Europa

Gender-Deutsch abtreten: Österreichisches Militär schafft geschlechtsneutrale Formulierungen ab

Der österreichische Verteidigungsminister verkündete das Aus für geschlechterneutrale Formulierungen beim Bundesheer. Der "geschlechtergerechte Sprachgebrauch" habe sich als nicht "praxistauglich" erwiesen. Auch in Deutschland wird dieser bemängelt.
Gender-Deutsch abtreten: Österreichisches Militär schafft geschlechtsneutrale Formulierungen abQuelle: Reuters

Im österreichischen Militär soll zukünftig auf das sogenannte Binnen-I verzichtet werden. Der Großbuchstabe I, der zwischen Kleinbuchstaben innerhalb eines Wortes geschrieben wird und mit dem sowohl die weibliche als auch die männliche Form gemeint ist, soll ab jetzt nicht mehr gebraucht werden.

Feministische Sprachvorgaben zerstören die gewachsene Struktur unserer Muttersprache bis hin zur Unlesbarkeit und Unverständlichkeit", sagte der österreichische Verteidigungsminister Mario Kunasek.

Gegenüber der österreichischen Tageszeitung Die Krone sagte der Minister von der rechten Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ), dass sich der "geschlechtergerechte Sprachgebrauch" als nicht praxistauglich erwiesen habe. Man wolle die sprachliche Gleichberechtigung der Geschlechter beim Militär in der Alpenrepublik laut dem zuständigen Minister aber nicht komplett ablehnen. Je nach Situation, also da, wo sich eine Alltagstauglichkeit ergebe, werde man "Formulierungen wie beispielsweise 'die Studierenden'" verwenden.

Das Bundesheer ist aber ohnehin eine Männerdomäne. Zahlen aus dem Jahr 2017 zufolge gibt es lediglich 582 Soldatinnen, was einem Anteil von 3,6 Prozent entspricht. 64 Frauen haben einen Offiziersrang, zwei Frauen tragen den Dienstgrad Brigadier, einen Generalsrang. Zudem gibt es 145 weibliche Unteroffiziere.

Ostbeauftragte der deutschen Bundesregierung spricht von "übertriebener Sprachpolizei" im Westen

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung Christian Hirte äußerte sich in einem Interview jüngst ebenfalls zur geschlechtsneutralen Sprache. Der CDU-Politiker bemängelte gegenüber der Chemnitzer Freien Presse eine "übertriebene Sprachpolizei" in der Debattenkultur im Westen. Mit welcher Leidenschaft in akademischen Sphären über das Binnen-I oder Wörter in Kinderbüchern diskutiert werde, verstehe im Osten kaum jemand.

"Diese Form der politischen Korrektheit gab es dort nicht, und sie gibt es auch heute kaum." Die Wahrnehmung im Osten sei eher, dass den meisten Müttern eine ordentliche Kinderbetreuung zur Emanzipation viel mehr helfe als "eine geschlechtsneutrale Anrede im Beruf".

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