Die surreale Vergnügungsoase der Amerikaner in Kandahar: Nur noch kalter Kaffee statt Salsa

Die surreale Vergnügungsoase der Amerikaner in Kandahar: Nur noch kalter Kaffee statt Salsa
US-Soldaten essen Granatäpfel in der Provinz Helmand, Afghanistan, 8. November 2012.
Die Salsa-Nächte auf dem Luftfeld von Kandahar gibt es nicht mehr. Auch TGI Friday's hat dichtgemacht. Nach 17 Jahren Krieg gibt es nur noch Kaffe und Doughnuts. Granatäpfel sollen den Weg in den Frieden bereiten und die Taliban den IS bekämpfen.

Unter US-Präsident Barack Obama war das Kandahar-Luftfeld eine surreale Oase mit 30.000 US-Soldaten, die dort Zerstreuung suchten. Besonders beliebt waren die Salsa-Nächte. Geblieben sind hier noch 3.500 Soldaten. Sie trainieren afghanische Einheiten, lassen Drohnen und Jagdflugzeuge starten.

Den Afghanen sollen Granatäpfel zu einem besseren Leben und Frieden verhelfen. In Kandahar gibt es bereits erste Produktionsstätten für Granatapfelsaft. Jamie Knapp, pensionierter Oberst des Marine Corps, arbeitete als Experte in Afghanistan, brachte afghanischen Soldaten Englisch bei und war Berater des afghanischen Präsidenten Ashraf Ghani.

Gefangener Afghane nach US-Kampf gegen Taliban, Helmand Provinz, 7. November 2010.

Knapp sieht in den Granatäpfeln die Zukunft des Landes:

Ich kann Ihnen sagen, was die Lösung ist - es ist kein Geheimnis. Es ist ein Vier-Buchstaben-Wort: J-O-B-S. Biete diesen Menschen eine Art von Einkommen an, und sie werden jede Botschaft ablehnen, die die Taliban ihnen bieten können.

Ein US-Programm versuchte, Bauern zu überzeugen, statt Schlafmohn Granatäpfel anzubauen. Die Frucht wird als "Afghanistans größte Hoffnung" beschrieben. Knapp glaubt daran, dass der Frieden in Afghanistan erzielt werden kann:

Wir sind fast fertig mit dem, was wir machen. Wenn wir sie in die Zukunft führen können, dann denke ich, wir könnten uns ganz Afghanistan zum Freund machen, und wir könnten zurückblicken und den amerikanischen Bürgern sagen: Ich weiß, es war schwer, und wir haben viel Blut und materielle Güter investiert. Aber wir haben es geschafft. 

US-Präsident Donald Trump hatte schon zu Wahlkampfzeiten angekündigt, den Krieg in Afghanistan zu beenden. Mehr als 15 Milliarden US-Dollar sollen innerhalb von zehn Jahren in das Land geflossen sein. Trump entsandte dieses Jahr allerdings 6.000 weitere Soldaten nach Afghanistan, um afghanische Streitkräfte zu trainieren. Derweil formiert sich ein weiterer Gegner: ein Ableger des "Islamischen Staates" (IS) mit Kämpfern, die mehrheitlich aus Pakistan stammen.

Sie sind noch brutaler als die Taliban und die US-Streitkräfte hoffen, dass die Taliban sie im Kampf gegen die Ausbreitung des IS unterstützen. Dass nicht alle Afghanen den Granatapfel-Traum teilen, davon zeugte kürzlich ein Selbstmordattentat auf eine Granatapfelfabrik in Kandahar.

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