Der Fall Skripal nach Shakespeare: Romeo und Julia und eine böse Schwiegermutter

Der Fall Skripal nach Shakespeare: Romeo und Julia und eine böse Schwiegermutter
Aufführung von Shakespeares "Romeo und Julia", Wiener Burgtheater, 19. September 2007.
Verwandte Sergej Skripals meinen, der Angriff habe nicht dem früheren Doppelagenten, sondern dessen Tochter gegolten - aus Hass der Mutter ihres Partners. London beschuldigt Russland der Tat und wird 23 russische Diplomaten ausweisen. Moskau fordert Beweise.

Julia, Romeo, eine böse Schwiegermutter und russisches Nervengift. So ließe sich der Fall Skripal gemäß den neusten Erkenntnissen zusammenfassen, sollte sich die Aussage der Nichte des Anschlagsopfers als zutreffend erweisen.

Die Nichte Sergej Skripals, Victoria Skripal, sagte gegenüber der Presse, dass der Anschlag nicht dem einstigen Doppelagenten gegolten habe, sondern dessen Tochter Julia. Die britische Sunberichtete, dass die 33-jährige Julia mit der Mutter ihres Freundes aneinandergeriet, nachdem ihr Romeo seiner Mutter verkündet hatte, mit Julia eine Familie gründen zu wollen. Die künftige Schwiegermutter soll mit der Wahl ihres Sohnes nicht zufrieden gewesen sein und so viel Hass gegen Julia gehabt haben, dass sie diese töten wollte. 

Frauen lieben Gift

Auch andere Verwandte zeigen auf die Schwiegermutter. Diese soll, laut der britischen Presse, eine hochrangige russische Sicherheitsbeamtin gewesen sein, bestätigt werden konnte dies bis dato aber nicht. Ihre Wut über die Partnerwahl ihres Sohnes aber wäre groß genug, um zu versuchen, die ungeliebte Schwiegertochter in spe zu vergiften. Die Nichte Sergej Skripals, Victoria, erklärte dazu: 

Meine Meinung ist, dass es nicht gegen Onkel Sergej, sondern gegen seine Tochter ging. Die Mutter akzeptierte Julia nicht und dachte, wenn sie die Tochter eines Verräters wäre, würde sie selbst ihr Land verraten. Die Methode ist typisch für Frauen. Frauen mögen Gifte, sie halten diese Art von Repressalien für schön. 

Victoria erwähnte, der 66-Jährige habe ihr, als sie zuletzt mit Skripal in Kontakt stand, versichert, dass alles in Ordnung sei. Jedoch trauerte er immer noch um den Verlust seines Sohnes Alexandr - bekannt als Sascha. Skripal habe geplant, einen neuen Stein auf sein Grab in Salisbury legen zu lassen:

Er sagte, dass für Sascha ein neuer Grabstein aufgestellt würde. Mit anderen Worten, man könnte den ganzen Chat mit den Worten 'alles ist in Ordnung' beschreiben.

Die britische Premierministerin Theresa May während der Parlamentssitzung am 14. März 2018.

Ein ehemaliger Doppelagent im Ruhestand Grund genug für eine diplomatische Krise?  

Der 66-jährige Sergej Skripal wurde am 4. März in Salisbury, England, zusammen mit seiner Tochter Julia vergiftet. Das Vereinigte Königreich behauptete, beide seien mit dem Nervengas "Nowitschok" vergiftet worden, das erstmals in den 1970er Jahren in der Sowjetunion synthetisiert wurde. Ziel des Anschlags sei gewesen, Sergej Skripal aus dem Verkehr zu ziehen.

Dabei verfügte der einstige Doppelagent weder über Informationen noch über Kontakte, die ihn interessant genug gemacht hätten, um eine diplomatische Krise zu riskieren. Mitte der 1990er Jahre wurde Sergej von den Briten angeworben. 2004 flog er auf und erklärte sich nach seiner Festnahme des Hochverrats für schuldig. Hierfür erhielt er eine 13 Jahre lange Haftstrafe. Begnadigt wurde er 2010. Ein Agentenaustausch fand statt und er wurde nach Großbritannien gebracht. Danach lebte er als Zivilperson in Großbritannien ein zurückgezogenes Leben. 

Großbritannien droht Russland nun mit Strafmaßnahmen. Darunter sollen die Ausweisung russischer Diplomaten und ein Fernbleiben britischer Vertreter aus Politik und Königshaus bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland fallen. Ein Abgeordneter forderte den Ausschluss Russlands aus dem Europarat. Einer Bitte Moskaus, Beweise und Proben für das Gift freizugeben, kam die Regierung Londons nicht nach. Großbritannien veröffentlichte eine Reisewarnung für Reisen nach Russland.

Trends: # Skripal-Affäre