Noch keine Imame bei der Bundeswehr: Zentralrat der Muslime spricht von "Schande"

Noch keine Imame bei der Bundeswehr: Zentralrat der Muslime spricht von "Schande"
Der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime in Deutschland Aiman A. Mazyek gedenkt in einer Rede der Opfer des Terroranschlags auf die Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo am 13. Januar 2015. Die Gedenkveranstaltung wurde von muslimischen Vereinen organisiert.
Rund 1.500 Muslime leisten in der Bundeswehr ihren Dienst. Seit sechs Jahren wird über den Einsatz von muslimischen Militärseelsorgern diskutiert. Da bis jetzt noch nichts passiert ist, spricht der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime Aiman Mazyek von einer Schande.

Mazyek sagte gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ):

Es ist eine Schande, dass wir in Deutschland nach so vielen Anläufen und Anstrengungen über fast sechs Jahre nicht mal einen dringend benötigten muslimischen Militärseelsorger installieren konnten.

Auch der Zentralrat der Muslime habe sich immer wieder dafür eingesetzt. Mazyek kritisierte, dass "die Politik jedes Mal Bürokratie als Grund dafür vorschiebt". Dies sei sinnbildlich für den Stand der Institutionalisierung des Islam.

Bereits vor Jahren hatte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) angekündigt, den Bedarf an Imamen in der Truppe zu prüfen und zu klären, wie deren Einsatz organisiert werden kann. Die Bundeswehr hat traditionell katholische und evangelische Militärbischöfe und -pfarrer, die den Soldaten unter anderem im Einsatz geistlichen Beistand leisten. Über die Zahl der Muslime in der Bundeswehr gebe es keine verlässlichen Angaben, da die Soldaten ihre Religionszugehörigkeit nicht angeben müssen, so die NOZ.

Schätzungsweise gehörten 1.500 der insgesamt knapp 179 000 Soldaten der Bundeswehr dem Islam an. Die Bundeswehr sei deswegen ein Spiegelbild unserer Gesellschaft, und solch ein Schritt hätte eine starke integrationspolitische Signalwirkung, so Mazyek.

Reparaturarbeiten an einem Militärfahrzeug im Zuge einer Militärübung im Münsterland, Oktober 2017.

Kritik vom Wehrbeauftragten

Der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels hatte in seinem Jahresbericht kürzlich die Bundesregierung wegen ihrer diesbezüglichen Untätigkeit kritisiert. In dem Bericht schreibt der Wehrbeauftragte: "Nach mehr als sechs Jahren des ergebnislosen Prüfens macht sich langsam Ernüchterung breit." Bartels verweist darin auf Angaben der Zentralen Ansprechstelle für Soldatinnen und Soldaten anderer Glaubensrichtungen, wonach 60 von insgesamt 117 Anfragen im Jahr 2017 von muslimischen Soldaten stammten. Zudem hatten Muslime beklagt, dass es schwierig sei, Essenvorschriften und Gebetszeiten einzuhalten.

Der Wehrbeauftragte nennt als Vorbild Österreich, wo das Bundesheer inzwischen über zwei Militär-Imame verfügt. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime Mazyek sagte dazu:

Völlig zu Recht hat der Wehrdienstbeauftragte diesen längst überfälligen Schritt moniert und in seinem Bericht kritisiert.

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