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"Klimaschutz beginnt nicht mit Greta Thunberg" - Gemischte Reaktionen auf die Wutrede vor den UN

"Klimaschutz beginnt nicht mit Greta Thunberg" - Gemischte Reaktionen auf die Wutrede vor den UN
Die emotionale Rede der jungen schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg vor dem UN-Klimagipfel am Montag hat viele gemischte Reaktionen nach sich gezogen. Während einige Politiker sich defensiv gaben, mahnten andere zu mehr Besonnenheit in der Debatte.

Zu den meistbeachteten Beiträgen beim diesjährigen UN-Klimagipfel gehörte wohl die sehr emotional vorgetragene Rede der jungen schwedischen Aktivistin Greta Thunberg, die sehr gemischte Reaktionen nach sich zog.

Als ihr das Wort erteilt wurde, warf die 16-Jährige den anwesenden Staats- und Regierungschefs vor, sie und ihre Generation ihrer Träume und ihrer Kindheit mit ihren leeren Versprechungen zu berauben und sich auf ihre Kosten für Geld und das Märchen eines ewig währenden Wirtschaftswachstums zu interessierten.

Nicht ohne Hang zum Dramatischen:

Wie konntet Ihr es wagen, meine Träume und meine Kindheit zu stehlen mit Euren leeren Worten?", so die junge Schwedin unter Tränen der Wut.

Die wissenschaftlichen Vorhersagen zum Klimawandel seien über 30 Jahren mehr als deutlich. "Wie könnt Ihr es wagen zu glauben, dass man das lösen kann, indem man so weiter macht wie vorher - und mit ein paar technischen Lösungsansätzen?"

Als Vertreterin der ihr Gleichgesinnten warnte Thunberg:

Wir werden euch das nicht durchgehen lassen. Die Welt wacht auf, und es wird Veränderungen geben, ob ihr es wollt oder nicht.

US-Präsident Trump

US-Präsident Donald Trump, zu dessen frühen Amtshandlungen die Aufkündigung des Pariser Klimaschutzabkommens gehörte, hatte den Gipfel eigentlich ignorieren wollen. Dann hatte er ihn aber doch kurz besucht und Thunberg mit einem offensichtlich ironischen Twitter-Kommentar zu einem Video ihrer Rede verspottet:

Sie wirkt wie ein sehr glückliches junges Mädchen, das sich auf eine strahlende und wunderbare Zukunft freut. So schön zu sehen!" 

Laut Daten der US-Umweltbehörde sind die Vereinigten Staaten mit einem Ausstoß von rund 6,5 Milliarden Tonnen CO2 nach China der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasen.

Kurz nach Trumps Seitenhieb bezeichnete die Aktvistin sich selbst auf ihrem Twitter-Account als "glückliches junges Mädchen, das sich auf eine strahlende und wunderbare Zukunft freut".

Doch Thunberg, die am Mittwoch mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wurde, weil sie anders als die große Mehrheit der Menschheit nicht unkritisch in die falsche Richtung marschiere sondern "der politischen Forderung nach dringenden Klimaschutzmaßnahmen weltweit Gehör verschafft", rief weitere gemischte Reaktionen mit Ihrer Rede hervor.

"Dieses Problem ist ernst" - Russland

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow betonte am Dienstag vor Journalisten, dass die Probleme, die die 16-Jährige anspricht, längst Bestandteil der russischen Politik sind.

"Es ist bekannt, dass unser Land die entsprechenden internationalen Dokumente unterzeichnet und beigetreten ist". Er beziehe sich damit auch auf das Pariser Abkommen, sagte Peskow. "Wir schenken ökologischen Fragen und dem Klimawandel große Aufmerksamkeit. Sie wissen, dass die Umwelt ein fester Bestandteil unserer nationalen Projekte ist", betonte er.

Deshalb legt Russland großen Wert auf dieses Thema.

Auf die Frage, wie der Kreml solche Reden eines Teenagers einschätzt, antwortete Peskow:

Das Wichtigste ist, dafür zu sorgen, dass es dem Mädchen gut geht, dass sie keine emotionale Belastung erleidet und dass ihr zerbrechlicher Teenagerkörper damit gut zurechtkommt. Darüber hinaus wurde das Problem zu Recht angesprochen, dieses Problem ist ernst.

Vielleicht müsse der jungen Dame erklärt werden, dass viele Länder viel tun - Länder und einzelne Organisationen, sowohl private als auch öffentliche, fuhr Peskow fort.

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Österreichs Ex-Kanzler und ÖVP-Spitzenkandidat Sebastian Kurz kommentierte das Engagement der Klimaaktivistin in der Bild-Sendung "Die richtigen Fragen":

Sie ist eine entschlossene Kämpferin.

Das größte Menschheitsproblem - aber Deutschland bereits vor Greta aktiv

Auch Bundeskanzlerin Merkel hielt der jungen Aktivistin vor, wichtige Entwicklungen nicht ausreichend gewürdigt zu haben. Ihrer durchaus "aufrüttelnden" Rede müsse die Bundeskanzlerin in einem Punkt widersprechen, da darin nicht ausreichend zum Ausdruck kam, "in welcher Weise Technologie, Innovation gerade im Energiebereich, aber auch im Energieeinsparbereich Möglichkeiten eröffnen, die Ziele zu erreichen".

Solche Möglichkeiten wollen wir nutzen und ich messe Innovation und Technologie eine sehr große Bedeutung bei. Und das ist ein Widerspruch zu dem, was ich da gestern gehört habe.

Auf die Frage, ob sie sich die Vorwürfe Thunbergs zu Herzen genommen habe, sagte Merkel: "Jeder aufmerksame Mensch hört zu und fühlt sich damit auch angesprochen. Das ist selbstverständlich." Dennoch habe sie "mit Überzeugung auch unser Vorgehen deutlich gemacht" - sowohl was die internationale Verantwortung angehe als auch was das nationale deutsche Klimaprogramm betreffe.

Wir werden sehr sorgsam überprüfen, ob wir unsere Ziele erreichen können. Wenn man sie nicht erreiche, müsse nachgeschärft werden. Aber mit der Erreichung dieser Ziele leisten wir einen Beitrag zur Umsetzung des Pariser Abkommens.

Auch Entwicklungsminister Gerd Müller hat sich gegen den Vorwurf der Aktivistin Greta Thunberg verwahrt, die Politik habe den Klimaschutz bislang zu sehr vernachlässigt.

Der Klimaschutz beginnt nicht mit Greta Thunberg", so Müller bei einer Veranstaltung am Rande des UN-Klimagipfels in New York.

Müller verwies etwa auf die Politik von Klaus Töpfer, der von 1987 bis 1994 Bundesumweltminister war, sowie auf das Kyoto-Protokoll und das Pariser Klimaabkommen.

Der CDU-Politiker Roderich Kiesewetter, der sich dafür ausspricht, dass Deutschland weiter fest zum Pariser Klimaschutz-Abkommen stehen muss, kritisierte die junge Aktivistin dafür, dass sie eine rationale Argumentation diskreditiere. Auf Twitter schrieb er:

'Ihr habt meine Kindheit gestohlen'. Emotionale Greta Thunberg klagt vor UN an. Wer da rational argumentieren will, ist von vornherein schon diskreditiert. Das ist die neue 'Qualität' mangelnden Willens zur Sachlichkeit. Bitter.

Der ehemalige Unionsfraktionschef und Aufsichtsratsvorsitzender des Finanzinvestors Blackrock, Friedrich Merz, zeigte sich zerrissen in seinem Urteil, im Interview mit der Augsburger Allgemeinen meinte er

Also ganz ehrlich, meine Tochter hätte ich da nicht hingelassen. Auf der einen Seite ist das Mädchen bewundernswert, aber auf der anderen Seite ist sie krank.

Baerbock mit ihrem Ko-Vorsitzenden Robert Habeck im August 2019 in Dresden

Merz ist unter anderem Gründungsmitglied der sogenannten "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)", eine von Unternehmerverbänden der Metall- und Elektroindustrie gegründete und finanzierte Lobbyorganisation, die die Interessen großer Konzerne der deutschen Wirtschaft vertritt. Weiterhin ist er für die Wirtschaftskanzlei Mayer Brown LLP als Senior Counsel tätig.

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Der Grünen-Politiker und Oberbürgermeister der Stadt Tübingen, Boris Palmer, richtete sich in einem Schreiben an die junge Schwedin, aus dem der Merkur zitiert:

Du hast der Welt einen unschätzbaren Dienst erwiesen, indem du es fast alleine geschafft hast, den Klimaschutz in Politik und Gesellschaft endlich zu dem zu machen, was er bei nüchterner Betrachtung ist: das größte Menschheitsproblem im 21. Jahrhundert.

Gleichzeitig widersprach er ihr:

Nein, wir haben Deine Jugend nicht zerstört. Wir haben eine Welt erschaffen, die bessere Lebenschancen für junge Menschen bietet als jemals zuvor in der Geschichte. Der Anteil der unterernährten Menschen weltweit ist seit 1970 von 28 Prozent auf 11 Prozent gesunken. Krankheiten wie Pocken und Pest sind ausgerottet.

Zwar sei bei all den Fortschritten der Naturschutz aus dem Blick geraten, doch mahnte er etwas mehr Besonnenheit an:

Wir müssen Dir darin folgen, sofort und entschieden zu handeln, statt weiterzuschlafen wie unsere Bundesregierung. Aber: Wir dürfen nicht in Panik geraten!

Konstruktive Lösungen statt Depressionen - Forderungen aus Frankreich

Der französische Präsident Emmanuel Macron kritisierte die junge Schwedin für eine von ihr mit initiierten Beschwerde beim Kinderrechtsausschuss der Vereinten Nationen gegen Frankreich, Deutschland, die Türkei, Argentinien, Brasilien - von allen Unterzeichnern der UN-Kinderrechtskonvention hätten sie sich zu wenig für den Klimaschutz eingesetzt und daher gegen sie verstoßen.

Macron wies Vorwürfe von sich und meinte, sie solle Druck auf jene ausüben, die versuchten, eine bessere Politik zu blockieren. Damit bezog er sich auf Polen, die Tschechische Republik, Ungarn und Estland, die die EU daran hinderten, eine Zusage zu machen, die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2050 auf netto Null zu senken.

Der französische Bildungsminister Jean-Michel Blanquer sagte, er sei sich nicht sicher, ob Thunberg bei ihrem Auftritt bei den Vereinten Nationen von außen manipuliert worden sei, aber er sei sich sicher, dass er will, dass sie aufhört, so düster zu sein und alle unglücklich zu machen.

Man sollte nicht eine Generation von Menschen schaffen, die angesichts des Themas Klimawandel deprimiert sind", sagte er und forderte sie auf, konstruktive Lösungen zu suchen.

Auch unter Wissenschaftlern gibt es Stimmen, die davor warnen, die Zukunft auf so konkrete Weise derart düster zu zeichnen, wie einige Fridays for Future Vertreter es machten, die damit vor allem Kinder verschrecken.

Myles Allen, Professor für Geosystemwissenschaften und Leiter des Klimaforschungsprogramms an der University of Oxford, schrieb bereits im April zu den Klimastreiks von Teenagern.

Wie viele Wissenschaftler unterstütze er die Streiks, finde sie aber auch störend. Was sicherlich die Absicht sei.

Die heutigen Teenager haben völlig Recht, sich über den Klimawandel zu streiten, und sie brauchen starke Bilder, um die Aufmerksamkeit der Menschen zu erregen," so Allen in The Conversation.

Vielmehr jedoch als der Fokus auf wenige Jahre, bis es zu einer Art Zusammenbruch durch die Klimaerwärmung käme, in dem wir alle untergingen, bereite ihm der geopolitische Zusammenbruch Sorgen, da sich die Folgen des Klimawandels sich sehr ungleich auswirken würden.

Also hört bitte auf zu sagen, dass 2030 etwas weltweit Schlechtes passieren wird. Böses geschieht bereits und jeder halbe Grad der Erwärmung ist wichtig, aber das IPCC zieht bei 1,5 Grad Celsius keine 'planetarische Grenze', hinter der die Klima-Drachen lauern.

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