Im Sinne "freundschaftlicher Beziehungen": Polen kauft Patriot-Raketensystem aus USA

Im Sinne "freundschaftlicher Beziehungen": Polen kauft Patriot-Raketensystem aus USA
Polen hat ein Abkommen zum Kauf von US-Luftverteidigungssystemen des Typs Patriot über 4,75 Milliarden US-Dollar unterzeichnet. Polen zufolge wäre es am besten, würden die "freundschaftlichen Beziehungen" zu seinen Nachbarn durch militärische Stärke gefestigt.

"Es ist ein außergewöhnlicher, historischer Moment; es ist der Eintritt Polens in eine völlig neue Welt modernster Technologie, moderner Waffen und Verteidigungsmittel", sagte Polens Präsident Andrzej Duda während der Unterzeichnungszeremonie am Mittwoch.

"Die ersten Patriot-Systeme werden Polen 2022 und die nächsten 2024 erreichen", informierte Premierminister Mateusz Morawiecki im öffentlich-rechtlichen Sender TVP Info am Dienstag und fügte hinzu, dass das dazugehörige Abkommen "sehr gut ausgehandelt wurde".

Von den Raketenabwehrsystemen wird erwartet, dass sie "die Sicherheit unseres Himmels auf beispiellose Weise gewährleisten", sagte er. Laut Morawiecki nutzen die Patriot-Systeme die neueste Technologie, die die USA nur nach Polen verkaufen. "Das ist der Beweis unserer engen Solidarität als Verbündete, dass die Amerikaner Polen vertrauen."

Zusatzpaket soll Ausbau heimischer Produktion ermöglichen

Das Patriot-System ist ein Langstrecken-Raketenabwehrsystem zum Schutz vor Flugzeugen, Drohnen und ballistischen Raketen oder Marschflugkörpern. Das System wurde laut dem Hersteller Raytheon über 3.000 Mal getestet.

Angela Merkel und Andrzej Duda in Warschau, Polen, 19. März 2018.

Der Vertrag beinhaltet ein sogenanntes Offset-Paket zur "Erhöhung der Produktionskapazität der polnischen Werke". Der Premierminister fügte hinzu, dass dieses Zusatzpaket es Polen ermöglichen würde, "in Zusammenarbeit mit den USA neue militärische Lösungen zu entwickeln".

In Bezug auf die bereits angespannten Beziehungen zu Moskau behauptet Morawiecki, dass Warschau freundschaftliche Beziehungen zu seinen Nachbarn, einschließlich Russland, haben will, aber:

Es wäre das Beste, wenn die freundschaftlichen Beziehungen durch unsere militärische Stärke gestärkt würden.

Im November gab der US-Kongress grünes Licht für 16 Trägerraketen und 208 Abfangraketen vom Typ PAC-3 MSE sowie Funkortungsstationen für Polens mobiles Mittelstrecken-Verteidigungssystem. Um das kostspielige Projekt zu rechtfertigen, verließ sich der polnische Verteidigungsminister auf den bekannten Narrativ von der "russischen Bedrohung".

Legende von der "russischen Bedrohung" als primäres Verkaufsargument

Das militärische Aufbäumen der NATO in der Nähe der Grenzen Russlands, auch in Polen und im Baltikum, hat in den letzten Jahren zugenommen, wobei Moskau regelmäßig als vermeintlicher Aggressor dargestellt wird, der abgewehrt werden müsse. Der Kreml erklärte, dass die NATO durch die Stärkung der westlichen Raketenabwehr vor der Haustür Russlands die regionale Sicherheit untergraben könnte.

Nur eine "entflammte Fantasie" könne auf die Idee kommen, dass Moskau im Begriff sei, die baltischen Staaten oder Polen anzugreifen, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow in einem Interview mit Euronews im Februar.

Geleitet von dieser verfälschten Logik findet an der Grenze zwischen NATO und Russland ein sehr realer Einsatz schwerer Artillerie und zusätzlicher großer Kontingente statt", kritisierte Lawrow und verwies auf die baltischen Staaten, Polen und Rumänien mit ihren Raketenabwehrstandorten.

Mehr zum Thema - Polen plant, Flüchtlingskinder separat zu unterrichten - Kritiker sprechen von "Erziehungsghettos"