Amsterdam: Nach Einbruch der Dunkelheit kommt das Chaos

Amsterdam: Nach Einbruch der Dunkelheit kommt das Chaos
Wenn der Abend über Amsterdam hereinbricht, verwandelt sich der niederländische Touristen-Hotspot in einen "urbanen Dschungel", in dem die Polizei gegenüber Kriminalität, Gewalt und Drogenhandel machtlos ist, warnt Arre Zuurmond, der Ombudsmann der Stadt.

Das Stadtzentrum wird nachts zum Großstadtdschungel", so Zuurmond gegenüber der niederländischen Zeitung Trouw.

Kriminelles Geld floriert, es gibt keine Autorität und die Polizei kann das nicht mehr bewältigen.

Niederländische Polizei findet 1.100 Kilo Kokain in Fischladung (Symbolbild)

Laut dem Ombudsmann werden Drogen offen auf der Straße verkauft, Fußgängerzonen für Auto- und Radrennen genutzt und es gebe weit verbreitete Diebstähle und andere Delikte.

Zuvor stellte Zuurmond drei Überwachungskameras auf dem belebten Leidseplein-Platz auf, der von Bars und Clubs umgeben ist und sich im südwestlichen Teil des Stadtzentrums befindet. Die durch sein Überwachungsexperiment aufgedeckten Fakten erwiesen sich als ziemlich deprimierend.

Eines Nachts zählten wir 900 Vergehen, hauptsächlich zwischen 2:00 und 4:00 Uhr morgens. Die Atmosphäre ist düster, und es herrscht ein Hauch von Gesetzlosigkeit", sagte der Ombudsmann in einem Trouw-Interview.

Roller rasen durch die Fußgängerzonen. Es wird viel geschrien. Drogen werden gekauft. Es wird gestohlen",

erklärte er und fügte hinzu, dass die Polizei oft nicht einmal versucht, einzugreifen.

Es gibt Gewalt, es folgen aber keine Taten. Man kann sogar an den Van einer mobilen Polizei-Einheit pinkeln und der Fahrer wird nichts sagen",

so Zuurmond. Er bezeichnete die nächtliche Situation auf dem Platz auch als "unerträglichen Mangel an Autorität".

Auch die berüchtigten Straßen im Rotlichtviertel, die abends vollgepackt sind, seien Zeugen einer hohen Kriminalitätsrate. Der Menschenhandel sei für die lokalen Behörden besonders besorgniserregend geworden. Dieser veranlasstedie Gemeinde sogar, ein spezielles Projekt zur Bekämpfung des Problems und zur Verringerung der Gesamtkriminalität zu starten. Allerdings blieben alle Bemühungen bisher weitgehend erfolglos, berichtet die Zeitung unter Berufung auf die Einschätzung des Amsterdamer Stadtgerichts.

Symbolbild: Schwedische Polizei in Trollhättan, Schweden, 22. Oktober 2015.

Die Probleme verschärfen sich, da sie sich weiter in der Stadt ausbreiten, warnte Zuurmond. Er wies insbesondere darauf hin, dass inzwischen rund 2.000 illegale Taxis nachts auf den Straßen unterwegs sind. Die Stadt habe außerdem einen blühenden Schwarzmarkt, auf dem Gauner mit Geldbündeln handeln würden.

Schattengeld ist im Stadtzentrum überall", sagte der Ombudsmann.

Die angespannte Situation sei zum Teil eine Folge der Regierungspolitik.

Die Regierung hat den Tourismus nach der Wirtschaftskrise bewusst stimuliert, aber sie hat vergessen, zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen", kritisierte der Beamte.

Den niederländischen Medien zufolge könnte das Problem, das derzeit die Hauptstadt der Niederlande plagt, Teil eines größeren Problems sein. In den Niederlanden gibt es rund 160.000 Menschen, die "unwiderruflich verurteilt" wurden, sich aber einer Bestrafung entziehen konnten, schreibt Trouw unter Berufung auf Daten der Stadt Amsterdam.

Nach Angaben des Justizministeriums müssen mehr als 12.000 der 160.000 Personen eine Freiheitsstrafe verbüßen. Etwa zehn Prozent der Verurteilten, die vor der Justiz fliehen, sollen sich in Amsterdam aufhalten, wo sie ohne Hintergrundüberprüfung einen neuen Pass beantragen können. Hunderte von vermeintlichen "Straßenkriminellen" verschwinden einfach.

Amsterdam empfängt jedes Jahr 18 Millionen Touristen – mehr als die Gesamtbevölkerung der Niederlande selbst beträgt. Die Stadt wurde kürzlich von einer Reihe gewalttätiger Zwischenfälle heimgesucht. Ende Juni wurde ein Mitglied einer Motorrad-Gang verhaftet, nachdem er angeblich eine Panzerfaustrakete auf ein Bürogebäude abfeuerte, das einen Zeitschriftenverlag beherbergt. Nur wenige Tage später fuhr ein Lieferwagen in die Zentrale der Tageszeitung De Telegraaf, was nach Ansicht der Polizei ein bewusster Angriff war. Bei beiden Vorfällen wurde niemand verletzt.

Letzte Woche wurde einem Briten vor einem Amsterdamer Café in den Kopf geschossen. Nach dem Vorfall wurde eine internationale Fahndung gestartet. Das angeschossene Opfer bleibt in stabilem Zustand im Krankenhaus.

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