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Befreiung: NVA-General analysiert letzte sowjetische Kriegsoperationen (Teil 2)

Befreiung: NVA-General analysiert letzte sowjetische Kriegsoperationen (Teil 2)
Sieg der Roten Armee in Stalingrad, 1943
NVA-General Heinz Bilan hat für RT die sowjetischen Militäroperationen der letzten Kriegsjahre bewertet. Die Wende des Zweiten Weltkrieges begann nicht mit der Normandie-Landung, sondern bei Stalingrad. Die UdSSR leistete den Löwenanteil zur Befreiung Deutschlands.

Generalmajor a.D. Heinz Bilan war Politoffizier der Nationalen Volksarmee der Deutschen Demokratischen Republik. Er diente jahrelang als Stellvertreter des Chefs und Leiter der Politischen Verwaltung im Militärbezirk III (Leipzig). Zudem war er stellvertretender Chef der Militärakademie "Friedrich Engels". Er studierte in der Sowjetunion an der Militärpolitischen Lenin-Akademie und an der Woroschilow-Generalstabsakademie. Sein Diplom legte er bei dem legendären Feldherrn und Marschall der Sowjetunion Iwan Konew ab. Das Gespräch führte Hasan Posdnjakow.

(Teil 2, hier finden Sie Teil 1)

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Wie beurteilen Sie als Militärfachmann die sowjetischen Operationen im Laufe des Zweiten Weltkrieges, vor allem ab Stalingrad, hinsichtlich der Erfüllung ihrer Ziele?

Besser als ich beantwortete das der Marschall der Sowjetunion Schukow. Den rufe ich als Kronzeugen auf. Er sagte:

Wir haben viele Niederlagen erlitten, denn wir kämpften gegen die beste Armee der Welt, aber im Verlauf des Krieges haben unsere Stäbe und Kommandeure das Kriegsführen gelernt."

Befreiung: NVA-General analysiert letzte sowjetische Kriegsoperationen (Teil 2)
Sowjetische Truppen in Stalingrad, 1942

Zu Beginn des Krieges wurden viele Fehler gemacht. Im Jahr 1940 gab es zwei große Kriegsspiele, bei denen ein Kriegsbeginn geübt wurde. Schon vorher, in den Jahren 1937/1938 kam es zu einer sogenannten Säuberung der Roten Armee, sie wurde geradezu enthauptet. Aber im Jahr 1940 es gab vor den Kriegsspielen eine sehr große Schweinerei. Stalin enthauptete die Rote Armee.

Das begann mit Marschall Tuchatschewski. Zu dieser Zeit war der Verteidigungsminister Marschall Woroschilow, der ein begnadeter Revolutionär war, aber ein mittelmäßiger Militär. Tuchatschewski dagegen war ein begnadeter Militär. Er hatte auch im Bürgerkrieg auf der Seite der Bolschewiki gekämpft, obwohl er zaristischer Offizier gewesen war. Er schaffte es bis zum Armeebefehlshaber. Er war auch Befehlshaber jener Armee, die den Polnisch-Sowjetischen Krieg von 1920 verlor. Das hatte man ihm lange Zeit angekreidet. Weil unter seiner Ägide die Rote Armee mit der deutschen Reichswehr in verschiedenen Bereichen kooperierte, wurde er zum Verräter gestempelt.

Dass Tuchatschewski ein Spion sei, wurde Stalin über den tschechischen Präsidenten Beneš gesteckt. Danach hat Stalin viele Armeeangehörige liquidiert. Es gibt keine gesicherten Zahlen, aber etwa 40.000 sowjetische Armeeangehörige wurden vor Gericht gestellt, und von diesen wurde ein Großteil erschossen, darunter fünf stellvertretende Verteidigungsminister, alle Befehlshaber der Militärbezirke, alle Befehlshaber der Armeen, 80 Prozent der Divisionskommandeure, ein Großteil ihrer Kommissare und Stabschefs.

Befreiung: NVA-General analysiert letzte sowjetische Kriegsoperationen (Teil 2)
Berlin, 1945

Deshalb gab es an der Spitze der Roten Armee zum tatsächlichen Beginn des Krieges meistens Generale und Offiziere mit wenig Erfahrung in der Truppenführung. Das war der erste große Mangel.

Die sowjetischen Truppen marschierten am 16. und 17. September 1939 auf ehemals verlorene Gebiete im damaligen Polen wieder ein. Nach dem Bürgerkrieg hatte die Sowjetunion Territorium an Polen verloren, etwa Galizien und Wolhynien. Dieses Gebiet beanspruchte die Sowjetunion im Zusatzprotokoll zum deutsch-sowjetischen Nichtangriffsabkommen. Dabei wurde auch eine genaue Linie festgelegt. Deswegen erzählen seither die nationalistischen Polen, dass die Deutschen und die Russen Polen besetzt hätten. Das ist historisch falsch. Die Sowjetunion hat sich ihr Territorium wieder gesichert, das sie zuvor an Polen verloren hatte.

Dieses Territorium wurde leider zu wenig auf einen Krieg vorbereitet. Das war der zweite große Mangel. Da ich in diesem Gebiet geboren bin, habe ich es persönlich erlebt. Wir wurden, wie es damals hieß, "heim ins Reich geholt". Damals war ich neun Jahre alt. Am 10. Januar 1940, bei einer furchtbaren Kälte von minus 30 Grad, haben wir die Heimat verlassen. Uns wurde erzählt, dass fertige Siedlungen auf uns warten würden. Bis heute habe ich noch keine gesehen. Es wurden dabei Vermögenslisten aufgestellt. Meine Eltern hatten demnach ein Vermögen von 8.000 Reichsmark. Um dieses Vermögen zu entschädigen, haben die Sowjets zig Züge vollgeladen mit Getreide, Lebensmitteln, Treibstoffen und anderen Werten nach Deutschland transportiert.

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Sowjetische Truppen in Prag, 1945

Der dritte Grund, warum die sowjetische Armee zu Kriegsbeginn Probleme hatte, war Stalins Verbot kurz vor dem Kriegsausbruch, die Truppen in Gefechtsbereitschaft zu versetzen. Deshalb gelang es der Hitler-Armee, die meisten sowjetischen Truppen in den Garnisonen zu treffen. Die sowjetischen Flugzeuge waren beim deutschen Einmarsch noch auf ihren Stammflugplätzen. Sie durften einfach nicht rechtzeitig aufsteigen. Es gab einen einzigen sowjetischen General, Sacharow, Chef des Militärstabes in Odessa, der sich diesem Befehl wiedersetzte, seine Truppen in erhöhte Gefechtsbereitschaft versetzte und sie an die Staatsgrenze heranführte.

Diese drei Gründe – neben anderen – führten zu einem Chaos. Alle vorherigen Erzählungen über die Stärke der Roten Armee waren ein Schuss in den Ofen. In Wahrheit war es so, wie es Schukow sagte: Die Wehrmacht war zu Kriegsbeginn die stärkste Armee der Welt. Die sowjetischen Freunde haben erst im Verlauf des Krieges Kämpfen und Siegen gelernt.

Die Wende war dabei die Stalingrader Operation. Bis dahin ging es fast nur zurück. Im ersten Kriegsjahr verlor die Rote Armee 2,4 Millionen Mann als Kriegsgefangene, die zum Teil elendig zugrunde gegangen sind. Mein Schwiegervater saß damals in Sachsenhausen im KZ. Nach dem Krieg erzählte er mir, wie die Nazis mit Juden und Sowjetsoldaten umgingen. Es war bestialisch. Sie haben massenhaft Verbrechen an diesen Menschen verübt.

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Soldatinnen der Roten Armee, 1943

Es hat sich dann in der Roten Armee eine Vielzahl hervorragender Heerführer entwickelt. Die Stäbe lernten zu planen, die rückwärtigen Dienste lernten, die rückwärtige Sicherstellung besser zu organisieren. Als die sowjetischen Truppen zurückweichen mussten, wurde das System der Kommissare wieder eingeführt, um die Fronten durch Kommunisten zu zementieren. Danach hat Stalin den Befehl erlassen:

Keinen Schritt zurück!

Diesen Befehl haben die sowjetischen Truppen dann in Stalingrad befolgt und haben dann das Siegen gelernt.  

Und wie sie es erlernt haben! Das war erstens, die große Kriegskunst der Kommandeure und Stäbe, der Heerführer der Sowjetarmee. Das war die große Opferbereitschaft der Kommunisten in dieser Armee. Viele Parteifunktionäre sind in die Armee gegangen und haben die Reihen gefestigt. Das waren die großen Opfer, die das Volk getragen hat. Von Kindern bis zu Großvätern und Großmüttern, das ganze Volk hat gekämpft und hat sehr viele Opfer getragen, auch für uns. 27 Millionen Tote hatte die Sowjetunion zu beklagen: Das ist genauso viel, wie Polen damals insgesamt Einwohner hatte.

Der erste positive Wendepunkt für die Rote Armee kam bereits im Winter 1941 bei der Verteidigung Moskaus. Dort wurde dann die Hitlerarmee das erste Mal besiegt und 200 bis 300 Kilometer zurückgedrängt. Damit hatte die Rote Armee begonnen, das Schicksal dieses Krieges zu wenden.

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Soldaten der USA und der Sowjetunion begrüßen sich gegenseitig in Torgau, 1945

In der Sowjetunion gab es bereits in den 1930er Jahren militärtheoretische Erneuerungen und wichtige Theoretiker, die in dieser Zeit aufblühten, etwas, was man jetzt im Westen gar nicht mehr wahrhaben möchte. Wenn man diese Erneuerungen vergleicht mit anderen, etwa mit den damaligen Entwicklungen in Deutschland, welche Besonderheiten hatte die sowjetische Militärdoktrin?

Das waren solche Köpfe wie Tuchatschewski, den ich bereits nannte. Ein großer Denker. Triandafillow, ein zweiter großer Militärtheoretiker. Während Tuchatschewski mehr die operative Flanke bearbeitete, widmete sich Triandafillow auch der taktischen Ebene. Mit vielen Seiten von Militärtheorien beschäftigten sich der Generalstab, die militärischen Akademien und Hochschulen. Damals ging man davon aus, dass ein Sieg vor allem durch die Infanterie errungen wird. Erst nach und nach wurde klar, dass es großer Panzer- und Artilleriegruppierungen bedarf. Es wurde hauptsächlich auf Angriffsoperationen Wert gelegt.

Viele theoretische Erkenntnisse fanden aber zu wenig Niederschlag in der Praxis. Hinzu kam, dass es vor allem galt, den Lebensstandard der Menschen zu erhöhen. Wie Engels am Begräbnis von Marx sagte, muss man erst essen, bevor man Politik machen kann. So konnte auch Stalin nicht anders handeln, als den Lebensstandard zu erhöhen. Zu dieser Zeit war der Lebensstandard in der Sowjetunion relativ gut. Dann musste die Industrie aufgebaut werden. Gleichzeitig wurde die Rote Armee auf dem erforderlichen Niveau gehalten. Selbstredend war das alles nicht einfach zu schultern.

Deshalb waren theoretische Auffassungen die eine Seite, das Vermögen, diese praktisch zu realisieren, eine andere Herausforderung. Im Gegenteil: Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs, also nach 1939, wurden in der Sowjetunion gar Panzerverbände abgeschafft, und erst nach dem deutschen Angriff im Jahr 1941 wurden die ersten zwei Panzerbrigaden wieder aufgestellt.

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Soldaten der Roten Armee und der polnischen Armee in Warschau, 1945

Die Sowjetunion hat also schon einige Fehler gemacht, wie etwa auch diese Abschaffung der Panzerverbände, aber das wurde notgedrungen korrigiert. Es begann mit den beiden Panzerbrigaden. Dann hatte die Rote Armee später Panzerarmeen, mit drei bis vier Panzerdivisionen und einer motorisierten Division. Das waren schlagkräftige und sehr bewegliche Verbände.

Wenn ich über sowjetische Heerführer rede, dann mit großer Hochachtung. Wenn man an der Spitze einer Vereinigung mit hunderttausenden Menschen steht und man weiß, dass jeder Strich, den man auf der Karte macht, unzählige Menschenleben kostet – in solcher Situation Entscheidungen zu treffen, das muss man erst einmal schaffen. Das ist ganz, ganz schwer. Das lastet auf einem wie Zentner-Gewichte. Und die sowjetischen Kommandeure haben das geschafft, mit Bravour.

Es wird oft gesagt, die Rote Armee habe sinnlose und verlustreiche Taktiken im Zweiten Weltkrieg angewendet, wie die – insbesondere von der westlichen Presse – oft beschworene "menschliche Welle". Wie war das tatsächlich?

Kein sozialistischer Kommandeur schickt Menschen nur zum Sterben in eine Schlacht. Aber da wir alle Menschen sind, die sich irren können, die Fehler machen, so haben gewiss auch sowjetische Kommandeure Fehler gemacht. Das wird von Simonow wunderbar in seinem Roman "Man wird nicht als Soldat geboren" beschrieben, wenn dort der General Serpilin darüber spricht, wie schwer es ihm gefallen ist, seine Soldaten in das Gefecht zu schicken.

Wahrhaftigen sozialistischen Kommandeuren – das waren sie sowohl in der Sowjetunion als auch in unserer NVA in der Masse – ist es immer schwergefallen, die Lasten auf Unterstellte abzuwälzen. Aber man ist als Kommandeur verpflichtet. Man hat den Befehl, den Gegner zu vernichten. Das geht nicht ohne menschliche Verluste. Wie viele Sowjetsoldaten haben sich freiwillig geopfert. Wie das Beispiel des Sowjetsoldaten Alexander Matrossow, des Fliegers Alexei Maressjew. Sie haben sich geopfert, um zu verhindern, dass andere sterben. Matrossow warf sich vor eine Luke, in der ein MG der faschistischen Wehrmacht stand, und hat mit seiner Brust die Kugeln auf sich genommen, damit seine Genossen rechts und links am Leben bleiben.

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Die Einwohner Moskaus begrüßen sowjetische Soldaten, die von der Front siegreich zurückkamen, 1945

Ohne eine Überlegenheit an Mensch und Material auf dem Gefechtsfeld kann man keinen Sieg erringen. Einzig durch Klugheit allein, ohne Verluste, gewinnt man wohl keine Schlacht.

Die Wessis – damit meine ich westliche Politiker, Generale, Historiker, Journalisten – erkennen wohl auch, dass letztendlich die Überlegenheit der sowjetischen Kriegskunst entscheidend war, dass sie zu den Siegen führte. Viele würden das heute dennoch zu gerne auf die angebliche Unmenschlichkeit schieben, dass die sowjetischen Heerführer sinnlos ihre Soldaten geopfert hätten. Aber das ist nicht so gewesen, das ist Verleumdung.

Wenn man sich die derzeitige Berichterstattung über den Zweiten Weltkrieg anschaut, dann wird die Niederlage Hitler-Deutschlands gerne auf externe Faktoren geschoben, etwa auf den Russischen Winter, auf die Tatsache, dass die Wehrmacht nicht bis zu den Ölfeldern bei Baku vordringen konnte oder Hitlers laienhafte Einmischung in die angeblich brillanten Pläne seiner Generäle. Inwiefern haben solche Faktoren tatsächlich eine Rolle gespielt und inwiefern handelt es sich um Ablenkungsmanöver westlicher Medien von der entscheidenden Rolle der Roten Armee beim Sieg über den Faschismus?

Zunächst muss man sagen, dass die faschistische deutsche Armee natürlich eine große Kampfstärke errungen hatte, dank auch des militärischen Könnens ihrer Befehlshaber, des Könnens ihrer Stäbe und auch der Tapferkeit des deutschen Soldaten. Das wurde von sowjetischer Seite und auch heute von russischer Seite anerkannt. In der Sowjetunion wurden die Leistungen der Wehrmachtsgeneräle genau analysiert. Man hat sich später sogar gewundert, dass wir sozialistische deutsche Offiziere so wenig über die deutschen Feldmarschälle und Generale im Zweiten Weltkrieg wussten. In Moskau gab es sehr viel Literatur, auch Erinnerungsliteratur der faschistischen Anführer, dann allerdings auf Russisch, natürlich. Die konnten wir dann dort lesen.

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Siegesfeier in Moskau mit den Bannern der geschlagenen faschistischen Truppenteile, 1945

Unbestritten war es die überlegene Kriegskunst der Sowjetarmee, die – neben dem Heldentum des gesamten sowjetischen Volkes und der Führung dieser Armee durch die Kommunistische Partei – einer der Hauptgründe für ihre Siege war, nicht der bloße Einsatz von Menschenmassen. Natürlich hat die sowjetische Industrie im Hinterland am Ende ein Potential in viel größerem Umfang mobilisieren können, als das im faschistischen Deutschland möglich war. Das faschistische Deutschland konnte zwar auf die Ressourcen von fast ganz Europa zurückgreifen. Trotzdem haben die Sowjets mehr Stahl, mehr Eisen produziert, obwohl sie viele Gebiete im Westen ihrer Heimat verloren hatten.

Immerhin haben die Sowjets den besten Panzer der Zweiten Weltkriegs entwickelt, den T-34 mit der 85er Kanone. Kein Tiger, kein Königstiger konnte ihm das Wasser reichen. Das war das Vermögen sowjetischer Konstrukteure, die auf den Gebieten der Artillerie, der Panzertechnik, der Luftwaffe hervorragende Arbeit geleistet haben. Natürlich hat Deutschland auch Hervorragendes geleistet. Der erste Düsenjäger war ein deutscher, aber er konnte nicht in der Masse produziert werden, wie das im Sowjetland mit den kriegsentscheidenden Waffen geschah.

Das Märchen vom "General Winter" habe ich verinnerlicht, als ich einen Lehrgang in der Sowjetunion besuchte. Wir hatten zwei Generale in der NVA, die "Winter" hießen. Werner Winter und Klaus Winter. Werner Winter war älter, er war ein Kriegsteilnehmer, Klaus war noch jünger. Wir beide wohnten in einem Zimmer. Generaloberst Dragunski, zweifacher Held der Sowjetunion und Kommandeur der sowjetischen "Feldakademie", fragte die Beiden immer, ob sie sich den Namen zugelegt hätten. Er betonte, dass nicht der Winter die Deutschen geschlagen hätte, sondern "wir", also die Rote Armee. Schließlich hatte er schon am See Chasan gegen die Japaner gekämpft und den ganzen Großen Vaterländischen Krieg als Panzerkommandeur.

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Sowjetische Kommandeure von Fronten im Zweiten Weltkrieg. Vorne links nach rechts: Iwan Konew, Alexander Wassilewski, Georgi Schukow, Konstantin Rokossowski und Kirill Merezkow. Hinten links nach rechts: Fyodor Tolbuchin, Rodion Malinowski, Leonid Goworow, Andrei Jeremenko und Iwan Bagramjan.

Welche Traditionslinien wirken heute noch in den russischen Streitkräften, die im Zweiten Weltkrieg entstanden?

Soweit ich das weiß – unter anderem aus den Briefkontakten mit meinen russischen Kollegen, die ich lange Jahre hatte – sind die Leistungen im Großen Vaterländischen Krieg als Ganzes Bestandteil der gesamten Erziehung des russischen Volkes. Die Helden der Sowjetunion werden verehrt, sie werden in Schulen angehört.

Diese Aufmerksamkeit, die die russische Gesellschaft den Soldaten, Offizieren und Generälen der Sowjetarmee entgegenbringt, ist beispielgebend. Putin wirkt dabei auch mit. Die Denkmäler werden geschützt. Es ist doch eine Riesenschande, dass sowjetische Denkmäler unter anderem in Polen und auf dem Boden der ehemaligen DDR geschändet werden. In Russland, aber nicht nur dort, sondern in allen postsowjetischen Staaten, ist das Andenken an den Großen Vaterländischen Krieg wach, selbst in der Ukraine. Nur in der Westukraine herrscht jetzt allerdings eine andere Linie. Dort verehrt man faschistische Kollaborateure. Aber nicht wenige Ukrainer vergessen auch all jene nicht, die gegen den Hitler-Faschismus gekämpft haben.

Auch daran sieht man, welchen großen Schaden der Zerfall der Sowjetunion hinterlassen hat. Völlig zu Recht nannte das Putin die größte Katastrophe des 20. Jahrhunderts.

Ich bedanke mich bei den Völkern der Sowjetunion, bei den Russen, Ukrainern, Kasachen und allen anderen, für die Befreiung vom Hitlerfaschismus im Namen der Angehörigen der NVA, die in der Sowjetunion gelebt und studiert haben.

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