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Neue Indizien im Fall Bakery Jatta: HSV in immer größerer Erklärungsnot

Neue Indizien im Fall Bakery Jatta: HSV in immer größerer Erklärungsnot
Bakery Jatta am 8. August 2019 bei einer Trainingseinheit in Hamburg
Der Drops schien gelutscht, das ermittelnde Bezirksamt stellte Anfang September die Untersuchung gegen HSV-Star Bakery Jatta wegen mutmaßlichen Identitätsschwindels ein. Doch eine Mailadresse aus seiner Zeit in Bremen könnte dem Publikumsliebling nun zum Verhängnis werden.

Bakery Jatta – oder doch Bakary Daffeh? Die Zweifel an der Identität des Hamburger Fußballprofis Bakery Jatta schienen ausgeräumt. Neue Indizien befeuern jedoch den Verdacht, dass die märchenhafte Geschichte vom gambischen Flüchtling, der nie in seinem Leben für einen Klub spielte, bevor er beim HSV Profi wurde, doch nur ein Märchen sein könnte. Doch der Reihe nach.

Ein Artikel in der Sport Bild vom 7. August dieses Jahres warf die Frage auf, ob es sich bei dem seit 2016 in Hamburg unter Vertrag stehenden Spieler Bakery Jatta in Wahrheit um Bakary Daffeh handelt. Als Beleg gab die Sportzeitung an, dass zwei ehemalige Trainer Jattas aus Gambia ihn als "Daffeh" wiedererkannt hätten. Auch taucht der Spieler Bakary Daffeh seit 2015 tatsächlich nicht mehr in den nationalen oder internationalen Fußballstatistiken auf. Also genau seit dem Zeitpunkt, zu dem Jatta in Deutschland auftauchte.

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Der Unterschied zwischen Jatta und Daffeh: Während Jatta bei seiner Ankunft in Deutschland behauptete, 1998 geboren zu sein, wurde Daffeh schon 1995 geboren und wäre damit drei Jahre älter. Und während Jatta bis heute betont, nie in seinem Leben für einen Fußballklub gespielt zu haben, war Daffeh für mehrere Vereine in Gambia, Nigeria und im Senegal tätig. Zudem spielte Daffeh auch für die U20-Nationalmannschaft Gambias. Jatta hatte in einem Interview mit der HSV-Stadionzeitung 2016 erklärt:

Ich habe in Afrika in keinem Verein gespielt, das gab es dort nicht, höchstens mal am Wochenende konnte man ein betreutes Training mitmachen. Ansonsten waren wir auf uns gestellt, wir haben auf der Straße Fußball gespielt und uns selbst die Dinge beigebracht.

Doch nicht nur der Verein könnte getäuscht worden sein, sondern auch die deutschen Behörden. Dadurch, dass Jatta sich bei seiner Einreise nach Deutschland als Minderjähriger ausgab, erwarb er ein Duldungsrecht. Handelt es sich bei Jatta jedoch um Daffeh, wäre er bei der Einreise schon volljährig gewesen. Die Berichterstattung der Sport Bild führte dazu, dass der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und das Bezirksamt Hamburg-Mitte Untersuchungen einleiteten. Auch die Vereine 1. FC Nürnberg, Karlsruher SC und VfL Bochum reichten Protest beim DFB ein. Die drei Klubs hatten zuvor ihre Zweitligaspiele gegen den HSV verloren.

Anfang September gab das Bezirksamt in Hamburg dann bekannt:

Das Bezirksamt Hamburg-Mitte hat die bereits vorliegenden und neuen Unterlagen, die im Rahmen der Anhörung vorgelegt wurden, geprüft. Aus den dem Bezirksamt vorliegenden Unterlagen gehen keine belastbaren Anhaltspunkte hervor, die ausländerrechtliche Maßnahmen begründen würden.

Jattas Anwalt Thomas Bliwier hatte neben einem gültigen Reisepass auch einen Auszug aus dem gambischen Geburtenregister mit Jattas Daten vorgelegt, zudem eine eidesstattliche Versicherung eines zuständigen Beamten. Nach der Entscheidung der Hamburger Behörde zogen auch die drei Zweitligisten ihre Einsprüche zurück:

Mit der Entscheidung der zuständigen Behörde hat sich die sportjuristische Frage für den Club geklärt, und wir sehen keine Veranlassung mehr, den Einspruch beim Deutschen Fußball-Bund gegen die Spielwertung aufrechtzuerhalten", so der 1. FC Nürnberg in einer Erklärung.

Auch der VfL Bochum zeigte sich zerknirscht:

Wir bedauern es sehr, dass die Diskussionen um Bakery Jatta in den vergangenen Wochen besonders emotional geführt wurden. Die Anfeindungen gegen ihn wie auch die populistische oder parteipolitische Instrumentalisierung verurteilen wir auf das Schärfste.

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Ein neuer Bericht der Bild vom Mittwoch wirft allerdings neue Fragen auf. Jatta ist 2015 laut eigenen Angaben aus seiner Heimat Gambia nach Deutschland geflohen. Dort wurde er in der Akademie Lothar Kannenberg, einer Jugendhilfe- und Bildungseinrichtung in Bothel, Niedersachsen aufgenommen. Die Einrichtung vermittelte dem jungen Fußballer noch im Jahr 2015 ein Probetraining bei der A-Jugend von Werder Bremen. Er nahm auch an einem Testspiel des Vereins teil und hinterließ dort einen sehr guten Eindruck. Werder bot dem Talent einen Vorvertrag für eine Profikarriere an.

Jatta lehnte jedoch ab, da nur ein fester Vertrag seinen Aufenthalt in Deutschland, nach Erreichen der Volljährigkeit, gesichert hätte. Bis dato war er in Deutschland als Minderjähriger nur geduldet. Dann kam die Sache mit dem Probetraining beim HSV. Nun könnte ihm ein Detail aus seiner Zeit in Bremen zum Verhängnis werden. Laut der Berichterstattung der Bild ereignete sich bei der Ankunft von Jatta in Bremen Folgendes:

Am 30. Juli 2015 wird Jatta im Rahmen seiner Altersfeststellung vom Jugendamt der Hansestadt vorgeladen. Im Dokument wird als Vorname "Bakary" und nicht "Bakery" eingetragen. Zum Verbleib der Reisdokumente trägt die Behörde ein: "weiß nicht". Am 3. August 2015 wird Jatta erneut vorgeladen, weil er innerhalb Bremens die Unterkunft wechseln soll. In seinem Personalbogen steht laut der Bild mittlerweile "Bakery" als Vorname und nicht mehr "Bakary". Und nun das vielleicht folgenschwere Detail: Jatta gibt eine Handynummer und eine Mail-Adresse an. Die Maildresse lautet bakarydaffeh*@*********.

Diese Information lag dem Bezirksamt Hamburg laut der Bild nicht vor. Auf Anfrage der Zeitung erklärte der Bremer Oberstaatsanwalt Frank Passade:

Seit Anfang September haben wir neue Erkenntnisse. Wir hatten zwar bereits im Jahr 2015 in der Sache ermittelt und das Verfahren eingestellt. Doch jetzt prüft die Polizei den Sachverhalt aufs Neue.

Jatta selbst äußert sich zu den neuen Vorwürfen nicht. Der HSV bleibt bis jetzt bei der bisherigen Sichtweise:

Wir vertrauen auf die behördlichen Entscheidungen, die die Identität unseres Spielers Bakery Jatta bestätigt haben", so der HSV-Vorstand.

Die neuen Zweifel werden mit dieser Antwort allerdings nicht ausgeräumt. Für den Spieler könnten nun wieder schwierige Zeit anbrechen. Jatta hatte sich zu den Spekulationen nur einmal persönlich geäußert. In einem emotionalen Instagram-Post bedankte er sich nach der eingestellten Untersuchung durch das Bezirksamt bei den Verantwortlichen des Hamburger SV, besonders für die Rückendeckung von Trainer Dieter Hecking und Sportvorstand Jonas Boldt. Der HSV habe ihm "bedingungslose Liebe" gezeigt, so Jatta.

Und tatsächlich schien es so, dass das Fußballmärchen für Jatta weitergeht. Der Trainer der deutschen U21-Nationalmannschaft, Stefan Kuntz, wollte den Hamburger Publikumsliebling einbürgern und in seine Auswahl berufen. Nun scheint alles wieder offen. Es bleibt abzuwarten, ob HSV-Trainer Dieter Hecking den Flügelflitzer am kommenden Sonntag im Heimspiel gegen Erzgebirge Aue in den Kader berufen wird.

Interessant dürfte jedoch auch sein, wie die Bild an die neuen und brisanten Informationen gekommen ist. Die Zeitung schreibt auf ihrer Webseite:

3. September 2019: Kopien der Jatta-Unterlagen mit der E-Mail-Adresse bakarydaffeh*@********* aus dem Sozialzentrum Gröpelingen/Walle werden beim Kommissariat 54 der Polizei Bremen eingereicht. Mit dem Hinweis des Sozialzentrums, dass es große Ungereimtheiten in dem Fall gebe.

Doch wer hat diese Unterlagen dort eingereicht? Und wie kommt die Bild an die persönliche Akte und somit an die Mail-Adresse von Bakery Jatta? Fortsetzung folgt.

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