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"Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur": DDR machte Juden selbst für Holocaust verantwortlich

"Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur": DDR machte Juden selbst für Holocaust verantwortlich
Zum Jahrestag der Auschwitz-Befreiung wartet die Chefin der "Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur" mit interessanten Thesen auf. Demnach wurden in der DDR die Juden selbst für den Holocaust verantwortlich gemacht. Die Aussagen der Aufarbeiterin sind zweifelhaft.

Anna Kaminsky, Geschäftsführerin der "Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur", hat anlässlich des 75. Jahrestag der Befreiung des deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz schwere Vorwürfe gegen die DDR erhoben. Konkret beklagte sie die angeblich fehlende Aufarbeitung der NS-Zeit in der DDR.

Kaminsky erklärte dem gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), Auschwitz als zentraler Ort des Holocaust sei in der DDR kein Thema gewesen. Die Juden seien stattdessen bis in die 80er-Jahre hinein selbst für ihr Schicksal verantwortlich gemacht worden.

So habe man ihnen zur Last gelegt, dem antifaschistischen Widerstand ferngeblieben zu sein. Von einer differenzierten oder gar persönlichen Auseinandersetzung, die die Anerkennung von Verantwortung beinhaltet hätte, sei die DDR weit entfernt gewesen, so Kaminsky weiter:

Man hat den Holocaust nicht als herausragendes Geschehen betrachtet.

Erst nach dem Mauerfall sei es zu einem Wandel der offiziellen Erinnerungskultur gekommen.

Im Gesetz über die Errichtung der "Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur" wird deren Zweck so beschrieben:

Zweck der Stiftung ist es, in Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen auf dem Gebiet der Aufarbeitung der SED-Diktatur, Beiträge zur umfassenden Aufarbeitung von Ursachen, Geschichte und Folgen der Diktatur in der sowjetischen Besatzungszone in Deutschland und in der DDR zu leisten und zu unterstützen, die Erinnerung an das geschehene Unrecht und die Opfer wachzuhalten sowie den antitotalitären Konsens in der Gesellschaft, die Demokratie und die innere Einheit Deutschlands zu fördern und zu festigen.

Im Herzen rassistisch und nationalistisch? Kinder beim Blindekuh-Spielen, Leipzig 1976

Die Wortwahl verdeutlicht, dass es nicht um tatsächliche Aufarbeitung der DDR-Geschichte geht, sondern um die anhaltende Delegitimierung der DDR in der deutschen Gesellschaft geht. Nur so lassen sich auch die Äußerungen Kaminskys verstehen, die von den historischen Tatsachen nicht gedeckt wird.

Tatsächlich waren Juden und der Holocaust in der DDR durchaus kein unterdrücktes Thema. Und selbstverständlich wurden die Juden nicht für ihr Schicksal verantwortlich gemacht (Vorwürfen wie dem, sich "nicht gewehrt" zu haben, sahen sich Überlebende eher in Israel ausgesetzt). In der DDR wurde der Massenmord an den Juden in den Schulbüchern korrekt dargestellt. Das Schauspiel "Professor Mamlock" von Friedrich Wolf war Pflichtlektüre. Auch mehrere Filme und Fernsehserien nahmen sich der Thematik an und schilderten das Verbrechen in all seiner Unmenschlichkeit und Monstrosität. Bekannte Beispiele sind die DEFA-Filme "Sterne" und "Jakob der Lügner".

Vor allem in den Jahrzehnten nach dem Krieg war der Mord an den europäischen Juden in der DDR deutlich präsenter als in der BRD, auch der juristische Umgang mit den Tätern war deutlich härter. Richtig ist, und darauf spielt Kaminsky mit ihrer Bemerkung an, der Holocaust sei in der DDR nicht als "herausragendes Verbrechen" behandelt worden, dass dieser Massenmord gegenüber den an anderen Menschengruppen begangenen Verbrechen nicht derart hervorgehoben wird, wie es in der Bundesrepublik seit Jahrzehnten der Fall ist.

Dieser unterschiedlichen Betonung der Verbrechen liegen unterschiedliche und zum Teil gegensätzliche geschichtspolitische Motive zugrunde. Aufgrund dieser Unterschiede der DDR allerdings eine fehlende Aufarbeitung und Verharmlosung des Massenmordes an den Juden zu unterstellen, ist unredlich und vollkommen unangebracht.

Ähnlich sahen dies zahlreiche Nutzer in den sozialen Netzwerken. "Verlogene Demagogie" und "horrender Blödsinn" waren noch nicht die unfreundlichsten Bewertungen der Aussagen der Geschäftsführerin der Bundesstiftung. Andere Kommentare wiesen auf die für Schüler in der DDR verbindlichen Besuche in früheren Konzentrationslagern hin. Ein Kommentator nannte die Äußerungen Kaminskys "an diesem Tag (...) einfach widerlich".

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