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Nach der Landtagswahl: Ein Lager für die Sachsen?

Nach der Landtagswahl: Ein Lager für die Sachsen?
Dresden im Februar 1945
Nach der jüngsten Landtagswahl in Sachsen finden es manche Mainstreamkomiker angemessen, Witze über die Bombardierung des Bundeslandes zu reißen. Unser Autor hat einen anderen nicht ganz ernst gemeinten Vorschlag, wie man mit den renitenten Sachsen verfahren könnte.

von Jens Zimmer

Unlängst schlug die Nachwuchskomikerin Maria Clara Groppler in der Sendung Nightwash vor, Sachsen mit Napalm zu bombardieren. Was zunächst erschreckend klingt, ist in Wirklichkeit schon lange kein Tabubruch mehr. Ähnliche Zoten gab bereits der ZDF Komiker Jan Böhmermann von sich. Nicht ohne beflissen hinzuzufügen, das seien gar nicht seine eigenen Gedanken. Vielmehr habe er das "im Internet gelesen".

Nun sind diese Vorschläge natürlich nicht ernst gemeint. Es handelt sich um wenig begabte Komiker auf der schnellsten Abkürzung hin zur billigsten Pointe. Und das Publikum hat pflichtschuldig gelacht. Ein Pawlowscher Lachreflex zur Bestätigung der gemeinsamen moralischen Überlegenheit. In gewissen Milieus gehört es quasi zum guten Ton, den Sachsen gegenüber jeglichen Anstand zu verlieren. Und wer dann nicht hüpft, der ist ein Nazi.

Der Kern der Sachsen-Thematik lässt sich allerdings nachvollziehen. Das Ergebnis der sächsischen Landtagswahl ist erschreckend. Die AfD mit 27,5 Prozent als zweitstärkste Kraft, das hat nur noch wenig mit Demokratie zu tun. In Sachsen herrscht latent der Geist der Unfreiheit. Ein Erbe aus DDR-Zeiten. Es wäre Aufgabe der Politik, vor allem aber der Öffentlich-Rechtlichen Medien gewesen, diesen Geist auszutreiben. Und 30 Jahre sind weiß Gott genug Zeit dafür gewesen.

Doch all die Bemühungen waren umsonst. Niemand war in der Lage, den Menschen in Sachsen ein grundlegendes Verständnis von Begriffen wie Richtig, Falsch, Gut und Böse zu vermitteln. Was es bedeutet, sich eine Meinung zu bilden und diese Meinung frei sagen zu dürfen. Und dieser Meinung an der Wahlurne schlussendlich auch ein politisches Gewicht zu verleihen. Wenn den Sachsen aber weder mit Erziehung noch mit Bombardierung beizukommen ist, welche Möglichkeiten bleiben dann? Wo liegt sozusagen die goldene Mitte zwischen Laissez-faire und Feuertod?

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Lager. Zugegeben, kein populärer Vorschlag. Angesichts der Alternativen aber gewiss der humanste. Logistisch wären solche Lager problemlos machbar. In strukturschwachen Gegenden wären sie vielleicht sogar ein Gewinn. Man könnte die Sachsen mit Zügen in diese Lager transportieren und dort erst einmal hart arbeiten lassen. Zuvor arbeitslose rechte Wähler würden so wieder an die Gesellschaft herangeführt. Indem sie beispielsweise Uniformen nähen. Aus Demokratie-Schädlingen würden so Nützlinge. Und harte Arbeit hat auch etwas Befreiendes.

Für die hoffnungslos renitenten, unbelehrbaren und überflüssigen Sachsen fände sich in diesen Lagern gewiss auch eine Lösung. Etwas Finales, um das Problem endgültig aus der Welt zu schaffen. Nicht wirklich gegen diese Menschen gerichtet. Vielmehr ein Akt demokratischer Hygiene, der die Anständigen vom Ballast der Ewiggestrigen befreit. So human es denn geht. Mit einer Art Tarnung, um ihnen unnötigen Stress zu ersparen. Zum Beispiel in Form von Duschen.

Herr Böhmermann, Frau Groppler! Es folgt ein politisch korrekter Sachsenwitz: Bevor man so einen Gaskammer-Sachsen ins Krematorium schiebt, muss man ihn gut auslüften. Sonst knallt der so! Was, den finden Sie zum Kotzen?

Das verstehe ich nicht. Es ist ja nicht so, als hätte ich einen widerlichen Judenwitz erzählt. Sie beide würden selbstverständlich auch niemals die Bombardierung Tel Avivs fordern. Obwohl die Wähler dort um einiges rechter sind als die 27,5 Prozent der Wähler in Sachsen. Nein, bestimmte Dinge tut man nicht. Das wäre politisch nicht korrekt.

Wäre es denn vertretbar, tote Lagersachsen mittels Napalm zu entsorgen? Ganz ohne humoristischen Firlefanz, quasi als politisch noch akzeptabler Kompromiss. Auch nicht? Das soll jemand verstehen. Ihr Humor ist ja ein Minenfeld, in dem nur Sie zu navigieren verstehen.

Würden wir die Sachsen nun tatsächlich mit Napalm bombardieren, dann dürften wir hinterher übrigens nicht mehr darüber lachen. Das wäre dann politisch ganz und gar nicht mehr korrekt. Obwohl die Sachsen vorher die Einzigen waren, über die man solche Witze reißen durfte. Das ist nicht unlogisch, das sind die verschlungenen Pfade der Political Correctness.

Mit gesundem Menschenverstand hat das alles wenig zu tun. Noch weniger mit Anstand, Würde, Respekt und all den großartigen Schlagworten, die sich die Verfechter dieses hochgefährlichen Unsinns in Regenbogenfarben auf die Fahnen schreiben.

Political Correctness hat nichts Positives an sich. Es handelt sich um ein Herrschaftsinstrument, um eine brutale Negativauslese, die einer verwirrten Bevölkerung erklärt, wen man ungestraft diskriminieren darf. Ein großer Teil dieser Bevölkerung weiß schon lange nicht mehr, ob sie sich mit Ozeanien oder Eurasien im Krieg befindet. Die Gesichter, Namen und Begrifflichkeiten verschwimmen zu einem Einheitsbrei.

Auf der Bühne stehen stromlinienförmige Gestalten wie Groppler oder Böhmermann und rufen feixend zu zwei Minuten des Hasses auf. Auf Emmanuel Goldstein, Putin, die Sachsen, egal. Eingehüllt wird alles von einem betäubenden Gestank der Angst. Angst, etwas Falsches zu sagen. Angst, etwas Falsches zu denken. Angst, etwas Falsches zu wählen. Angst, dabei entdeckt und selbst zum Ziel des Hasses zu werden. Es ist das effektivste Gefängnis überhaupt. Ein Käfig für den Verstand. Genau so geht Diktatur.

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