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Syrisches Brandopfer in JVA Kleve: Brandgutachter zweifeln an Bericht der Behörden

Syrisches Brandopfer in JVA Kleve: Brandgutachter zweifeln an Bericht der Behörden
Gefängniszelle in Landsberg, Deutschland, 31. März 2014.
Unschuldig saß der Syrer Amad A. über mehrere Wochen in der JVA Kleve ein. Er legte ein Feuer und erlag seinen Verletzungen im Krankenhaus. Für die Behörden ein Fall von Suizid. Brandgutachter aber hegen Zweifel an der Darstellung des Verlaufs durch das Justizministerium.

Am Abend des 17. September zündet der unschuldig inhaftierte, 26 Jahre alte syrische Flüchtling Amad A. Matratzen, Laken und Bettdecken in seiner Zelle an. Das Fenster war zu diesem Zeitpunkt geschlossen. Erst nach 15 Minuten bittet er über die Gegensprechanlage um Hilfe und öffnet das Fenster. Über den Inhalt des Gesprächs zwischen Amad und einem JVA-Angestellten ist nichts bekannt. 

Ein mit Sensoren, Schweinehaut und Fett ausgestatteter Dummy wird für eine Brandanalyse im Rahmen der Todesuntersuchung von Oury Jalloh getestet.

Brandexperten halten diese Version für unrealistisch. Es ist fraglich, ob sich der Mann nicht schon früher gemeldet hat und um Hilfe bat. Haben sich die JVA-Beamten richtig verhalten, oder hätten sie Amad retten können? Der Rechtsexperte der Grünen-Fraktion, Stefan Engstfeldt, spricht von einem Justizskandal. 

Inhaftiert wurde Amad aufgrund einer Namensverwechslung mit dem polizeilich Gesuchten Amedy Guira aus Timbuktu, der wegen Diebstahls verurteilt worden war. Beide Männer teilten das selbe Geburtsdatum und dieser nutzte den gleichen Namen als Aliasnamen. So geriet Amad unschuldig in Haft. Die Polizei versäumte es, alle Daten abzugleichen. Ein Fall, der die Politik und die Justiz bis heute beschäftigt. 

Monitor beauftragte einen Brandexperten, um das Gutachten zu überprüfen. Der Brandexperte Korbinian Pasedag: 

Der Brand ist so, wie er von der Staatsanwaltschaft beschrieben wird, nicht möglich. Aufgrund der fehlenden Ventilationsbedingungen in dem Haftraum in den 15 Brandminuten bis zu der Öffnung des Haftfensters ist ein Brandverlauf wie beschrieben nicht möglich. 

Die giftige Rauchentwicklung hätte Amad keine 15 Minuten aushalten können. Schon nach wenigen Minuten sei man bei diesen toxischen Rauchentwicklungen nicht mehr handlungsfähig.

Schon seit langem gibt es Indizien und Beweismitteln, die allesamt dafürsprechen, dass Oury Jalloh offenbar von Polizeibeamten verbrannt wurde. Es geht um ein Feuerzeug, dass nur tatortfremde Spuren enthält und laut Gutachtern mit größter Wahrscheinlichkeit nie in der Zelle war.

Aufgrund der Hitze hätte Amad schreien müssen. Dies bestätigen andere Häftlinge. Ein Häftling: 

Einige Leute haben ja auch gesehen, dass es da gebrannt hat. Amad wurde ja auch hilfeschreiend am Fenster gesehen. In der Freistunde wurde mir erzählt, dass Amad am Fenster war, um Hilfe gerufen hat, wohl auch gegen die Tür getreten hat. 

Der Brandgutachter der Staatsanwaltschaft beharrt auf die Aussage, Amad habe sich erst nach einer Viertelstunde gemeldet. Für Pasedag gehört diese Feststellung nicht in das Brandgutachten, sondern ist viel mehr ein Teil der Polizeiermittlungen. 

Amad beteuerte immer wieder, dass er unschuldig sei. In Hamburg, wo die Diebstähle stattfanden, sei er noch nie gewesen und zu dem Zeitpunkt auch nicht in Deutschland. Eine Psychologin sah seine Suizidäußerungen als einen Versuch an, schneller entlassen zu werden. Am 15. Dezember ist in Geldern von Freunden des Verstorbenen und Aktivisten eine Demonstration unter dem Motto "Initiative Amad Ahmad" angemeldet. Sie werfen der Polizei Rassismus vor und zweifeln daran, dass Amad seine Zelle selbst in Brand gesteckt hat. 

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