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Islamforscher fordert "Gebrauchsanweisung" für Koran

Islamforscher fordert "Gebrauchsanweisung" für Koran
Maßgeblich für alle modernen Ausgaben des Koran ist die orthographisch standardisierte Edition der Kairoer Azhar-Universität von 1924.
Wer die Thesen aus dem Koran wörtlich nehme, stünde oftmals vor widersprüchlichen Aussagen, so der Religionsphilosoph Ahmad Milad Karimi. Deswegen empfiehlt er, eine Art "Gebrauchsanleitung" mitzuliefern, um eine extremistische Lesart des heiligen Buches zu verhindern.

Der Islamwissenschaftler aus Münster, Ahmad Milad Karimi, fordert mehr Unterstützung für Gläubige bei der Interpretation des Korans. Die Tatsache, dass man oftmals vor widersprüchlichen Aussagen stehe, wenn man den Koran wörtlich nehme, mache unter anderem eine extremistische Lesart möglich. Doch einer Radikalisierung könne vorgebeugt werden.

"Ich kann mich nicht an den Koran halten, sondern nur an ein Verständnis des Korans", so Karimi am Montag während einer Tagung in Mainz. "Selbstverständlich hat jede Schandtat, die im Namen des Islam verübt wird, etwas mit dem Islam zu tun", sagte Karimi weiter. Deswegen bräuchten auch Muslime Interpretationshilfen, so wie es sie bei Christen, Juden, Buddhisten und Hindus auch gebe.

Massenproteste in Islamabad, 1. November 2018

Der Religionsphilosoph fordert, dass Theologen und Moscheevereine zu einem modernen Verständnis des Korans beitragen sollten. Karimi lehrt als stellvertretender Leiter des Zentrums für Islamische Theologie an der Universität Münster. Bei der von der rheinland-pfälzischen Landesregierung und dem Zentralrat der Muslime organisierten Tagung "Friedensverantwortung im Islam" diskutierte er mit anderen Experten und Verbandsvertretern über die Rolle der Muslime in Deutschland.

Der Zentralratsvorsitzende Aiman Mazyek erklärte, die Notwendigkeit kritischer Theologie werde inzwischen auch von den Islamverbänden anerkannt. Die Phase, in der man damit fremdelte, sei mittlerweile überwunden. Der Mainzer Islamismus-Experte Marwan Abou-Taam hingegen warnte vor überzogenen Erwartungen. "Aus Europa sind 20.000 Menschen nach Syrien gegangen, um dort zu kämpfen", so Abou-Taam. "Dass sie hier gelebt haben und sozialisiert wurden, hat aus ihnen keine guten Demokraten oder Friedensaktivisten gemacht."

Der wissenschaftliche Mitarbeiter des rheinland-pfälzischen Landeskriminalamtes fordert größere Anstrengungen in der Integrationspolitik: "Wir brauchen mehr integrationspolitische statt religionspolitische Debatten." Muslime könnten in Deutschland ihren Glauben so frei leben wie in fast keinem anderen Staat der Welt, sagte Abou-Taam. Daher hätten sie auch eine "besondere Friedensverantwortung".

Er verwies in diesem Zusammenhang auch auf die türkischstämmigen Menschen in Deutschland. Wenn die für Präsident Erdoğan statt für die Demokratie auf die Straße gingen, werde das mit den entsprechenden Folgen in der deutschen Gesellschaft wahrgenommen. "Es gibt kein Grundrecht, gemocht zu werden", so Abou-Taam.

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