Wintershall-Vorstand: Washington missbraucht Sanktionen für eigene Gasexporte

Wintershall-Vorstand: Washington missbraucht Sanktionen für eigene Gasexporte
Symbolbild
Ein Vorstandsmitglied des größten deutschen Erdöl- und Erdgasproduzenten Wintershall äußerte sich kritisch gegenüber den angedrohten Sanktionen für die Nord-Stream 2-Pipeline. Die USA wollten lediglich ihren Absatz auf dem europäischen Erdgasmarkt sichern.

Die USA wollen die russische Nord-Stream-2-Pipeline stoppen, um ihr eigenes Flüssiggas (LNG) auf den europäischen Markt zu bringen, sagte Thilo Wieland, Vorstandsmitglied des deutschen Energiekonzerns Wintershall, auf dem Sankt Petersburg International Economic Forum.

"Die Vereinigten Staaten nutzen den Sanktionsmechanismus, um ihre Interessen auf dem europäischen Gasmarkt zu vertreten", sagte Wieland der Nachrichtenagentur Sputnik.

Ökologischer Unsinn

Washington wolle Russland vom europäischen Energiemarkt verdrängen, indem es LNG liefert. Wieland sagte, er bezweifele, dass die USA die gleiche Menge Gas liefern könnten wie die russische Nord-Stream-2-Pipeline. Dazu machte er eine interessante Rechnung auf:

Rainer Seele, Chef des österreichischen Energiekonzern OMV

"Die Vereinigten Staaten bräuchten 275 Tanker mit LNG pro Jahr, um die gleiche Menge Gas zu liefern [55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr] wie die Nord-Stream-2-Pipeline. Erstens sollten die Vereinigten Staaten sicherstellen, dass sie solche Lieferungen vornehmen können. Zweitens sollten sie die Auswirkungen der Lieferungen auf die Umwelt bewerten, da der Gastransport über eine Pipeline immer weniger Kohlendioxidemissionen verursacht als der Transport über Tankschiffe.

Wintershall beteiligt sich am Projekt Nord Stream 2. Gazprom beabsichtigte ursprünglich, 50 Prozent plus eine Aktie an der Gesellschaft zu halten, der Rest verteilt sich auf die deutschen Unternehmen Uniper und Wintershall, die österreichische OMV, die französische Engie und die englisch-holländische Shell. US-Sanktionen gegen Russland und europäische Bürokratie hinderten die Unternehmen daran, sich direkt an dem Projekt zu beteiligen, aber sie verpflichteten sich, am Projekt festzuhalten und es trotzdem zu finanzieren.

Amerikas Sorge um Ukraine als Transitland

Washington kündigte Sanktionen für den Fall an, dass die Pipeline fertiggestellt werde. Es herrsche die Sorge, die Ukraine könnte durch den Bau einer zweiten Pipeline weiter an Bedeutung als Gastransitland verlieren. Dagegen wies eine Sprecherin des Außenministeriums die Bemerkung zurück, die Sanktionen würden aus geopolitischen Interessen erfolgen.

Wie der russische Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel letzte Woche in Sotschi anmerkte, will er den Gastransit durch die Ukraine auch nach dem Bau von Nord Stream 2 fortsetzen. "Die Lieferungen werden fortgesetzt, wenn dies wirtschaftlich begründet und für alle Beteiligten sinnvoll ist." Er sehe Nord Stream 2 als wirtschaftliches Projekt, nicht als politisches.

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