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Zahl der Opfer des DDR-Grenzregimes wird künstlich hochgerechnet

Zahl der Opfer des DDR-Grenzregimes wird künstlich hochgerechnet
Erinnerung an Opfer der Berliner Mauer
Bei einer von der Bundesregierung in Auftrag gegebenen Studie über die Zahl der Opfer des DDR-Grenzregimes werden auch Todesfälle mitgezählt, die mit der ehemaligen Grenze nichts zu tun hatten. Wieder einmal geht es vor allem darum, die DDR zu diskreditieren.

Eine Studie der Bundesregierung rechnet die Zahl der Opfer des DDR-Grenzregimes künstlich hoch. Wie Recherchen des rbb ergeben, werden in der Studie auch Todesfälle mitgezählt, die mit dem Grenzregime wenig oder gar nichts zu tun hatten.

Die 650.000 Euro teure Studie wurde 2012 vom damaligen Kulturstaatssekretär Bernd Neumann in Auftrag gegeben und 2017 von seiner Nachfolgerin Monika Grütters, gemeinsam mit den Autoren Klaus Schroeder und Jochen Staadt, vorgestellt. Schroeder und Staadt vom "Forschungsverbund SED-Staat" der Freien Universität Berlin waren gemeinsam mit dem früheren Leiter der Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, über Jahre hinweg die bei den Medien des Mainstream beliebtesten "Erklärer" der DDR.

Gemeinsam sorgten sie dafür, dass die Erinnerung an "das Unrecht" des anderen deutschen Staates wachgehalten und positive Sichtweisen oder selbst nur eine differenzierte Betrachtung der DDR-Vergangenheit in der Öffentlichkeit keinen Platz bekamen.

Der Wunsch, das Bild der DDR so grauschwarz wie nur möglich zu zeichnen, scheint auch hinter den Übertreibungen dieser Studie zu stehen. Die tatsächliche Zahl der bei einem nach DDR-Gesetzen illegalen Grenzübertritt dürfte den Autoren zu niedrig erschienen sein. Nach ihren "Berechnungen" gab es von 1949 bis 1989 327 Opfer des Grenzregimes der DDR an der Grenze gen Westen, zur BRD.

Die rbb-Recherchen zeigen nun, dass dabei auch höchst zweifelhafte Fälle mitgezählt wurden: Dazu gehören Selbstmorde von Grenzsoldaten. Nach Ansicht der Autoren seien diese "an den Anforderungen des Dienstes zerbrochen" und damit Opfer des Grenzregimes. Angehörige beharren dagegen darauf, dass sie sich wegen privater Probleme das Leben genommen hätten.

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Ein anderer Fall betrifft einen ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS, der nach 1949 in der DDR-Grenzpolizei diente. Er wurde 1951 verhaftet und 1952 in Moskau hingerichtet. Nach Ansicht der Autoren sei er wegen einer geplanten Flucht verhaftet und verurteilt worden, tatsächlich wollte er fliehen, vermutlich vor der ihm drohenden Verurteilung wegen mitbegangener Kriegsverbrechen.

Die Autoren verteidigen ihre Zählung: Sie hätten weder verharmlost noch manipuliert. Angehörige der als Opfer kategorisierten Grenzsoldaten sind dagegen entsetzt, ebenso Opferverbände, die der Studie in Teilen die Wissenschaftlichkeit absprechen. Kulturstaatsministerin Grütters hat angekündigt, die zweifelhaften Fälle überprüfen zu lassen.

Die DDR ist als Beispiel für angeblich bösartiges, ungesetzliches oder unmoralisches staatliches Handeln im heutigen deutschen Mainstream nach wie vor höchst beliebt. Das gilt nicht nur für das Grenzregime, sondern natürlich auch für viele andere Lebensbereiche. So wurde Anfang dieser Woche bei einer Konferenz der Konrad-Adenauer-Stiftung zum Thema Überwachungsstaat kaum über neue deutsche Polizeiaufgabengesetze, die Schnüffelei der NSA oder die Software von Palantir Technologies diskutiert, sondern vielmehr - über die Stasi.

Die anhaltende Dämonisierung der bald 30 Jahre zurückliegenden DDR-Geschichte dient vermutlich dazu, positiven Sichtweisen auf diese Epoche deutscher Geschichte vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Probleme in Deutschland entgegenzuwirken und die gegenwärtigen Verhältnisse zu legitimieren.

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