Gesellschaft

National Gallery in London benennt "russisches" Gemälde um

Vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges hat die National Gallery in London das Gemälde "Russische Tänzerinnen" des französischen Malers und Bildhauers Edgar Degas umbenannt. Auf der Webseite des Museums heißt sein Kunstwerk nun neuerdings "Ukrainische Tänzerinnen".
National Gallery in London benennt "russisches" Gemälde umQuelle: Gettyimages.ru © Picturenow

Die britische National Gallery in London hat ein Pastellbild von Edgar Degas aus den 1890er Jahren kurzerhand umbenannt. Seit letzter Woche heißt das Kunstwerk nicht mehr "Russische Tänzerinnen", sondern "Ukrainische Tänzerinnen". Auf dem Bild sind tanzende Frauen in langen Röcken und weißen Hemden zu sehen. In ihren Haaren tragen sie neben Blütenschmuck anscheinend auch Haarbänder – in den Nationalfarben der Ukraine, gelb und blau.

Ein Sprecher der National Gallery begründete gegenüber dem Guardian, der Name des Gemäldes sei seit vielen Jahren ein ständiger Diskussionspunkt gewesen und werde auch in der kunstwissenschaftlichen Literatur behandelt. Aufgrund der aktuellen Situation sei es im vergangenen Monat verstärkt in den Fokus gerückt. "Daher hielten wir es für einen geeigneten Zeitpunkt, den Namen zu aktualisieren, um das Thema des Gemäldes besser widerzuspiegeln", erklärte er. Die Tänzerinnen "sind mit ziemlicher Sicherheit eher Ukrainerinnen als Russinnen", lautet nun die Beschreibung auf der Webseite der Galerie.

Die Zeitung zitierte außerdem Olesja Chromejtschuk, Historikerin und Direktorin des Ukrainischen Instituts in London. Sie beklagte, dass die Ausstellungskuratoren in Großbritannien viele Jahre lang "kein Problem damit hatten, jüdische, weißrussische oder ukrainische Kunst und Künstler als russisch darzustellen".

Die Kampagne zur Umbenennung wurde von der ukrainischen Künstlerin und Aktivistin Mariam Naiem angeführt. Auf Facebook schrieb sie, sich an mehrere westliche Kunstmuseen gewandt und um Änderungen gebeten zu haben. Den Schritt der National Gallery bezeichnete sie als einen ersten "Mikro-Sieg".

Michail Schwydkoi, Russlands Beauftragter für internationale Kulturpolitik, reagierte scharf. Ihm zufolge sei der Schritt ein Beispiel für "politischen Kretinismus". Er fügte hinzu, dass der Vorfall als Verletzung der Urheberrechte eines Künstlers und als Beweis für Kurzsichtigkeit angesehen werden könne.

Zuvor hatte die italienische Universität Mailand-Bicocca angekündigt, einen Kurs über den Schriftsteller Fjodor Dostojewski aufzukündigen und sich stattdessen nunmehr auf ukrainische Autoren zu konzentrieren. Die Nachricht löste eine heftige Gegenreaktion aus, die Entscheidung wurde daraufhin rückgängig gemacht. Das Cardiff Philharmonic Orchestra strich sämtliche Stücke von Pjotr Tschaikowski aus seinem Konzertprogramm, weil das Orchester diesen weltberühmten russischen Komponisten des 19. Jahrhunderts. Jahrhunderts für "problematisch" halte.

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