Plan der EU-Kommission: Verpflichtende Fingerabdrücke in Personalausweisen

Plan der EU-Kommission: Verpflichtende Fingerabdrücke in Personalausweisen
Die EU-Mitgliedstaaten haben sich nach den Anschlägen vom 11. September 2001 auf die Einführung biometrischer Daten bei Pässen, Visa und Aufenthaltstiteln verständigt. Dazu gehören Gesicht, Unterschrift und Fingerabdrücke. Zur Aufnahme der Abdrücke werden Fingerabdruckscanner benutzt.
Der Fingerabdruck und andere biometrische Daten im Personalausweis sollen nach dem Willen der EU-Kommission Vorschrift werden. Dem müssen aber alle EU-Staaten zustimmen. Dies soll es Terroristen und Kriminellen erschweren, Reisedokumente zu fälschen.

Der Fingerabdruck ist einzigartig, der Mensch kann somit eindeutig identifiziert werden. Sogar eineiige Zwillinge mit identischem Erbgut haben unterschiedliche Muster. Diese Einzigartigkeit würde auch Personalausweise sicherer machen, meint die EU-Kommission, und das will sie nun im Kampf gegen Terroristen und Kriminelle ausnutzen.

Mann in Lederhosen neben Polizisten während G7-Demonstrationen, 6. Juni 2015.

Wenn es nach dem Willen Brüssels geht, sollen der Fingerabdruck und andere biometrische Daten im Personalausweis sogar bald Vorschrift werden. So würde es für Terroristen und Kriminelle schwieriger, Dokumente zu fälschen, die dann in der Europäischen Union (EU) in Umlauf geraten, sagte Innenkommissar Dimitris Avramopoulos der Welt.

Seit 2007 werden in deutschen Reisepässen auch Fingerabdrücke gespeichert

Am Dienstag will die EU-Kommission der Zeitung zufolge den Gesetzesvorschlag in Brüssel vorstellen. Damit er Realität würde, ist die Zustimmung aller 28 EU-Staaten erforderlich. Das Bundesinnenministerium erklärte dazu auf Anfrage:

Deutschland steht diesem Vorhaben positiv gegenüber, da Personalausweise als Reisedokumente – auch in das außereuropäische Ausland – genutzt werden können und die verpflichtende Einführung von Fingerabdrücken in Personalausweisen einen zusätzlichen Sicherheitsfaktor bieten kann.

Der EU-Innenkommissar Avramopoulos sagte dem Bericht zufolge weiter: "Wir müssen die Schrauben anziehen, bis es keinen Raum mehr gibt für Terroristen oder Kriminelle und keine Mittel mehr für sie, Anschläge durchzuführen. Das bedeutet, dass ihnen der Zugang zu Geld, gefälschten Dokumenten, Waffen und explosiven Stoffen versperrt werden muss und sie zugleich daran gehindert werden müssen, unsere Grenzen unentdeckt zu überqueren."

Bisher sind Fingerabdrücke als Merkmal zur Identifikation in Personalausweisen in Deutschland freiwillig. Bei Reisepässen ist die Situation anders. Im November 2005 wurde in der Bundesrepublik ein neues Passdokument mit einem elektronischen Speichermedium (Chip) eingeführt. Seit 2007 werden neben dem Lichtbild auch zwei Fingerabdrücke des Reisepassinhabers im Chip gespeichert.

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