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Shell-Jugendstudie 2019: Alles Populismus, oder was?

Shell-Jugendstudie 2019: Alles Populismus, oder was?
(Symbolbild). Nein, beim Thema Klima sehen die Forscher keinen Populismus.
Seit 1953 führt der Mineralölkonzern eine Jugendstudie in Deutschland durch. In der aktuellen Studie, so die Autoren, sei die Affinität einiger Jugendlicher zu populistischen Positionen "nicht zu übersehen". Nicht die einzige Überraschung, mit der die Studie aufwartet.

Für die Studie wurden von Anfang Januar bis Mitte März dieses Jahres 2.572 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 12 und 25 Jahren von Interviewern auf Basis eines standardisierten Fragebogens befragt. Zudem wurden 20 vertiefende, leitfadengestützte Gespräche mit Jugendlichen geführt. Gefragt wurde unter anderem Folgendes: "Machen dir persönlich die folgenden Dinge Angst oder keine Angst?", "Wie wichtig sind die folgenden Dinge für dich persönlich?", "Wie zufrieden oder unzufrieden bist du – alles in allem – mit der Demokratie, wie sie in Deutschland besteht?", "An Politik bin ich ganz allgemein: stark interessiert, interessiert, wenig interessiert, gar nicht interessiert, weiß nicht."

Die Macher der Studie kommen zu dem Ergebnis, dass viele junge Menschen in Deutschland anfällig für populistische Argumentationsmuster seien. Laut den Autoren der Studie sei die Affinität einiger Jugendlicher zu populistischen Positionen "nicht zu übersehen". So gaben 68 Prozent der Befragten an, dass die Aussage "In Deutschland darf man nichts Schlechtes über Ausländer sagen, ohne gleich als Rassist beschimpft zu werden" voll und ganz oder eher stimme.

Rund jeder zehnte Jugendliche wird von den Experten gar in die Kategorie der "Nationalpopulisten" eingestuft, die fast allen abgefragten populistischen Aussagen zustimmt. Weitere 24 Prozent werden als "populismus-affin" eingeordnet. Mehr als die Hälfte der jungen Menschen glaubt der Studie zufolge sogar, dass die Regierung der Bevölkerung die Wahrheit verschweigt und dass der Staat sich mehr um Flüchtlinge als um hilfsbedürftige Deutsche kümmere. Andererseits stimmten 57 Prozent der Aussage zu, es sei gut, dass Deutschland viele Flüchtlinge aufgenommen habe.

Auffällig ist, dass die Macher der Studie nur bei diesem Themenfeld mit dem politischen Kampfbegriff Populismus operieren. Überraschend wird es bei den Themen Medien und Familie. Laut der Studie vertrauen 84 Prozent der Jugendlichen im Westen (in der Grafik gelb) und 76 Prozent im Osten (in der Grafik rot) den klassischen und sozialen Medien.

Shell-Jugendstudie 2019: Alles Populismus, oder was?
Ausnahmsweise mal Traumwerte für ARD und ZDF.

Dabei kam eine Studie der Universität Erfurt aus diesem Jahr auf deutlich kritischere Werte, was Medienvertrauen betrifft. Auch die groß angelegte Studie "Generation What?" von der Europäischen Rundfunkunion (EBU) aus dem Jahr 2017 zeigt noch ein deutlich stärkeres Misstrauen gegenüber den Medien in Deutschland. Interessant wäre auch die Frage nach einem eventuellen Zusammenhang zwischen Medienkonsum und "Affinität gegenüber Populismus". Wenn sich die Jugendlichen tatsächlich mehrheitlich bei den Öffentlich-Rechtlichen informieren, wie es die Studie suggeriert, wie ist dann die gewachsene "Populismusaffinität" zu erklären? 

Auch beim Thema Familie bietet die Studie Unerwartetes: Es zeigt sich offenbar ein Trend zu konservativen Rollenbildern. In der Studie wurde unter anderem nach der gewünschten Arbeitsaufteilung in der Partnerschaft gefragt, wenn ein Paar ein zweijähriges Kind habe. In Westdeutschland bevorzugt demnach deutlich mehr als die Hälfte der männlichen und weiblichen Befragten zwischen 12 und 25 Jahren ein männliches Versorgermodell, in dem der Mann nahezu oder komplett in Vollzeit arbeitet, während die Frau nicht oder nur in Teilzeit berufstätig ist. Im Osten finden solche Modelle deutlich weniger Anklang.

Auch die Bedeutung von Umweltthemen für junge Menschen zeigt sich in der Studie. Kein Thema scheint so viele von ihnen zu ängstigen wie die Verschmutzung der Umwelt. 71 Prozent der 12- bis 25-Jährigen gaben in einer Befragung an, das Thema mache ihnen Angst. In der vergangenen Studie aus dem Jahr 2015 hatte noch die Angst vor Terroranschlägen dominiert. Der Untertitel der Studie lautet: "Eine Generation meldet sich zu Wort". Trotzdem bezeichnet sich weniger als die Hälfte der Befragten als politisch interessiert oder stark interessiert. Fast vier von fünf Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind mit der Demokratie in Deutschland zufrieden. Besonders in Ostdeutschland hat sich die Zufriedenheit demnach stark erhöht: Während sie 2015 noch bei gut 50 Prozent lag, stieg sie nun auf zwei Drittel.

Seit 1953 beauftragt Shell nach eigenen Angaben Wissenschaftler und Institute mit der Erstellung von Studien, um Einstellungen von jungen Menschen in Deutschland zu dokumentieren. "Mit diesem Engagement für die Jugendforschung nimmt Shell in Deutschland seit Jahrzehnten die Möglichkeit wahr, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen", schreibt der Mineralölkonzern dazu. 

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