Jüdische Gemeinde schließt sich Düsseldorfer Karneval an

Jüdische Gemeinde schließt sich Düsseldorfer Karneval an
Rosenmontagswagen der Jüdischen Gemeinde in Düsseldorf, Deutschland, 9. Februar 2018.
Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf reiht sich erstmals in den Rosenmontagszug in Düsseldorf ein. Zu sehen auf dem Mottowagen Heinrich Heine mit Kippa in Gedenken an den "größten jüdischen Sohn" Düsseldorfs. Sicherheitsvorkehrungen sollen vor Angriffen schützen.

Heinrich Heine konvertierte vom Judentum zum Protestantismus. Dennoch, oder gerade deshalb, ziert eine Heine-Figur mit Kippa und Gebetsschal den Mottowagen der Jüdischen Gemeinde Düsseldorfs. Die Pappfigur lehnt sich an die Wahrzeichen Düsseldorfs: Schlossturm und Lambertuskirche. Die Knie der Heine-Nachbildung reichen an eine Nachbildung der Synagoge aus dem Jahr 1958. Es wird angenommen, dass Heine sich nicht aus Überzeugung taufen ließ, sondern weil er sich so einen Vorteil für seine Karriere erhoffte. 

Früher, zu Zeiten der Nationalsozialisten, betrieben die Karnevalisten mit ihren Präsentationen in der Öffentlichkeit Hetze gegen die Juden. 

Der Verwaltungsleiter der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, Michael Szentai-Heise: 

Wir wollen ein Zeichen setzen. Wir sind Teil der Düsseldorfer Stadtgesellschaft, wir gehören dazu. 

Heise ließ sich vom Rosenmontagszug des Vorjahres, der sich auch mit dem 500-jährigen Reformations-Jubiläum befasste, inspirieren, und dachte sich: 

Wenn die Protestanten mitfahren können, warum nicht auch die jüdische Gemeinde? 

Demonstration gegen Antisemitismus am Brandenburger Tor, Berlin, Deutschland, 14. September 2014.

Der Wagen wurde teilweise durch Spenden finanziert und kostete 35.000 Euro. Die Stadt gab dafür 20.000 Euro. Vom Wagen, auf dem geschrieben stand: "Wir feiern den größten jüdischen Sohn unserer Stadt", wurden Kamellen und Taschentücher mit dem Logo der Jüdischen Gemeinde geworfen. Unter den Gästen, die auf dem Wagen Platz nehmen durften, war auch ein Muslim. 

Vom Wagen aus hieß es: "Schalom, ihr Jecke!" 

Der Dichter Heinrich Heine wurde 1797 in Düsseldorf in eine liberal-jüdische Familie geboren. Die Bonbons, die vom Heine-Wagen geworfen wurden, sind koscher, oder auch vegan - das heißt, sie enthalten keine tierischen Inhaltsstoffe. Auf den Tempo-Taschentüchern war zu lesen: "Jemeend met Hähz". Der Rosenmontagsumzug in Düsseldorf fand unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen statt. Nebenstraßen wurden gesperrt, um vor möglichen Terrorattentaten mit Fahrzeugen zu schützen. Heute sind 7.200 Menschen Teil der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf. 

Auf der Tafel, die Heine auf dem Mottowagen der Jüdischen Gemeinde in der Hand hält, ist zu lesen: 

Den Himmel überlassen wir den Engeln und den Spatzen. 

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