Lernen von Deutschland: Schwedische Polizei hofft auf deutsche Hilfe gegen Bandenkriminalität

Lernen von Deutschland: Schwedische Polizei hofft auf deutsche Hilfe gegen Bandenkriminalität
Symbolbild: Schwedische Polizei in Trollhättan, Schweden, 22. Oktober 2015.
Der Statistik zufolge steht Schweden EU-weit ganz oben im Bereich der Waffengewalt. Göteborgs Polizeichef fordert internationale Zusammenarbeit und hofft, die Aufklärungsrate mittels der Konsultation deutscher Kriminologen verbessern zu können.

Polizeichef Erik Nord aus der Region Göteborg hofft auf Hilfe aus Deutschland zur Verbesserung der Aufklärungsrate: 

In einer solchen Situation ist es keineswegs unüblich, dass wir einen deutschen Mordermittler hinzuziehen, der unsere Ermittlungen verfolgt. 

Goran Mansson, Leiter des Bombenentschärfungsteams von Malmö, präsentiert sichergestellte Handgranaten, Schweden, 5. August 2015.

In dem Bericht "Erhöhte Waffengewalt bei jungen Männern in Schweden", der im Mai veröffentlicht wurde, zeichnet sich für Schweden ein düsteres Bild ab. Demnach stellten die Kriminologen Jerzy Sarnecki und Amir Rostami fest, dass Schweden im Vergleich mit anderen 13 EU-Ländern ganz oben steht. In Deutschland ist die Waffengewalt demgegenüber viel niedriger. Beobachtet wurde die Entwicklung in Schweden von 1996 bis 2015. Das größte Risiko, durch Schusswaffen ums Leben zu kommen, besteht in Schweden bei Jugendlichen und jungen Männern im Alter von 15 bis 29 Jahren.

Deutlich mehr Schießereien als im verarmten Griechenland

In der Altersgruppe der über 30-Jährigen sinkt das Risiko im europäischen Vergleich auf Normalniveau ab. Zwischen 2010 und 2015 gab es in Schweden 440 Schießereien, die teils tödlich endeten. Im Vergleich zu anderen Ländern mit ähnlich hoher Bevölkerungszahl kam es in Belgien demgegenüber lediglich zu 196 Schießereien, in Griechenland zu 251 und in Portugal zu 240. Die Aufklärungsrate bei Morden ist dem Bericht zufolge von rund 95 Prozent auf etwa 50 Prozent gesunken. Die meisten Waffendelikte ereignen sich in den schwedischen Städten Stockholm, Göteborg und Malmö. 

Erik Nord schrieb auf Twitter: 

Vor dem Hintergrund, dass Schweden so viel an tödlicher Schusswaffengewalt in der Altersgruppe zwischen 15 und 29 Jahren aufweist, habe ich die Zahlen der Polizei in der Umgebung Göteborgs für 2016 hochgerechnet. Wir hatten 13 Morde und zehn von ihnen in der Altersgruppe zwischen 15 und 29 Jahren. Die drei anderen sind im Alter von 31 und 33 Jahren. 

Aufklärungsquote in nicht mal 20 Jahren von 80 auf 20 Prozent gesunken

Nord beklagt, dass die Aufklärungsrate bei Gewaltverbrechen mit Schusswaffen vor 10 bis 15 Jahren bei 80 Prozent lag, heute hingegen lediglich bei gerade mal 20 Prozent. Die Waffen, die nach Schweden gelangen, stammen aus Osteuropa und vom Balkan. Für Nord ist es erdrückend, dass diese durch Deutschland transportiert werden und dann nach Schweden gelangen. Er fordert eine internationale Zusammenarbeit. Eventuell könne man auch nach Deutschland reisen und von den deutschen Polizisten mehr für die Aufklärungsarbeit lernen. Eine Lösung angesichts der Entwicklung habe man in Schweden bisher nicht gefunden. 

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