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Corona-Angst in Norddeutschland: Einheimische jagen Fahrzeuge mit auswärtigen Kennzeichen

Corona-Angst in Norddeutschland: Einheimische jagen Fahrzeuge mit auswärtigen Kennzeichen
Auch im schönen Cuxhaven kam es zu Zwischenfällen. (Symbolbild)
Von wegen kühle Nordlichter: Gerade in den deutschen Küstenregionen kommt es immer häufiger zu Übergriffen gegen vermeintlich "Ortsfremde". Aus Furcht vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus werden Fahrzeuge beschädigt und die Fahrer angepöbelt.

Dass "Einheimische" während der Corona-Pandemie sich an vermeintlich "Auswärtigen" vergehen, war bisher nur aus Frankreich bekannt. So las man zum Beispiel Berichte von der Atlantikinsel Île de Noirmoutier, rund fünf Autostunden südwestlich von Paris. Zerstochene Reifen waren dort eine unmissverständliche Botschaft an die "zugereisten Pariser", die sich noch rechtzeitig vor der Ausgangssperre in ihre Zweitwohnsitze geflüchtet hatten. Sie gelten für die Ortsansässigen als "Risiko" und sind deshalb nicht willkommen.

Menschenleer: Die Uhr auf dem Spasskaja-Turm neben dem Moskauer Kreml und der Basilius-Kathedrale in Moskau, Russland, am 31. März 2020

Nun berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) auch von ähnlichen Vorfällen in Deutschland – vornehmlich an Küstenorten. Wie in Frankreich gilt auch in Deutschland: Touristische Aktivitäten sind verboten und der Aufenthalt in einem Zweitwohnsitz ist untersagt. Offenbar greifen deswegen "Einheimische" immer öfter zu "Selbstjustiz". Laut dem Bericht mehren sich die Übergriffe von "Einheimischen" gegen Fahrzeuge und deren Halter mit ortsfremden Nummernschildern. So wurde das Auto eines Klinikmitarbeiters im Landkreis Aurich mit weißer, nicht abwaschbarer Farbe beschmiert, wie RND schreibt. Schon Wochen zuvor habe das Fahrzeug aus zuerst unerklärlichen Gründen eine Beule aufgewiesen. Inzwischen vermutete Ursache für die teure Sachbeschädigung: das auswärtige Kennzeichen.

Als "Hure" beschimpft

Weiter wird von einem Vorfall in Cuxhaven berichtet: Dort sollen seit Beginn der Corona-Maßnahmen Anwohner mit nichtheimischen Nummernschildern angepöbelt worden sein. Sie wurden offenbar auch dazu aufgefordert, die Stadt wieder zu verlassen. Laut dem RND kursierte bereits im März auf Facebook ein Zettel mit der unmissverständlichen Botschaft:

Haben Sie den Schuss nicht gehört? Ignoranten und Egoisten wie Sie tragen dazu bei, dass sich der Virus weiter verbreitet. (...) Wir wollen keinen Corona-Tourismus in Cuxhaven, erst recht nicht aus NRW. (...) Ihr Kennzeichen wurde fotografiert.

Aus Angst vor Übergriffen würden Anwohner mit fremden Kennzeichen nun sogar Schilder in ihre Fahrzeuge legen, auf denen beispielsweise "Erster Wohnsitz Cuxhaven" steht, wie die Cuxhavener Nachrichten berichten. So wie in Niedersachsen wurden in Schleswig-Holstein ebenfalls Übergriffe dokumentiert.

Und auch Mecklenburg-Vorpommern blieb nicht verschont, wie die Ostsee-Zeitung berichtete. Auf Usedom sollen nicht ortsansässige Autofahrer beschimpft oder bespuckt worden sein. Eine Berlinerin mit Erstwohnsitz in Mecklenburg-Vorpommern sei als "Hure" bezeichnet worden. Einem Pkw aus Dortmund sollen die Reifen zerstochen worden sein.

Sowohl in Sachsen-Anhalt als auch in Sachsen sollen ab Montag trotz der Corona-Pandemie mehrere Hundert Soldaten zum Üben zusammenkommen. (Symbolbild: Manöver in der Lausitz, Sachsen)

"Horch und Guck"

Der Nordkurier berichtet sogar von einer Verfolgung der Fahrzeuge mit auswärtigen Kennzeichen durch das lokale Ordnungsamt. In der Nähe des Kummerower Sees hätten sich die Malchiner Ordnungsamtsmitarbeiter an einem Samstag praktisch an jedes Auto gehängt, das laut Nummernschild nicht aus Mecklenburg-Vorpommern stammte.

Weiter schreibt der Nordkurier, dass einem zugezogenen Berliner wegen seines fremden Autokennzeichens die Polizei auf den Hals gejagt worden sei. Die Zeitung zitiert den Berliner mit den Worten: "Ich hätte nie gedacht, dass in diesen Zeiten, in denen wir doch alle solidarisch sein sollten, nur wegen eines fremden Kennzeichens mit dem Finger auf andere gezeigt wird", diese Denunziation erinnere ihn an "die Blockwarte oder an Horch und Guck".

Wegen der zunehmenden Übergriffe sahen sich Politiker gezwungen, an die Bevölkerung zu appellieren. Cuxhavens Oberbürgermeister Uwe Santjer erklärte, "dass einige Menschen mit auswärtigem Kennzeichen in Cuxhaven gemeldet sind oder zumindest hier arbeiten. Diese Mitbürger könnten vielleicht bei der Polizei arbeiten und Sie schützen, könnten in der Klinik arbeiten und Ihr Leben retten oder vieles andere mehr". Laut dem RND fruchtete der Appell – die Zahl der Zwischenfälle sei rückläufig.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern gab es eine Reaktion – in diesem Fall von der Polizei. Sie ermahnte die Bürger, dass nicht jedes Auto mit ortsfremdem Nummernschild auf Urlauber hindeute. Es könne sich in vielen Fällen auch um Firmenwagen handeln. Auf den Punkt brachte es die Polizei in Vorpommern-Greifswald. Sie forderte in einem Post zum Thema "auswärtige Kennzeichen" vom 23. März: "Bitte habt Euch lieb!"

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