Sorge vor der nächsten Pandemie: Was bisher über das Nipah-Virus bekannt ist

Sorge vor der nächsten Pandemie: Was bisher über das Nipah-Virus bekannt ist
Ärzte und Angehörige in Schutzkleidung tragen den Körper eines Opfers des Nipah-Virus in Kozhikode, im südindischen Bundesstaat Kerala, Indien, am 24. Mai 2018.
In Kochi, Südindien, ist das seltene und tödliche Nipah-Virus ausgebrochen. Es starben bislang elf Menschen, mehr als 25 Menschen sind in Quarantäne. Obwohl Gesundheitsexperten den Ausbruch bisher für vergleichbar klein halten, ist die Sorge weltweit groß.

Auf der zuletzt im Februar 2018 von der WHO publizierten Prioritätenliste für Krankheiten wird der Erreger neben jenen von Ebola und Zika als höchst gefährlich eingestuft. Die Erforschung des Virus und wirksamer Impfstoffe dagegen wird daher im Bereich der medizinischen Virologie als besonders hoch gewichtet.

R. L. Sarita, Leiterin der Gesundheitsdienste im indischen Bundesstaat Kerala, erklärt zum jüngsten Auftreten von Nipah:

Dies ist das erste Mal, dass wir das Virus in Südindien gesehen haben. […] Und wir wollen sicherstellen, dass es dabei bleibt.

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Die Inkubationszeit beträgt vier bis 18 Tage. Bei vielen Infizierten treten schwere Symptome auf, darunter Fieber, Erbrechen, Orientierungslosigkeit, Verwirrtheit und Enzephalitis. Bei Letzterer handelt es sich um eine virale Entzündung des Gehirns. In Abhängigkeit von der Schwere der Erkrankung enden bis zu 70 Prozent der Krankheitsverläufe mit dem Tod.

Wie wird das Virus übertragen?

Einige in Asien verbreitete Fruchtfledermausarten sind Wirte des Pathogens. Bei einem Ausbruch in Bangladesch zwischen 2001 und 2007 erkrankten die meisten Menschen an Nipah, nachdem sie rohen Dattelpalmensaft getrunken hatten. Die Fruchtfledermäuse hatten sich damals ebenfalls von den Früchten ernährt und sie auf diesem Wege kontaminiert.

Fledermäuse übertragen Nipah auch an Schweine und andere Nutztiere, welche ihrerseits die Infektion ebenfalls auf den Menschen übertragen können. Menschen selbst können das Virus durch Speichel und möglicherweise auch andere Körperflüssigkeiten verbreiten. Ein Opfer des jüngsten Ausbruchs war eine 31-jährige Krankenschwester, die Nipah-Patienten behandelt hatte.

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Um die Quelle des Ausbruchs in Südindien zu finden, testen Gesundheitsbehörden vor Ort derzeit lokale Fledermäuse, Nutztiere und Lebensmittelproben.

Auf molekularer Ebene bindet Nipah Proteine an der Oberfläche von Nervenzellen und den Endothelzellen, die Blut- und Lymphgefäße auskleiden. Nipah kann außerdem in Lungen- und Nierenzellen eindringen.

Virologen, die das Verhalten des Nipah-Virus an Tieren studiert haben, nehmen an, dass dieses beim Menschen zunächst das Atmungssystem lahmlegt, bevor es sich über das Nervensystem und das Gehirn weiter ausbreitet. Die meisten Patienten, die sterben, erliegen den Folgen entzündeter Blutgefäße und einer Schwellung des Gehirns, die erst in späteren Stadien der Krankheit auftritt.

Ist Nipah das nächste Ebola?

Die Frage, ob Nipah in gleicher Weise zur weltweiten Bedrohung werden kann wie Ebola, lässt sich hingegen nicht eindeutig beantworten: Nicht ganz, meint die überwiegende Anzahl an Experten, denn die derzeit zirkulierenden Nipah-Stämme lassen sich nicht so einfach übertragen. Während die Sterblichkeitsrate für die Infizierten hoch sein kann, treten Infektionen als solche demgegenüber nicht allzu häufig auf. Vor dem jüngsten Ausbruch seien ungefähr 300 Todesfälle mit Nipah in Verbindung gebracht worden, von denen die meisten in Südostasien und Bangladesch aufgetreten waren.

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Die tatsächliche Todesrate ist jedoch nicht bekannt. Einige Fälle könnten nicht getestet oder nicht gemeldet worden sein. Da die Nipah-Infektion in ihren Symptomen anderen Krankheiten ähnelt, ist nicht auszuschließen, dass auch Fehldiagnosen zustande gekommen sind.

Dennoch – laut einer Studie von 2009, die online von den US-Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention veröffentlicht wurde, neigt eine Person mit Nipah dazu, entweder null oder eine weitere Person zu infizieren. Im Vergleich dazu infiziert eine Person mit Masern im Durchschnitt zehn andere, die nicht geimpft sind und ein Ebolapatient ein bis drei andere.

Doch immer, wenn sich das Virus in einer menschlichen Zelle befindet, hat es die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln und an seine neue Umgebung anzupassen. Das Worst-Case-Szenario wäre die Entwicklung eines Stammes, dessen Viren unter Menschen schneller oder einfacher übertragen werden können. Deshalb drängen die WHO und globale Gesundheitsexperten auf mehr Forschung zu Impfstoffen und Behandlungen.

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