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30 Jahre nach Ende der Sowjetpräsenz in Afghanistan: Ehemaliger sowjetischer General berichtet

30 Jahre nach Ende der Sowjetpräsenz in Afghanistan: Ehemaliger sowjetischer General berichtet
Am 15. Februar 1989 endete der sowjetische Truppenabzug. Eine Gedenktafel erinnert an die Opfer unter den Sowjetsoldaten, Tambow-Region, Russland.
Boris Gomrow ist ehemaliger Generaloberst der sowjetischen Streitkräfte und verbrachte viereinhalb Jahre in Afghanistan. Mit Sputnik sprach er über seine Erfahrungen im Krieg. Dort sah er zum ersten Mal menschenverachtende Brutalität und lernte, dass es keine militärische Lösung für das Land gibt.

Der Einsatz des ehemaligen Generaloberst Boris Gomrow begann im Januar 1980. Damals war er der Oberst der 108. Division für Kampfeinsätze in Kabul. Der erste schockierende Moment für Gomrow passierte im Februar 1980. Ein Oberleutnant wurde durch Schüsse auf ein Fahrzeug getötet: 

Nicht nur, dass er und sein Fahrer starben, die feindlichen Kräfte rissen ihn mit Messern auseinander, schnitten ihm die Ohren ab, schälten ihm die Augen aus und missbrauchten die Leichen. Ich war da, ich war furchtbar schockiert. 

Angehörige der US-Armee lauschen am 21. August 2017 auf der Militerbasis in Arlington, Virginia der Rede des US-Präsidenten Donald Trump über die Perspektiven des US-Militäreinsatzes in Afghanistan.

Solche Fälle gibt es nicht, hatte Gomrow vor seinem Afghanistan-Einsatz gedacht. Aber er musste lernen, dass sich so etwas in Afghanistan ereignet und wiederholt. 

Am 15. Februar jährt sich zum 30. Mal der Abzug sowjetischer Truppen aus Afghanistan. Der Krieg dauerte von Dezember 1979 bis zum Februar 1989. Die Mudschaheddin wurden von den USA unterstützt. Die grausamen Bilder kamen jedoch nicht aus dem gemeinen Volk, dem Gomrow begegnete. Diese waren "freundliche, gute Menschen". Er entgegnete ihnen mit der gleichen Freundlichkeit, die ihm widerfuhr. 

Auf die Frage des Sputnik-Journalisten, wie Gomrow zu dem Ergebnis kam, dass es keine militärische Lösung in Afghanistan gibt, sagte dieser: 

(...) Beide, die Vereinigten Staaten und die NATO, taten alles, um die UdSSR nach Afghanistan zu zerren. Davon haben mich auch Treffen mit dem Oberbefehlshaber der Südstreitkräfte der NATO überzeugt. Sie haben kein Geheimnis daraus gemacht. Meiner Meinung nach wurde bei der Entscheidung über den Einsatz von Truppen und die internationale Hilfe für Afghanistan durch die Führung der UdSSR offenbar nicht alles berücksichtigt, oder es gab andere Momente, von denen wir nichts wissen.

Schon in den ersten zwei Jahren "der Anwesenheit unserer Truppen (...) – wurde deutlich, dass Maßnahmen zum Rückzug aus Afghanistan ergriffen werden sollten. Es gab keine Aufgabe als solche für die 40. Armee." 

Die einzige Mission habe darin bestanden, eine "ruhige Situation in Afghanistan aufrechtzuerhalten". Der Truppenabzug wurde ernsthaft 1985 in Erwägung gezogen. Schließlich wurde diese Entscheidung in dem "Genfer Abkommen" zwischen Afghanistan und Pakistan entschieden. Dabei fungierten die USA und die Sowjetunion als Garanten.

Vertreter der Taliban während der Gespräche in Moskau am 5. Februar 2019.

Hiernach wurde der erste Abzug für den 15. Mai 1988 festgelegt. Bis zum 15. Februar 1989 sollten alle Truppen das Land verlassen haben: 

Wir haben allen, auch den Amerikanern gezeigt, dass es sinnlos war, da reinzugehen und mit der UdSSR zu kämpfen, während die 40. Armee in Afghanistan war. Die Amerikaner reden jetzt noch darüber. Die Vereinigten Staaten haben jedoch alles in ihrer Macht Stehende getan, um die sowjetischen Truppen in Afghanistan so lange wie möglich zurückzuhalten. 

Der Abzug der Truppen erfolgte Richtung Westen entlang der iranischen Grenze und durch den Süden und Südwesten. Hierfür wurde ein Abkommen mit dem afghanischen Kommandanten Massoud erzielt, die Sowjettruppen ungehindert ziehen zu lassen. 

Leute, die behaupten, die Sowjetunion habe in Afghanistan verloren, bezeichnet er als "Geschichtenerzähler". Es sei nie darum gegangen zu gewinnen. Es gab nicht die Aufgabe, einen militärischen Sieg herbeizuführen. 

Nach den Anschlägen des 11. September in den USA nahmen die US-Botschaft und die NATO Kontakt mit Gomrow auf. Er warnte sie, dass der Einzug in Afghanistan ein Fehler sei: 

Aber sie sind dort hingegangen und sind bereits seit 18 Jahren da. 

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