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Höhenflug: Jeder Zweite für einen Grünen-Kanzlerkandidaten

Höhenflug: Jeder Zweite für einen Grünen-Kanzlerkandidaten
Nach der Zeit des Feierns müssen die Grünen nun auch "liefern". Umfragen zufolge ist Deutschland reif für einen Wechsel.
Seit den EU-Parlamentswahlen schwimmen die Grünen auf einer Welle des Erfolgs. Die Zustimmung verbessert sich stetig und nun zeigt sich fast die Hälfte der Befragten bereit, einen Grünen-Kanzlerkandidaten zu akzeptieren. Eine Menge Vorschusslorbeeren, der die Partei erst noch gerecht werden muss.

Nach dem Rekordergebnis der Grünen bei der EU-Wahl wünscht sich fast jeder Zweite, dass die Partei bei der nächsten Bundestagswahl mit einem Kanzlerkandidaten antritt. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur sind 46 Prozent dafür und 35 Prozent dagegen, während 19 Prozent keine Angaben machen. Von den Wählern der Grünen sind sogar 86 Prozent für die Nominierung eines Kanzlerkandidaten.

Schlechte Nachrichten für Annegret Kramp-Karrenbauer und die CDU: Gäbe es jetzt Neuwahlen, wäre die CDU nicht unbedingt ein Wunschkandidat in der Regierung.

Dagegen halten weniger als ein Drittel der Befragten (30 Prozent) noch einen SPD-Kanzlerkandidaten für angebracht. 47 Prozent meinen dagegen, die Sozialdemokraten sollten lieber darauf verzichten. Nur unter den Wählern der SPD selbst haben die Befürworter einer Kanzlerkandidatur mit 48 zu 33 Prozent noch die Oberhand.

Die Grünen hatten bei der EU-Wahl mit 20,5 Prozent ihr bisher bestes Ergebnis bei einer bundesweiten Wahl eingefahren. In den ersten Umfragen zur Bundestagswahl nach diesem Erfolg landeten sie teilweise sogar auf Platz eins vor der Union. Die SPD sackte bei der EU-Wahl hingegen auf den historischen Tiefstand von 15,8 Prozent ab. In den aktuellen Umfragen zur Bundestagswahl liegt sie bei zwölf bis 13 Prozent. Die Klimapolitik war ein zentrales Thema im Wahlkampf.

Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck schneidet im direkten Vergleich zu potenziellen Kanzlerkandidaten von Union und SPD am besten ab. 25 Prozent würden sich ihn als Nachfolger von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wünschen, nur 13 Prozent die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer und neun Prozent wären für SPD-Vizekanzler Olaf Scholz. 53 Prozent konnten sich für keinen der drei erwärmen.

Selbst in der Gunst der SPD-Wähler liegt Habeck mit 33 zu 22 Prozent vor Scholz. Die FDP-Wähler sind ebenfalls am ehesten für Habeck, die AfD-Wähler sind eher für Kramp-Karrenbauer.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Die Grünen) ging davon aus, dass seine Partei mehr als nur einen vorübergehenden Umfrage-Hype erlebt. Bei Fragen zum Klima- und Artenschutz, die viele Menschen beschäftigen, seien die Grünen "die erste Adresse. Es ist also durchaus möglich, dass meine Bundespartei dauerhaft mehr Zuspruch bekommt", sagte Kretschmann der Bild. Auch große Unternehmen seien "längst auf grünem Kurs. Bosch, Daimler, Siemens, Porsche und viele mehr streben inzwischen Klimaneutralität an. Nur mit grünen Produktlinien bleibt unsere Wirtschaft international wettbewerbsfähig. Deshalb sind die Grünen die neue Wirtschaftspartei."

Die Grünen liegen bei der Sonntagsfrage im ARD-"Deutschlandtrend" nun knapp vor der Union auf Platz eins. Im Vergleich zum Vormonat gewinnt die Partei sechs Prozentpunkte hinzu und erreicht 26 Prozent. Die Union verliert der Infratest-Dimap-Umfrage zufolge drei Prozentpunkte und würde mit 25 Prozent auf dem zweiten Platz landen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre. Die SPD geht nach ihrer EU-Wahl-Pleite und dem Rücktritt von Parteichefin Andrea Nahles auf Talfahrt, ihr Wert sinkt um sechs Punkte auf zwölf Prozent – ihr Tiefstwert im "Deutschlandtrend". Die AfD klettert um einen Prozentpunkt auf 13 Prozent. Die FDP liegt unverändert bei acht Prozent, die Linke verliert zwei Punkte und kommt auf sieben Prozent.

Mit der Arbeit der Bundesregierung sind im "Deutschlandtrend" fast drei Viertel der Befragten (72 Prozent) weniger oder gar nicht zufrieden. Das sind zehn Prozentpunkte mehr als im Vormonat. Zufrieden oder sehr zufrieden äußerten sich 28 Prozent.

Umweltschützer wollen aus Protest gegen die Klimapolitik der Bundesregierung ab Freitagnachmittag ein Camp in Berlin aufbauen. Bei der Polizei wurde die Aktion als Demonstration mit 200 Teilnehmern auf der Wiese vor dem Tipi am Kanzleramt angemeldet. Der Aufbau von Zelten wird allerdings üblicherweise im Rahmen des Demonstrationsrechts nicht gestattet. Auch das zuständige Bezirksamt will ein derartiges Protestcamp nicht akzeptieren, wie die Zeitung B.Z. berichtete. Möglicherweise rücken die Organisatoren aber am Freitagnachmittag dennoch mit Zelten an. Man wolle einen Präzedenzfall schaffen, kündigten sie an.

Mehr zum Thema - AfD attackiert Grüne: Klimapropaganda soll einfache Leute mit CO2-Steuer ausplündern helfen 

(rt deutsch/dpa)

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