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"Gebt euch nicht dem Hass hin": Prominente warnen Görlitz vor Wahl eines AfD-Bürgermeisters

"Gebt euch nicht dem Hass hin": Prominente warnen Görlitz vor Wahl eines AfD-Bürgermeisters
"Gebt Euch nicht Hass und Feindseligkeit, Zwietracht und Ausgrenzung hin": Görlitz im Jahr 2014
Prominente Künstler haben sich in einem offenen Brief an die sächsische Stadt Görlitz gewandt. Sie warnen vor der Wahl eines AfD-Kandidaten zum Bürgermeister, die ein "missverständliches Signal" senden könnte. Tatsächlich könnte der Aufruf der AfD eher nutzen.

Eine Reihe prominenter Künstler hat sich vor der zweiten Runde der Oberbürgermeisterwahl im sächsischen Görlitz mit einem offenen Brief an die Bürger der Stadt gewandt – um vor der Wahl eines Kandidaten der AfD zu warnen.

In dem Schreiben, das bereits Ende der vergangenen Woche bekannt wurde, heißt es wörtlich:

Gebt Euch nicht Hass und Feindseligkeit, Zwietracht und Ausgrenzung hin. Bitte wählt weise, wenn die Wahl an Euch ist.

Die Bibliothek der Dresdner Hochschule

Ein Bürgermeister der AfD im Görlitzer Rathaus wäre – so der Initiator des Schreibens gegenüber der dpa – ein "missverständliches Signal in die Welt hinaus" und könnte zum Beispiel künftig auch Filmemacher davon abhalten, nach Görlitz zu kommen.

In der Liste der Unterzeichner, die angeblich die Liebe zu Görlitz vereint, finden sich prominente deutsche und internationale Schauspieler, Filmemacher, Schriftsteller und Produzenten. Am Montagvormittag hatte das Schreiben 33 Unterstützer, unter ihnen die Schauspieler Daniel Brühl, Burghart Klaußner, Tom Wlaschiha und Volker Bruch, die Schriftsteller Daniel Kehlmann, Jakob Hein und Bernhard Schlink sowie der Musiker Marius Müller-Westernhagen.

Görlitz hat sich mit seiner historischen Altstadt einen großartigen Ruf als Schauplatz für Dreharbeiten internationaler Filme erworben. Mehr als 100 Filmen diente Görlitz bereits als Kulisse, das von seinen Bewohnern schon halb stolz, halb scherzhaft "Görliwood" genannt wird.

In der ersten Runde der Bürgermeisterwahl Ende Mai hatte der AfD-Kandidat Sebastian Wippel 36,4 Prozent der Stimmen erhalten, auf Platz zwei lag der CDU-Mann Octavian Ursu mit 30,3 Prozent. Bei der Stichwahl am 16. Juni könnte Wippel zum allerersten Oberbürgermeister der AfD in Deutschland gewählt werden.

AfD-Politiker reagierten naturgemäß ablehnend auf den offenen Brief der Künstler. Tino Chrupalla, 2017 als Direktkandidat des Görlitzer Wahlkreises in den Bundestag gewählt, schrieb auf Twitter, dass die Görlitzer "keine Wahlempfehlungen internationaler Stars und Sternchen" benötigten. Auch der betroffene Kandidat Wippel selbst kritisierte den Aufruf, lud die Künstler aber gleichzeitig zum Gespräch ein.

Veröffentlicht werden sollte der Brief auf der Seite von "Zukunft Sachsen", wo dazu aufgerufen wird, CDU, SPD oder Grüne zu wählen, um eine Kenia-Koalition zu ermöglichen. Bis Dienstagmittag war das Schreiben dort allerdings nicht zu finden.

Tatsächlich dürfte der offene Brief der Künstler dem AfD-Kandidaten im Wahlkampf am Ende wohl eher nützen als schaden. Er könnte als ein weiteres Beispiel für die andauernde Fremdbestimmung und moralische Überheblichkeit wirken, wie sie von vielen Ostdeutschen angesichts der oft pauschalen Einordnung ihrer Politikverdrossenheit beklagt wird, auch wenn einige der unterzeichnenden Künstler selbst aus dem Osten stammen.

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