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Herbert Grönemeyer: "Dann liegt es an uns zu diktieren, wie 'ne Gesellschaft auszusehen hat"

Herbert Grönemeyer: "Dann liegt es an uns zu diktieren, wie 'ne Gesellschaft auszusehen hat"
"Keinen Millimeter nach rechts": Grönemeyer bei einem Konzert in Wien im März 2019
Herbert Grönemeyer erklärte auf einem Konzert in Wien, wenn die Politik versage, müsse man das Aussehen der Gesellschaft selbst diktieren. Damit stellt sich der Künstler, der vor einem Rechtsruck warnt, nach der Meinung von Kritikern selbst in eine zweifelhafte Tradition.

Der deutsche Sänger Herbert Grönemeyer hat mit einer politischen Stellungnahme eine kontroverse Debatte ausgelöst. Am Donnerstagabend erklärte der Musiker während eines Konzerts in Wien:

Ich kann mich nicht erinnern in meinem Leben, ich kannte das nur vom Hörensagen, in Zeiten zu leben, die so zerbrechlich, so brüchig, so dünnes Eis sind. Und ich glaube, es muss uns klar sein, auch wenn Politiker schwächeln – das ist, glaube ich in Österreich nicht anders als in Deutschland –, dann liegt es an uns zu diktieren, wie 'ne Gesellschaft auszusehen hat. Und wer versucht, so eine Situation der Unsicherheit zu nutzen für rechtes Geschwafel, für Ausgrenzung, Rassismus und Hetze, der ist fehl am Platze!

Angefeuert von seinen Zuhörern ging Grönemeyer vom Reden zum Schreien über:

Diese Gesellschaft ist offen, humanistisch, bietet Menschen Schutz … und wir müssen diesen Menschen so schnell wie möglich und ganz ruhig den Spaß daran austreiben. Keinen Millimeter nach rechts! Keinen einzigen Millimeter nach rechts! Das ist so, und das bleibt so!

Befremdlich wirkte auf viele Beobachter die Form des Auftritts, aber auch die Ankündigung des Sängers, das Aussehen der Gesellschaft diktieren zu wollen. 

Der Dramaturg Bernd Stegemann, einer der Gründer der Bewegung "Aufstehen", verglich den Tonfall Grönemeyers mit dem von Rednern aus der NS-Zeit:

Dabei erhielt der Sänger in den sozialen Netzwerken viel Unterstützung. Auch die Medien werteten den Auftritt des Barden als "Engagement gegen rechts". Bundesaußenminister Heiko Maas bedankte sich am Sonntag in einem Tweet bei Grönemeyer und erklärte:

Es liegt an uns, für eine freie Gesellschaft einzutreten und die Demokratie gemeinsam zu verteidigen.

Der in den sozialen Netzwerken stets sehr präsente Minister erhielt für seinen Tweet viel Kritik. Unter anderem wurde er wiederholt darauf hingewiesen, dass der Inhalt und der Stil von Grönemeyers Aufruf nicht zu den Schlagworten "freie Gesellschaft" und Demokratie passen würden. Zu den Kritikern gehörte auch hier Bernd Stegemann.

Stegemann geriet nach seinen Tweets zu Grönemeyer und Maas selbst massiv in die Kritik. Unter anderem wurde ihm vorgeworfen, die "Rechten" in Schutz zu nehmen und sich bei Grönemeyer nur auf die Form, nicht aber auf den Inhalt zu konzentrieren. Diesen Vorwürfen begegnete Stegemann ausführlich mit einem längeren Beitrag beim Cicero. Darin bezeichnete er Brüllen und aggressive Diffamierung als das "rhetorische Mittel der Rechten überhaupt."

Dem Einwand, Grönemeyer wolle nur "das Gute", entkräftete der Dramaturg mit dem Vorbehalt, dass dieses Argument auch die alten und neuen Rechten für sich beanspruchen würden. Kennzeichen des Faschismus sei es, eine Wahrheit für sich in Anspruch zu nehmen, die einen zum Unterdrücken aller abweichenden Meinungen berechtige:

Der Hochmut des totalen Rechthabens ist ein Kern des Faschismus. Welcher menschenfreundliche Inhalt auch immer sich mit diesem Virus infiziert, er verkehrt sich dadurch in sein Gegenteil.

Herbert Grönemeyer hatte schon bei früheren Gelegenheiten seine Unterstützung für eine liberale Flüchtlings- und Migrationspolitik ausgedrückt und Wähler "rechter Parteien" kritisiert. Der Sänger, der seit etwa 20 Jahren überwiegend in London lebt, erklärte in einem Gespräch zum Thema Flüchtlinge in Deutschland mit dem Moderator Frank Elstner im Juni 2019:

Wenn man sieht, mit welcher Dankbarkeit und welcher Wucht die hier Teil der Gesellschaft werden wollen und ihren Kopf einbringen wollen. Ich finde, das vitalisiert ein Land.

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Grönemeyer gehörte zu den Künstlern, die im Juli 2019 bei der Neuauflage des Konzerts "Wir sind mehr" auftraten. Bei einem Festival im mecklenburgischen Jamel im August 2018 hatte er vehement die angebliche Seenotrettung im Mittelmeer verteidigt:

Es kann nicht sein, dass man darüber debattiert, ob man Menschen, die in Lebensgefahr schweben, rettet. Das muss man sich mal vorstellen im Kopf, wo wir gelandet sind!

Es sei ein Verbrechen, über diese Seenotrettung überhaupt zu diskutieren; wer sie infrage stelle, gehöre vor Gericht.

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