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Erdoğan: Muslime sollen sich gegen den Westen vereinen

Erdoğan: Muslime sollen sich gegen den Westen vereinen
Wenn es nach dem türkischen Präsidenten Erdoğan geht, soll sein Land wieder im alten osmanischen Glanz erstrahlen.
Dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan wird immer wieder vorgeworfen, neo-osmanische Pläne zu verfolgen und die Türkei zur einstigen Größe zurückführen zu wollen. Bei einer Rede in Istanbul machte er erneut den türkischen Führungsanspruch in der islamischen Welt geltend.

Die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) ist nach den Vereinten Nationen die zweitgrößte zwischenstaatliche Organisation der Welt und hat ihren Sitz in Dschidda (Saudi-Arabien). Insgesamt 57 Länder gehören der OIC an, mit einer Bevölkerung von über 1,8 Milliarden Menschen. Am 8. und 9. Dezember fand in der türkischen Metropole Istanbul – dem alten Konstantinopel – eine OIC-Ministerratssitzung zur Entwicklung und politischen Lösung in Afghanistan statt.

Emmanuel Macron und Donald Trump trafen sich zu einem Gespräch vor dem offiziellen Beginn des NATO-Treffens in London.

Als Gastgeber nutzte Präsident Erdoğan die große Bühne, um den Anspruch der Türkei als Führungsnation der islamischen Welt zu untermauern. Er erinnerte die Teilnehmer daran, dass sein Land die 13. größte Wirtschaftsnation der Welt ist und "unübertroffen" darin, sich den globalen Handelskriegen und "Fluktuationen" an Finanzmärkten zu widersetzen. Er betonte auch die touristische Attraktivität seines Landes und hob die Besucherzahlen von 46 Millionen im Jahr 2018 hervor, die 2019 sogar die 50 Millionen-Marke erreichen sollen.

Zwar ging es bei der zweitägigen Konferenz in Istanbul insbesondere um Afghanistan, aber er forderte die teilnehmenden Länder dazu auf, ihrer religiösen Verpflichtung nachzukommen und die Zakāt zu zahlen. Mit dieser bindenden Sozialabgabe, deren Höhe von Besitz und Vermögen der Gläubigen abhängig ist, sollen normalerweise Menschen in Not unterstützt werden. Erdoğan monierte, dass trotz des immensen Reichtums der arabischen Golfstaaten immer noch 21 Prozent der Menschen in IOC-Ländern an der Armutsgrenze leben.

Doch der türkische Präsident ging sogar noch weiter. Er forderte eine islamische Einheit der "Brüder und Schwester", die sich gegen den Westen und dessen "Verschwörungen" vereinen soll. Vor allem die seiner Meinung nach westlichen Angriffe auf das traditionelle Familienverständnis betrachte er als Gefahr. Deshalb wolle sein Land "Kinder, Frauen, Alte und Behinderte besser gegen westliche Bedrohungen beschützen", um so "unsere Familienstruktur zu beschützen." Nur so könne die islamische Zivilisation an ihren "rechtmäßigen Platz" gebracht werden. 

Die Türkei sei eine "einsame Stimme" für die Palästinenser geworden und deswegen auch Opfer von "Terrorattacken" aufgrund Ankaras "prinzipieller Haltung" gegen die "Unterdrückung in Jerusalem." Er beschuldigte Israel, die "Situation in Jerusalem und Palästina" täglich zu verschlimmern, indem Gerechtigkeit, Gesetz und Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Das "vertieft die Krise in der Region gegen Muslime", sagte Erdoğan.

Wir werden nie aufhören, die Rechte der Palästinenser zu verteidigen und stehen solidarisch mit allen, die unterdrückt werden.

Die aufgrund der türkischen Offensive in Nordsyrien geflohenen Kurden betrachte er hingehen nicht als unterdrückt.

Die Rede von Recep Tayyip Erdoğan diente dazu, sich erneut als Anführer der islamischen Welt zu profilieren. In dem alten Herrschaftssitz der osmanischen Sultane bediente er die Sprache, die auf den Straßen in Algerien, Bosnien, im Libanon, Pakistan oder Indonesien gleichermaßen verstanden wird. In Saudi-Arabien, das seit der Absetzung des Kalifats 1924 durch Mustafa Kemal Atatürk den Titel des "Diener der beiden edlen heiligen Stätten" von Mekka und Medina usurpiert hatte, wird man mit größter Sorge die Aspirationen des Recep Tayyip Erdoğan registriert haben.

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