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US-Staatsanwalt im Assange-Prozess: "Julian Assange täuscht Depression nur vor"

US-Staatsanwalt im Assange-Prozess: "Julian Assange täuscht Depression nur vor"
Unterstützer des WikiLeaks-Gründers Julian Assange bei Protesten außerhalb des Old Bailey-Gerichts während der Anhörungen zu seiner Auslieferung an die USA. Die US-Regierung wirft Julian Assange Spionage vor.
Psychiater haben beim WikiLeaks-Gründer Julian Assange schwere Depressionen festgestellt. Assange sei selbstmordgefährdet, so der renommierte Psychiatrie-Professor Michael Kopelman. Der Druck auf London, Assange freizulassen und nicht an die USA auszuliefern, wächst.

Der WikiLeaks Gründer Julian Assange könnte eine Depression nur simulieren, um seine Auslieferung an die USA zu verhindern, so behauptet der die USA vertretende Ankläger James Lewis. Die Psychiater, die Assange untersucht haben, sagten jedoch, der Angeklagte könnte Selbstmord begehen, wenn er an die USA ausgeliefert würde.

Protestierende Menschen vor dem Gerichtsgebäude, in dem der aktuelle Prozess um den Journalisten und WikiLeaks-Gründer Julian Assange stattfindet

James Lewis versuchte, das Gutachten des renommierten Neuropsychiatrie-Professors Michael Kopelman während der Anhörung in London zu entkräften. Dieser hatte am Dienstag gesagt, der WikiLeaks-Gründer leide nach seiner über sechzehn Monate währenden Haft im Hochsicherheitstrakt des Belmarsh-Gefängnisses an "schwerer Depression". Kopelman hatte zuvor Assange zwanzig Mal im Gefängnis besucht. Er ist der Auffassung, dass ein Gerichtsurteil im Sinne der beantragten Auslieferung an die USA Assange dazu treiben würde, sich das Leben zu nehmen. Er hob hervor, dass die ohnehin jahrelange Isolation in der Botschaft Ecuadors in London sowie eine Disposition zu Depressionen in der Familie Assanges diese Konsequenz noch wahrscheinlicher machten.

Meiner Meinung nach sind es die drohende Ausweisung und/oder die tatsächliche Ausweisung in die USA, die den Selbstmordversuch auslösen könnte(n)", so Kopelman.

Lewis dagegen argumentierte, die Depressionssymptome, die Kopelman bemerkt zu haben glaube, seien vorgetäuscht, was darauf hinweisen könnte, dass Assange das gelernt habe; er habe in seiner Zelle im British Medical Journal gelesen und so erfahren, welche Bedingungen Depressionen auslösen können. Er könnte gelogen haben, dass er Halluzinationen hätte. Assange hatte Kopelman berichtet, dass er Stimmen und Musik gehört habe.

Lewis warf dem Experten auch vor, Assanges Partnerin Stella Morris in seinem ersten Gutachten nicht erwähnt zu haben. Er habe ihren Namen ausgelassen, um ihre Privatsphäre nicht zu verletzen, war Kopelmans Antwort. Außerdem sei die Tatsache, dass Assange eine Frau und zwei Kinder habe, ein "gegen Selbstmord schützender Umstand", behauptete Lewis. Kopelman erwiderte darauf, dass Selbstmord nicht ein bloßes Vorrecht von Singles sei.

In einem Vorstoß, dem angeklagten Aktivisten nachzuweisen, dass seine mentalen Leiden ein schlauer Handstreich seien, um seine Ausweisung zu verhindern, berief Lewis sich auf ein 12 Episoden langes Interview, das Assange 2012 auf RT moderiert hatte, genannt 'World Tomorrow'. Dabei habe er sich sogar auf die Veröffentlichung jener Dokumente bezogen, mit welchen die US Kriegsverbrechen im Irak und in Afghanistan im Jahr 2010 offengelegt wurden.

Der juristische Vertreter der USA fragte Berichten zufolge, ob die Depression, die Assange nach Jahren des "selbstgewählten" Exils und im Gefängnis angeblich entwickelt habe, "Herrn Assange wohl davon abhalten würde, Material der US-Regierung durchsickern zu lassen."

Die Anspielung von James Lewis, dass Assanges Depressionen doch nichts als Show seien, hat beim WikiLeaks-Chefredakteur Kristinn Hrafnsson Empörung ausgelöst:

Es ist ganz außergewöhnlich, Fragen zu hören, die einen Willen anzeigen, es akzeptierbar zu machen, dass Julian Assange alles nur vormache. Wir sind völlig entsetzt.

Heute, am 12. Sitzungstag der Anhörung, wiederholte jedoch Dr. Quinton Deeley nach seiner Vereidigung als Zeuge die Eindrücke Kopelmans und bestätigte mit seinem Gutachten ein "hohes Risiko" zum Selbstmord, wenn Julian Assange ausgewiesen würde.

Deeley unterstützte Kopelmans Auffassung, dass Assange sich weigerte, mit Gefängnisbeamten über seinen Geisteszustand und seine Selbstmordgedanken zu sprechen, weil er fürchtete, (noch schärfer) isoliert und permanent überwacht zu werden. Dann beschrieb Deeley Details zu Assanges Asperger-Syndrom und Autismus.

Sollte Assange die Gerichtsverhandlung verlieren und in die USA ausgewiesen werden, wird er dort nach dem Spionage-Gesetz aus der Zeit des Ersten Weltkrieges verurteilt und muss voraussichtlich für bis zu 175 Jahre ins Gefängnis.

Inzwischen haben mehr als 160 führende Persönlichkeiten aus Politik und Diplomatie in einem offenen Brief an den britischen Premierminister Boris Johnson die Freilassung von Julian Assange gefordert. Er dürfe auch nicht an die USA ausgeliefert werden. Unter den Unterzeichnern sind der Präsident Argentiniens, Alberto Fernandez, zwei ehemalige Präsidenten Brasiliens, Dilma Rousseff und Luiz Inácio Lula da Silva, der venezolanische Präsident Nicolas Maduro und der ehemalige Präsident Ecuadors, Rafael Correa.

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