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Deutschland: Jeder Fünfte findet, dass das Holocaust-Gedenken zu viel Raum einnimmt

Deutschland: Jeder Fünfte findet, dass das Holocaust-Gedenken zu viel Raum einnimmt
75 Jahre nach der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz wird in vielen Veranstaltungen an die Gräueltaten der Nazis und die Millionen Ermordeten erinnert. Eine Umfrage zeigt nun, wie die Deutschen den Umgang mit dem Thema beurteilen.

Mehr als jeder Fünfte in Deutschland findet, der Holocaust spiele in der deutschen Erinnerungskultur eine zu große Rolle. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov für die Deutsche Presse-Agentur stimmten 22 Prozent der Aussage zu, dass das Holocaust-Gedenken im Vergleich zu anderen Themen zu viel Raum einnehme. Auf der anderen Seite sind allerdings auch 24 Prozent der Meinung, dass das Gedenken noch ausgebaut werden sollte. Fast jeder Zweite (45 Prozent) vertritt die Ansicht, dass es so, wie es gehandhabt wird, genau richtig ist.

Bei den AfD-Wählern ist der Anteil derjenigen, die ein Zuviel an Gedenken und Erinnerung sehen, besonders groß. Mehr als jeder Zweite (56 Prozent) ist dieser Meinung. Die meisten Anhänger der anderen im Bundestag vertretenen Parteien stimmen der Aussage zu, dass das Gedenken beziehungsweise das Erinnern an den Holocaust in Deutschland in genau dem richtigen Ausmaß stattfinde.

Der damalige AfD-Chef Alexander Gauland hatte im Juni 2018 mit einer Äußerung zur Nazizeit für Empörung gesorgt, als er erklärte:

Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1.000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.

Später bezeichnete Gauland seine Äußerung als "missdeutbar und damit politisch unklug".

Der Präsident des Zentralrates der Juden Josef Schuster hatte vor wenigen Tagen davor gewarnt, dass immer mehr Menschen einen Schlussstrich ziehen wollten, um in ihrer Komfortzone zu bleiben. Um die Erinnerung wachzuhalten, seien Bildung und Erziehung unverzichtbar. Nur so könne die "monströse Aufgabe" gelingen, jungen Menschen das Geschehene – den nationalsozialistischen Völkermord an Millionen Menschen – zu vermitteln.

75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee gibt es immer weniger direkt Betroffene, die über die Geschehnisse berichten können. 67 Prozent der Deutschen glauben der YouGov-Umfrage zufolge, dass die Erinnerung an den Holocaust und die Verbrechen des Zweiten Weltkrieges stärker in Vergessenheit geraten werden, wenn die Generation der Zeitzeugen nicht mehr leben wird. Fast jeder Vierte (24 Prozent) vertritt diese Ansicht nicht.

Ihr Wissen über den Holocaust – also den Völkermord an Millionen europäischen Juden – haben die meisten Menschen aus Filmen, Büchern und anderen Medien (43 Prozent). 37 Prozent nennen die Schule als Hauptwissensquelle, neun Prozent die Familie und den Bekanntenkreis. Mehr als jeder zweite Befragte (55 Prozent) hat nach eigenen Angaben schon mal mit älteren Familienmitgliedern über deren Erinnerungen an die Zeit während des Zweiten Weltkrieges gesprochen.

Am Montag, dem 27. Januar jährt sich zum 75. Mal die Befreiung des deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz im von Hitlerdeutschland besetzten Polen durch die Rote Armee. Allein dort brachte die Nationalsozialisten mehr als eine Million Menschen um. Der Holocaust kostete insgesamt rund sechs Millionen Juden das Leben. Sie wurden erschossen und in Gaskammern ermordet oder starben an den Folgen von Hunger, Krankheit und Erschöpfung.

Mehr zum Thema - Das polnische Unbehagen am Holocaust-Gedenken und die Parteinahme der deutschen Journalisten

(dpa/rt)

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