Kollegah und Farid Bang: Zwischen Strafanzeige und Einladung in die KZ-Gedenkstätte Auschwitz

Kollegah und Farid Bang: Zwischen Strafanzeige und Einladung in die KZ-Gedenkstätte Auschwitz
Das Musikunternehmen BMG hatte die Kooperation mit den beiden Rappern Kollegah und Farid Bang vorerst gestoppt.
Eine Preisverleihung und kein Ende: Nachdem den Rappern Kollegah und Farid Bang der Echo verliehen wurde, überschlugen sich die Ereignisse. Nun gibt es nahezu zeitgleich eine Einladung in die KZ-Gedenkstätte in Auschwitz und eine Strafanzeige wegen Volksverhetzung.

Die Echo-Preisverleihung an Kollegah und Farid Bang erhitzt weiterhin die Gemüter: Am 2. Mai ist bei der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft offenbar eine Anzeige gegen Felix Blume alias Kollegah und Farid Hamed El Abdellaoui alias Farid Bang wegen des Verdachts auf Volksverhetzung (§130 STGB) eingegangen.

Wie das Onlinemagazin Telepolis berichtet, wurde die Anzeige von 51 Einzelpersonen und zwei Initiativen unterzeichnet. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft sei ausgewählt worden, weil dort die von den Rappern betriebenen Plattenfirmen Alpha Music Empire und Banger Musik ihren Sitz haben. In der Begründung der Anzeige wurde nicht nur auf die Songtexte eingegangen, in denen KZ-Insassen verhöhnt werden. In der Begründung der Anzeige, die Telepolis vorliegt, schreiben die Kläger:

Diskutiert wird seitdem vor allem der Antisemitismus, nicht nur in den Texten, sondern auch in Videos und Interviews der beiden Rapper. In dieser öffentlichen Debatte wird völlig vernachlässigt, dass die Texte nicht nur menschenverachtend im Hinblick auf die Verhöhnung von Auschwitz-Insassen sind, sondern auch im Hinblick auf die darin zum Ausdruck kommende Homophobie, den dumpfen Rassismus und - das ist unser Thema - den abgrundtiefen Frauenhass und die Gewaltphantasien.

Den Kläger geht es vordringlich um die persönliche Haftbarmachung der Musiker. Sie schreiben:

Wir möchten, dass Felix Blume und Farid Hamed El Abdellaoui persönlich juristisch zur Rechenschaft gezogen werden. Für die Verhöhnung von KZ-Inhaftierten, wegen ihrer vor Rassismus und Homophobie triefenden Texte und vor allem wegen des abgrundtiefen Frauenhasses und der Gewaltphantasien, die sie in die Köpfe (männlicher) Jugendlicher hämmern.

Die beiden Musiker haben sich bis jetzt noch nicht zu der Strafanzeige geäußert. Am Mittwoch hatte das Internationale Auschwitz-Komitee die umstrittenen Rapper zu einem Besuch in der KZ-Gedenkstätte Auschwitz eingeladen. Nach Aussagen des Komitees soll es jedoch keine "Show-Veranstaltung" werden.

"Es soll eine Ehrerbietung gegenüber den Opfern und den Überlebenden sein", sagte der geschäftsführende Vizepräsident des Komitees, Christoph Heubner, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Die beiden Rapper, die wegen Antisemitismusvorwürfen in der Kritik stehen, hätten über ihr jeweiliges Management mitgeteilt, dass sie die Einladung des Komitees annehmen. Über die Modalitäten und den Termin müsse noch gesprochen werden.

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Zuvor hatte die Bild über den geplanten Besuch berichtet. Heubner hatte dabei den 3. Juni ins Gespräch gebracht. An diesem Datum werden deutsche und polnische Jugendliche vor Ort sein, um den Mitarbeitern der Gedenkstätte auf dem Gelände zu helfen. "Der Besuch soll ein Fortbildungskurs in Sachen Menschlichkeit sein", sagte Heubner. Die Anregung dazu war vom Musiker Marius Müller-Westernhagen gekommen.

Farid Bang und Kollegah waren trotz Antisemitismusvorwürfen vor kurzem mit dem Echo ausgezeichnet worden. Besonders kritisiert wurde die Liedzeile "Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen". Etliche Musiker gaben ihre eigenen Echo-Preise aus Protest zurück, die Auszeichnung selbst wurde daraufhin abgeschafft.

(rt deutsch/dpa)