Auf #MeToo folgt #MosqueMeToo: Musliminnen schildern Belästigungen während der Haddsch

Auf #MeToo folgt #MosqueMeToo: Musliminnen schildern Belästigungen während der Haddsch
Zeitraffer-Aufnahme: Muslimische Pilger umrunden die Kaaba während der Haddsch in Mekka, Saudi-Arabien, 23. Oktober 2012.
Jeder Moslem und jede Muslima sollte einmal im Leben eine Pilgerfahrt nach Mekka gemacht haben, um sich ihrer Sünden zu entledigen. Unter dem neuen Hashtag "MosqueMeToo" schildern verschiedene Frauen, in Mekka belästigt worden zu sein.

Von Hollywood nach Mekka. Die #MeToo-Bewegung deckte die Sünden der Filmindustrie auf. Hollywoodgrößen wie der Produzent Harvey Weinstein sollen ihre Position in der Industrie ausgenutzt und Frauen belästigt haben. Eine amerikanische Journalistin ägyptischer Herkunft startete nun einen neuen Hashtag. Unter #MosqueMeToo legen Muslima dar, wie sie auf der Haddsch Opfer sexueller Belästigung wurden. Mona Eltahawy:

Einige muslimische Männer machen einen verdammt guten Job, den Islam und Muslime schlecht aussehen zu lassen. Mit solchen wertenden Scheißtypen ringsum brauche ich nichts zu tun, damit das Image des Islam ruiniert wird. Sie machen es echt gut #MosqueMeToo

Zwischen 2011 und 2016 nahmen mehr Männer als Frauen an der Haddsch teil. Das Verhältnis lag bei 122 Männern zu 100 Frauen. Vor allem bei saudi-arabischen Frauen fällt die Beteiligung eher gering aus. Besonders beim Umrunden der Kaaba innerhalb der Al-Masjid Al-Haram Moschee käme es im Schutz des Gedränges zu sexuellen Belästigungen. 

In Sure 3, Vers 97 im Koran steht geschrieben: 

Und die Menschen sind Gott gegenüber verpflichtet, die Wallfahrt nach dem Haus zu machen - soweit sie dazu eine Möglichkeit finden. 

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'Haddsch' ist ein maskulines Wort und beschreibt die Pflicht eines jeden Muslims, einmal in seinem Leben die heiligste Stätte des Islam in Mekka zu besuchen, sofern er oder sie dazu finanziell und körperlich in der Lage ist. 

Andere Muslima melden sich zu Wort

Angestoßen von Eltahawys Initiative teilen nun einige Musliminnen auf Twitter ihre Erfahrungen mit: 

Ich las über #MosqueMeToo. Es erinnerte mich an schreckliche Erfahrungen während der Haddsch 2010. Menschen denken, dass Mekka der heiligste Ort für Muslime ist, wo niemand etwas Schlechtes tut. Total falsch. 

Die Twitter-Nutzerin aus Schottland beschreibt weiter, wie die Sicherheitskräfte ihre Schwester begrapschten und ein Ladenbesitzer versuchte, die Schwester in sein Geschäft zu zerren. Sie selbst wurde am Hintern begrapscht. Eine andere Frau forderte Gerechtigkeit angesichts der sexuellen Übergriffe: 

Ich stehe hinter meinen Schwestern, die sexuelle Belästigung an Orten erfahren haben, von denen sie dachten, dass sie dort sicher seien. Schreckliche Leute können sich in heiligen Stätten aufhalten. Es zeigt ihren Charakter. Als Muslime ist es unsere Pflicht, uns für unsere Schwestern einzusetzen, die sich einer Ungerechtigkeit gegenüber sehen. 

Viele iranische Twitter-Nutzer bezogen sich auf den neuen "MosqueMeToo-Hashtag" und versuchten, damit das Tragen eines Hijabs zum Schutz der Frau zu begründen. Werbeanzeigen im Iran propagieren, dass das Kopftuch die Frau wie die Perle in einer Muschel schütze. Nach 24 Stunden wurde der Hashtag 2.000 Mal geteilt. Gläubige Muslime bereiten sich minutiös auf die Reise nach Mekka vor, die viele nur einmal in ihrem Leben machen. Für sie wird damit ein Traum wahr. Eine Erfahrung, bei der Herkunft, Geschlecht und sozialer Rang keine Rolle spielen sollten. 

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