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Analyse: Wieso Russland die Türkei bei ihrer Offensive in Afrin gewähren lässt

Analyse: Wieso Russland die Türkei bei ihrer Offensive in Afrin gewähren lässt
Rauchschwaden über Afrin...
Die Türkei hat eine Offensive gegen die syrische Kurden-Miliz YPG gestartet. Einen vorherigen Vermittlungsversuch Russlands lehnte der verantwortliche YPG-Kommandeur mit Verweis auf die "Unterstützung durch die USA" ab. Eine fatale und naive Fehleinschätzung.

von Elijah Magnier

Die Türkei hat am 20. Januar die Militäroperation "Olivenzweig" gegen die kurdische Region Afrin im Nordwesten von Syrien eingeleitet. Der Code-Name wurde vom türkischen Stabschef bekanntgegeben, der erklärte, die Operation ziele darauf ab, die Ausbreitung der YPG-Miliz entlang der syrischen Grenze zur Türkei zu verhindern, die eine Bedrohung für die nationale Sicherheit der Türkei darstellte.

Die Haltung der USA gegenüber den Kurden in Afrin war dabei recht interessant, denn der US-General Joseph Votel erklärte sich "nicht besorgt" über das, was in der kurdischen Enklave im Nordwesten Syriens geschieht, wo Washington die Kurden zum Vorgehen gegen den "Islamischen Staat" benutzt hatte. Es sollte nicht mehr verwundern, dass die USA ihre eigenen Interessen wahrnehmen und nicht die ihrer Verbündeten, wie es bereits in der nordirakischen Kurden-Region der Fall war, nachdem Erbil seine Unabhängigkeit erklärt hatte.

Ein Mitglied der so genannten Freien Syrischen Armee, die von der Türkei unterstützt wird, in Azaz.

Aber wie sehen die Einzelheiten aus, die vor Beginn der Operation vereinbart worden sein mussten, damit die Türkei sich in ein Gebiet unter russischer Kontrolle wagen kann? Und wie kam es so weit, dass die Türkei gezwungen war, sich ein Gebiet unter russischem Einfluss - es gibt dort eine Präsenz russischer Militärpolizei - hineinzuwagen. Hinzu kommt die deutliche Drohung aus Damaskus, türkische Flugzeuge abzuschießen, wobei Russland am Tag vor dem Beginn der türkischen Operation gegen Afrin seine Positionen innerhalb der Stadt noch verstärkt hatte?

US-Liebäugeln mit kurdischen Grenzschutz wenig durchdacht

Die Kurden kämpften unter der Führung und Kontrolle der US-Streitkräfte gegen den "Islamischen Staat" im Norden Syriens und hatten Hunderte von Toten von Manbidsch bis Dabak und sogar Rakka zu beklagen. Diese gemeinsamen US-amerikanisch-kurdischen Streitkräfte haben sich auch mit dem "Islamischen Staat" – nach der totalen Zerstörung der Stadt durch die US-Luftwaffe – darauf geeinigt, den Abzug tausender Kämpfer aus Rakka zu sichern, im Gegenzug dazu, dass diese die IS-Hauptstadt Rakka kampflos verlassen. Der IS stimmte auch zu, das sehr reiche Energiefeld und andere Dörfer östlich des Euphrat-Flusses den mit den USA verbündeten Kurden zu überlassen. Die syrische Armee versuchte, die Ölfelder zu erreichen, als sich der IS zurückzog. Die USA reagierten und boten dem IS entlang der Grenzen eine "Pufferzone" an, solange die Radikal-Islamisten ihre Angriffe nur auf russische Verbündete, etwa die syrische Armee und deren Unterstützer, beschränkten und die kurdischen Kräfte nicht angriffen.

Wenige Wochen später erklärte Washington seine Absicht, trotz der generellen Niederlage des IS in Syrien zu bleiben - auch wenn die Terrorgruppe im von den USA kontrollierten Gebiet östlich des Euphrats an der syrisch-irakischen Grenze noch immer ein Gebiet unter ihrer Kontrolle hat. Der US-Außenminister Rex Tillerson sagte, das Ziel seiner Streitkräfte wäre es, den iranischen Einfluss zu begrenzen, wobei er widersprüchliche Aussagen über die Niederlage und die Nicht-Niederlage des IS in Syrien machte. Diese Position zeigte für Russland klar genug, dass die USA bestrebt waren, die russische Präsenz infrage zu stellen und in einem Land zu bleiben, das unter dem Schutz Moskaus stand.

Türkei setzt deutsche Panzer bei Offensive gegen Kurden-Miliz ein

Darüber hinaus ist die Entschuldigung der USA dafür, einen Teil des Nordostens Syriens zu besetzen, um – so Tillersons Aussage - "den Iran daran zu hindern, seinen Einfluss zu verbreiten", nicht überzeugend, da die Präsenz des Iran in Syrien auf 1982 zurückgeht und sein Einfluss durch die sechs Jahre des Krieges lediglich noch deutlich zugenommen hat.

Die Türkei war über die weit verbreitete kurdische Präsenz an ihren Grenzen verärgert und forderte die USA auf, den Kurden alle tödlichen Waffen zu entziehen. Washington versprach, dies zu tun, aber die Türkei entdeckte später, dass die USA ihr Versprechen nicht erfüllt hatten. Vielmehr waren die Kurden im Besitz von lasergesteuerten Panzerabwehrraketen und Flugabwehrraketen, was eine direkte Bedrohung für die türkischen, syrischen und russischen Streitkräfte darstellte.

Türkei wartete auf grünes Licht aus Teheran und Moskau

Die Türkei forderte, Russland und der Iran, in direktem Kontakt mit Damaskus, mögen ihren Truppen erlauben, bei der Beendigung der US-Pläne in Syrien zu helfen und die Kurden weiter zu schwächen. Damaskus forderte Russland und den Iran dazu auf, den Kurden die Möglichkeit zu geben, sich von Washington zu distanzieren, indem diese eine Präsenz der syrischen Armee in den Städten Manbidsch und Afrin anstelle der türkischen Invasion akzeptierten.

Die Türkei wartete trotz der Ansammlung türkischer Streitkräfte an den Grenzen und der Ankündigung des Beginns der Militäroperation noch auf grünes Licht vonseiten Russlands und des Iran. Russische Beamte trafen sich mit anderen Kurden, um die ernsthafte türkische Absicht und einen möglichen Ausweg aus der kritischen Situation zu erörtern, indem sie den Vorschlag von Damaskus weiterleiteten. Dieser wurde jedoch von Afrin abgelehnt, dessen leitender Offizier jedoch seinen Glauben an die Unterstützung der USA aufrechterhielt und offenbar nicht willens oder in der Lage war, aus dem zu lernen, was den irakischen Kurden in Erbil passiert war.

Die Astana-Schutzmächte hatten eine nicht öffentliche Vereinbarung getroffen, in der Ankara sich dazu verpflichtete, aufzuhören, die islamistische Organisation Hayat Tahrir al-Scham und deren Verbündete in Idlib zu unterstützen, und Operationen der syrischen Armee östlich von Idlib und in Richtung der Stadt selbst nicht mehr als Verletzung der Deeskalationsvereinbarung zu betrachten, die im vergangenen Jahr in Sotschi erzielt wurde. Andererseits zog Russland nun sein Kontingent aus Afrin ab und mischt sich nicht in die Operation "Olivenzweig" der türkischen Armee ein.

Archivbild

Die syrische Führung und deren Verbündete baten die russische Luftunterstützung darum, einen Korridor zu den beiden umliegenden Städten Al-Fu'a und Kafriya zu öffnen, die zurzeit belagert sind. Die russische Führung lehnte die Forderung jedoch ab und bat sie - zur Überraschung von Damaskus und seinen Verbündeten - um Geduld, denn das Ziel sei nicht nur die Befreiung von Al-Fu'a und Kafriya, sondern auch der gesamten Stadt Idlib. Der russische Präsident Wladimir Putin ist entschlossen, Al-Kaida in Syrien zu bekämpfen, um die weltweite Position seines Landes im Kampf gegen den Terrorismus zu stärken.

Einziger Verbündeter der USA in Syrien wird weiter geschwächt

Wie bereits im vergangenen Jahr berichtet und nun bestätigt, sind die Kurden Syriens und Iraks, die sich auf Amerika und dessen unbeständige Versprechungen verlassen haben, dank der unerfahrenen Führung der USA und dem Mangel an stabilem Verständnis (und damit Glaubwürdigkeit) in der Weltpolitik zu den größten Verlierern im Nahen Osten geworden. Die eigentliche US-Führung scheint sich stark auf die militärische Macht als Mittel zur Aufrechterhaltung ihres Einflusses zu verlassen: Sie besitzt offenbar nicht die im Nahen Osten besonders wichtige Fähigkeit, Bündnisse zu knüpfen und Freundschaften zu festigen.

Was jetzt geschieht, ist ein sehr schwerer Schlag für die Vereinigten Staaten durch ihren türkischen Verbündeten, immerhin ein Mitglied der NATO. Die Türkei benutzt die Operation in Afrin, um Amerikas kurdischen Verbündeten unter die Gürtellinie zu schlagen, ein weiteres Vorgehen, das Russland gegen die unerfahrenen USA unterstützt, die sich unklugerweise entschieden haben, im syrischen Innenhof Moskaus zu spielen. Amerika hat in Syrien keine Verbündeten außer die Kurden des Nordostens in Hasaka und Deir el-Zor. Aber diese Verbündeten sind dabei, eine zusätzliche Spaltung zu erleiden. Dadurch werden die Besatzungstruppen der USA in einem äußerst feindlichen Umfeld sehr verwundbar sein.

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Der Artikel erschien zunächst in englischer Sprache unter dem Titel "Russia is offering the US a Turkish 'olive branch' in Afrin" auf dem Analyse-Portal Middle East Politics.

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