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"Ausbeuter Amazon": Proteste gegen Jeff Bezos in Berlin

"Ausbeuter Amazon": Proteste gegen Jeff Bezos in Berlin
Amazon-Chef Jeff Bezos hat den Axel Springer Award erhalten - doch das Schulterklopfen zwischen Propagandisten und Großkapital war von Protesten begleitet: Hunderte Beschäftigte wiesen lautstark auf die inakzeptablen Arbeitsbedingungen beim Online-Händler hin.

von Thomas Schwarz

Auf der einen Seite der reichste Mann der Welt, auf der anderen Seite Beschäftigte, die von ihrem Vollzeitjob nicht leben können: In Berlin prallten am Dienstag Welten aufeinander, als der Chef des weltgrößten Online-Warenhauses Amazon eingeschwebt war, um eine Auszeichnung des Axel-Springer-Verlags in Empfang zu nehmen. Selten sind die Fronten so klar - denn es ist schwer zu leugnen, dass Bezos vor allem deshalb so reich ist, weil seine Beschäftigten so arm sind. 

Darauf wollten laut Gewerkschaften etwa 800 Amazon-Beschäftigte aus ganz Europa hinweisen, die sich vor dem Springer-Verlagshaus in Berlin versammelt hatten, um die unkritische Lobhudelei für einen "Visionär" und "digitalen Vorkämpfer", der laut Springer-Chef Mathias Döpfner seinen Konzern "aus dem Nichts" aufgebaut habe, auf den Boden der Tatsachen zu holen.

© REUTERS/Noah Berger/File Photo

Gewerkschafter und Politiker: "Eine Sauerei!"

So sagte etwa Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger vor den Demonstranten, Bezos sorge dafür, dass seine Mitarbeiter "nicht einmal in der Lage sind, von ihrer Arbeit zu leben! Das ist eine Sauerei!", berichtet unter anderem Neues Deutschland. Verdi fordere Respekt und Anerkennung für die Amazon-Beschäftigten.

Auf der Veranstaltung war auch Polit-Prominenz vertreten: Neben Verdi-Chef Frank Bsirske zeigten SPD-Chefin Andrea Nahles und der Chef der Linkspartei Bernd Riexinger Flagge. Nahles hatte im Vorfeld kritisiert, dass sich das besonders innovative Unternehmertum von Bezos vor allem darin zeige, "dass er Weltmeister im Steuervermeiden ist". Zudem sorge das Geschäftsmodell von Amazon für Konflikte, "weil Arbeitsbedingungen schlecht sind und ein Tarifvertrag verweigert wird", sagte Nahles. Das sei "nicht hinnehmbar und verdient keinen Preis".

Floskeln und Propaganda

Es war aber auch ein Abend der schönen Floskeln. So wird der Axel-Springer-Award laut Selbstbeschreibung verliehen an herausragende Persönlichkeiten, die "außergewöhnlich innovativ sind, neue Märkte schaffen und Märkte verändern, Kultur formen und sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen". Dass Bezos "Märkte verändert" und "Kultur formt," ist nicht zu leugnen - dass er sich seiner "gesellschaftlichen Verantwortung" stellt, dagegen durchaus.

Bezos hatte Amazon 1994 gegründet und entwickelte das Online-Buchgeschäft zum weltweiten Einzelhändler, Marktplatz und Anbieter von Cloud-Diensten weiter. Die Arbeitsbedingungen bei Amazon sorgen jedoch immer wieder für Empörung: Überwachung, Unterbezahlung sowie psychischer und physischer Druck würden den Beschäftigten das Leben zur Hölle machen, schildern Insider-Berichte

Bezos: "Bin stolz auf die Arbeitsbedingungen"

Mit dem Kauf der bis dahin seriösen US-Tageszeitung Washington Post legte sich Bezos 2013 ein privates Propagandawerkzeug zu, das er radikal umbaute und ungeniert für politische Kampagnen nutzt. 

Wie viele Superreiche hat sich Bezos mittlerweile einen dichten Filter gegen die Realität zugelegt - angesichts der Proteste in Berlin sagte er: "Ich bin sehr stolz auf die Gehälter, die wir zahlen. Ich bin sehr stolz auf unsere Arbeitsbedingungen."

Mehr zum Thema -  Widerstand gegen Ehrung von Amazon-Chef Bezos durch Springer-Verlag

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