NRW: Überstunden nehmen Polizisten die Motivation und den Bürgern die Sicherheit

NRW: Überstunden nehmen Polizisten die Motivation und den Bürgern die Sicherheit
Polizisten verhaften einen Demonstranten in Köln, Deutschland, 27. Januar 2018.
Rund 5,4 Millionen Überstunden haben 42.000 Polizisten des grössten Bundeslandes bis Ende des Jahres 2016 angehäuften. Demonstrationen und Fussballspiele lassen den Ordnungshütern wenig Zeit zum Verschnaufen. Zahlen für das Jahr 2017 liegen noch nicht vor.

Die Neueinstellungen bei der Polizei in NRW haben bisher an dem Problem der Überlastung nichts geändert, denn viele Beamte sind zugleich in den Ruhestand gegangen. 500 neue Verwaltungsassistenten sollen gegen die Aktenlast helfen. Der Krankenstand der Polizei in NRW liegt laut einem Bericht der Welt vom Dienstag bei 7,4 Prozent. In Deutschland liegt er bei Arbeitnehmern bei 4,4 Prozent. Am meisten Überstunden sammelte die Kriminalpolizei an: 4,4 Millionen der ingesamt 5,4 Millionen Überstunden bis Ende 2016. Die angesammelten Überstunden verfallen bis Ende dieses Jahres.

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Zeit, um diese "abzufeiern", gibt es aber kaum. Und auch eine finanzielle Entschädigung ist nicht angedacht. Das will der Innenminister Nordhrein-Westfalens ändern und zur Förderung der Motivation seiner Untergebenen einen Weg finden, um die Mehrarbeit auszahlen zu lassen. 

Die Polizei NRWs ist durch Demonstrationen und Fussballspiele auch außerhalb der Grenzen ihres Bundeslandes im Dauereinsatz. Arnold Plickert von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) spricht von Burnouts und den Folgen eines fehlenden Privatlebens. Erich Rettinghaus von der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) prognostiziert angesichts der Überlastung, dass Akten bald noch langsamer bearbeitet werden und der Krankenstand weiter ansteigt. 

Das Expertengremium für innere Sicherheit beschäftigt sich in diesen Tagen mit dem Problem und tagt hierzu. Geleitet wird es von Wolfgang Bosbach, CDU-Innenpolitiker. Zur Entlastung der Polizisten könnte das Ordnungsamt Einsätze am Wochenende übernehmen. Die Kommunen leiden jedoch auch unter Personalmangel. Ein anders Mittel wäre das Konzept von "Lebensarbeitszeitkonten". Überstunden können so aufgespart und bei schwindender körperlicher Fitness im Alter verwendet werden. Versprochen wurde das bereits von der vorherigen Regierung NRWs, aber aufgrund der schwierigen Umsetzung und Nachteilen für die Personalplanung bei der Polizei wurde dieses Vorhaben bisher nicht realisiert. 

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