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Ex-Kohl-Berater Horst Teltschik: Die Einseitigkeit des Westens ist nicht zu übersehen

Ex-Kohl-Berater Horst Teltschik: Die Einseitigkeit des Westens ist nicht zu übersehen
Teltschik, damals Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, mit Wladimir Putin im Februar 2007
Horst Teltschik, langjähriger außenpolitischer Berater der Bundesregierung, findet klare Worte für die Russlandpolitik des Westens. Dieser komme gern mit erhobenem Zeigefinger daher, nehme aber Russland nicht ernst. Kritisch sieht er auch Bundeskanzlerin Merkel.

Horst Teltschik, über lange Jahre außenpolitischer Berater von Helmut Kohl, hat in einem Interview mit dem Spiegel die westliche Politik gegenüber Russland scharf kritisiert. Der Westen habe Russland immer wieder zurückgestoßen und das russische Bedürfnis nach Sicherheit nicht ernst genommen. Teltschik wirft dem Westen auch moralische Überheblichkeit vor:

Im Westen entrüstet man sich gern mit erhobenem Zeigefinger; die Medien schreiben Putin zum omnipotenten Bösewicht hoch, dem alles zuzutrauen sei. Die Einseitigkeit dabei ist nicht zu übersehen.

Die Einseitigkeit auch der deutschen Öffentlichkeit versteht der Berater als Erbe des Kalten Krieges. Die Spuren der ideologischen Auseinandersetzung, der Kubakrise, der Berlinkrisen, des NATO-Doppelbeschlusses verschwänden nicht über Nacht.

Teltschik empfiehlt dem Westen mit Nachdruck einen konstruktiven Umgang mit Russland. Dabei könne man Wahrheiten unmissverständlich auf den Tisch legen, müsse aber versuchen, die Motive des Gegenübers zu verstehen:

Denken Sie an Willy Brandt. Bald nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 hat er den sowjetischen Vorschlag einer europäischen Sicherheitskonferenz aufgegriffen. Er hat den Moskauer Vertrag verhandelt und ist auf der Krim mit Breschnew schwimmen gegangen. War Breschnew besser als Putin?

Kritische Worte findet Teltschik auch für Bundeskanzlerin Angela Merkel. Diese sei kein Mensch, der gern führt. Als einziger westlicher Politiker mit direktem Zugang zum russischen Präsidenten Wladimir Putin hätte sie "viel mehr bewirken können, wenn sie gewollt hätte". An Merkels Stelle hätte jemand wie Kohl versucht, eine persönliche Beziehung zu Putin aufzubauen und sich dabei von Altkanzler Gerhard Schröder unterstützen lassen.

Putin wird von Teltschik dagegen vergleichsweise positiv eingeschätzt. Auf die suggestive Frage der Spiegel-Interviewer, woher seine "Sympathie für den Ex-KGB-Mann Wladimir Putin" rühre, antwortet er:

Aber da Sie danach fragen: Ja, ich habe Putin als charmanten, aufgeschlossenen, offenen Gesprächspartner erlebt.

Putin habe in seiner Anfangszeit versucht, zu einer engen Bindung an die EU und die NATO zu gelangen, sei dabei aber nie auf offene Ohren gestoßen. Teltschik kritisiert durchaus einzelne Aspekte der russischen Politik, etwa die von den Interviewern sogenannte "Annexion der Krim". Im Nachsatz bestätigt er dann den russischen Präsidenten gleich wieder:

Ich habe kein Problem zu sagen, dass diese rechtswidrig ist. Das wissen die Russen selbst. Ich habe allerdings auch Putin im Ohr, der gesagt hat, alle ukrainischen Präsidenten seien Lumpen. Da hat er recht. Und wenn man die Kandidaten jetzt für die Wahlen dort ansieht, geht die Lumperei weiter.

Am Ende des Interviews hat Horst Teltschik noch einen Rat für Annegret Kramp-Karrenbauer, Merkels wahrscheinliche Nachfolgerin im Kanzleramt:

Sie hat null Erfahrung in Richtung Osten und sollte möglichst früh Gespräche führen, unabhängig davon, ob man die Verantwortlichen mag. Vertrauen kann man nur schrittweise aufbauen. Und dazu muss man reden, reden, reden.

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