"Es wird zunehmend unangenehm für Juden in Berlin" - 2.000 Menschen tragen aus Protest Kippa

"Es wird zunehmend unangenehm für Juden in Berlin" - 2.000 Menschen tragen aus Protest Kippa
Rund 2.000 Menschen haben sich gestern in Berlin zu einer Solidaritätskundgebung unter dem Motto "Berlin trägt Kippa" versammelt, um gegen Antisemitismus und Intoleranz zu protestieren. Am Hermannplatz musste eine gleichnamige Kundgebung abgebrochen werden, nachdem Teilnehmer beschimpft und bespuckt worden waren.

In der jüngsten Vergangenheit waren antisemitische Vorfälle zunehmend in den Fokus gerutscht. Jüdische Eltern beklagten, dass ihre Kinder auf Grund ihrer Religionszugehörigkeit schikaniert und sogar geschlagen würden, auf Solidaritätskundgebungen für Anliegen der Palästinensergruppen wurden israelische Flaggen verbrannt. In Berlin wurde kürzlich ein Mann mit Kippa von einem arabisch-sprechenden Angreifer mit einem Gürtel verprügelt. Der Mann wollte testen, wie es ist, mit Kippa durch Berlin zu laufen.

Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Berlin warnte, dass es zunehmend unangenehm für Juden in Berlin wird, auch wenn es noch nicht so schlimm sei wie in Frankreich oder Belgien.

Er betonte, dass er auch von Teilen der muslimischen Gemeinschaft unterstützt werde und alle - Christen, Juden, Muslime und Atheisten - gemeinsam gegen diesen Hass ankämpfen und Maßnahmen entwickeln müssen.

Michael Müller, Berlins Regierender Bürgermeister, forderte zudem mehr Zivilcourage. Diese sei unermesslich, um diesen Kampf zu gewinnen.

Eine pensionierte Lehrerin kritisierte ebenfalls, dass man zu lange den Mund gehalten habe: "Wir müssen offen sein, wir müssen kämpfen, besonders die Leute, die sozusagen den Mund gehalten haben, besonders meine Generation."

Aden Neshmir, ein Christ aus dem Irak, der seit 2016 in Berlin lebt und studiert: "Ich will nur mit allen Menschen [friedlich] zusammenleben, egal ob Christen, Juden, Atheisten oder Muslime."

Julia, eine Jüdin, die mittlerweile in Berlin wohnt, sagt, dass sie, als sie noch in Lübeck wohnte, nie ihre Davidstern-Kette verstecken musste. In Berlin habe sie aber Angst, diese offen zu tragen und als Jüdin erkennbar zu sein.

Wie das "Jüdische Forum" schreibt, musste eine Kundgebung unter dem gleichem Motto am Hermannplatz abgebrochen werden, weil Teilnehmer bespuckt und beschimpft wurde. Einem der Kundgebungsteilnehmer wurde zudem eine israelische Flagge entrissen.

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