren als Regierungssprecher des Kabinetts Merkel, an die Spitze des BR wechselte, schrieb die Süddeutsche Zeitung unter dem Titel "Merkel als Art Präsidentin vermarkten" folgendes: "Im Prinzip setzt der Wechsel vom Regierungssprecher zum Sender-Intendanten ein falsches Zeichen. Das Ding ist unmöglich. Es stärkt Vorbehalte gegen die Öffentlich-Rechtlichen, für die die Bürger monatlich mehr Geld zahlen müssen."

Der Stern setzte noch eins drauf und titelte "Angela Berlusconis Statthalter in München" und befand: "Die gezielte Platzierung des bisherigen Regierungssprechers in eine öffentlich-rechtliche Schlüsselposition, in der Ulrich Wilhelm später dann auch turnusmäßig Sprecher der ARD wird, ist und bleibt einzigartig und dreist".

Als "Landesvater" Markus Söder im Januar 2015 in der Vorabendserie "Dahoam is Dahoam" kostenlos und unwidersprochen das eigene Regierungsprogramm loben durfte, erklärte der Vorsitzende des Bayerischen Journalistenverbandes: "Einen offensichtlicheren Missbrauch des öffentlich-rechtlichen Rundfunks kann es gar nicht geben. Von einer Staatsferne ist der Bayerische Rundfunk in diesem Fall offensichtlich weit entfernt." Doch wozu argumentieren, wozu Fakten und Belege. Fairness verdienen die hinterfotzigen Saurussen sowieso nicht. Die sollen sich schleichen. Finden alle anderen ja auch, wie aus dem Antwortmail des BR hervorgeht.

Wahrlich, es muss schön sein, in solchen selbstgewebten höheren Sphären zu schweben. Die Sache hat nur einen Haken. Je höher hinauf, umso dünner die Luft. Da kann es schon mal zu Verwirrtheit und Halluzinationen kommen. Man sagt, ein guter Wodka hilft.

Mehr zum Thema - In eigener Sache: Die selbsterfüllende Prophezeiung von RT Deutsch als Propagandasender

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

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