icon bookmark-bicon bookmarkicon cameraicon checkicon chevron downicon chevron lefticon chevron righticon chevron upicon closeicon v-compressicon downloadicon editicon v-expandicon fbicon fileicon filtericon flag ruicon full chevron downicon full chevron lefticon full chevron righticon full chevron upicon gpicon insicon mailicon moveicon-musicicon mutedicon nomutedicon okicon v-pauseicon v-playicon searchicon shareicon sign inicon sign upicon stepbackicon stepforicon swipe downicon tagicon tagsicon tgicon trashicon twicon vkicon yt

"Kollektives Versagen": WHO zieht enttäuschende Jahresbilanz im Kampf gegen Masern

"Kollektives Versagen": WHO zieht enttäuschende Jahresbilanz im Kampf gegen Masern
"Kollektives Versagen": WHO zieht enttäuschende Jahresbilanz im Kampf gegen Masern.
Nach großen Erfolgen bei der Bekämpfung der Masern, breiten sie sich derzeit wieder weltweit aus. Rund 140.000 Menschen sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im vergangenen Jahr an der hochansteckenden Krankheit gestorben. Zumeist Kinder.

Die Zahl der Todesopfer ist im Langzeit-Vergleich zwar gesunken, denn im Jahr 2000 erlagen noch mehr als 535.000 Menschen der Krankheit. Seit Kurzem steigen die Zahlen jedoch wieder. So gab es im Jahr 2018 den WHO-Schätzungen zufolge rund 16.000 Masern-Tote mehr als im Jahr 2017. Vor allem im Kongo verbreiten sich die Masern vielerorts. Ein Grund ist laut der WHO eine zu niedrige Impfrate. Experten beklagen unter anderem Lücken in der Versorgung mit den Impfstoffen.

Ähnlich wie die Todeszahlen veränderten sich zuletzt auch die geschätzten Infektionszahlen, die nach einem drastischen Rückgang ebenfalls wieder angestiegen sind. Nach WHO-Schätzungen gab es im Jahr 2018 knapp 9,8 Millionen Masernfälle, im Jahr davor fast 7,6 Millionen.

Global ansteigende Infektions- und Todesfälle

Zu den Masernsymptomen zählen ein Ausschlag der Mundschleimhaut und die charakteristischen bräunlich-rosafarbenen Hautflecken. Die Infektion schwächt vorübergehend das Immunsystem, so dass es leichter zu Mittelohrentzündung, Bronchitis, Lungenentzündung oder Durchfall kommen kann. Eine besonders gefürchtete Folge ist die Meningitis, die tödlich enden kann.

In Deutschland wurden nach Angaben des Robert Koch-Instituts von Januar bis Ende November 501 Masern-Fälle gezählt – 2018 waren es im selben Zeitraum 528 Fälle. Die Zahlen in Deutschland schwanken von Jahr zu Jahr jedoch sehr. Sie lagen in den vergangenen zehn Jahren zwischen 165 und 2.465 Fällen pro Jahr. In Europa verbucht die Ukraine den schwersten Ausbruch mit fast 57.000 gemeldeten Fällen. Auch in den USA – die einst als masernfrei galten – ist die Tendenz wieder steigend. Das Land verzeichnete so viele Fälle wie seit 25 Jahren nicht mehr. Erst in der vergangenen Woche sind zudem im polynesischen Inselstaat Samoa mindestens 53 Menschen bei einem Masernausbruch gestorben.

Da in vielen Ländern keine Meldepflicht besteht, wird, laut WHO, nur ein Bruchteil der Masernfälle erkannt. Die weitaus meisten Ansteckungen wurden in diesem jahr bis Mitte November aus dem Kongo gemeldet. Die Behörden gehen davon aus, dass allein dort mehr als 5.000 Menschen an Masern gestorben sind – weit mehr als beim Ebola-Ausbruch seit Sommer 2018 mit rund 2.200 Toten bislang. Auch in Liberia, Madagaskar und Somalia gibt es große Probleme mit den Masern. Auf diese fünf Staaten entfällt letztlich fast die Hälfte aller gemeldeten Masern-Fälle.

Die Gesundheitssysteme sind in manchen Ländern sehr geschwächt. Da gibt es dann oft Lücken in der Versorgungskette, insbesondere beim Masern-Impfstoff,

sagte Marcus Bachmann, für die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" zuletzt mehrmals Einsatzleiter im Kongo, der Deutschen Presse-Agentur. Der Masern-Impfstoff müsse bis zur Verabreichung permanent gekühlt werden, auch das sei in vielen Ländern eine große Herausforderung.

Speziell im Kongo stehe zudem der Kampf gegen Ebola im Mittelpunkt, was sich auch finanziell deutlich bemerkbar mache:

Die Menschen vor Ort können dieses Ungleichgewicht gar nicht verstehen. Sie haben große Sorgen wegen der Masern, weil die ihre Kinder oft töten", sagte Bachmann.

Ärtzte geben keine Entwarnung

Für das kommende Jahr gebe es wenig Grund für Optimismus, führte Bachmann weiter aus. Die typischen Probleme in einigen Ländern – schlechte Überwachung und zu langsame Prüfung neuer Fälle, fehlende Impfungen und grundsätzlich Unsicherheit durch Konflikte – ließen sich schließlich "nicht von heute auf morgen lösen".

Die Tatsache, dass ein Kind aufgrund einer Krankheit wie Masern stirbt, der durch Impfung vorgebeugt werden kann, ist offen gesagt ein Frevel und ein kollektives Versagen beim Schutz der Verletzlichsten,

sagte Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO. Der Organisation zufolge sind die Impfraten im vergangenen Jahrzehnt aber weltweit konstant geblieben.

Die WHO schätzt, dass 86 Prozent der Kinder eine erste Impfung erhalten, nur rund 70 Prozent dann aber die empfohlene zweite Dosis. Nach WHO-Angaben ist eine Impfrate von 95 Prozent mit zwei Dosen in jedem Land nötig, um die Bevölkerung vor der Krankheit zu schützen.

Bundestag beschließt Impfpflicht

Zum stärkeren Schutz vor der hoch ansteckenden Krankheit hat der Bundestag im November ein Gesetz zur Impfpflicht beschlossen. Es soll zum 1. März 2020 in Kraft treten. Eltern müssen dann vor der Aufnahme in Kitas oder Schulen nachweisen, dass ihre Kinder geimpft sind. Für Kinder, die schon zur Kita oder in die Schule gehen, muss der Nachweis bis zum 31. Juli 2021 erfolgen. Bei Verstößen drohen bis zu 2.500 Euro Bußgeld. Greifen soll die Impfpflicht auch für Lehrkräfte und Erzieherinnen sowie für Personal in medizinischen Einrichtungen. (RT deutsch/dpa)

Mehr zum ThemaPlan des Gesundheitsministeriums: Masern-Impfpflicht auch für Asylbewerber und Tagesmütter

Folge uns aufRT
RT

Diese Webseite verwendet Cookies. Klicken Sie hier, um mehr zu erfahren

Cookies zulassen