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Wasser im Rhein enthält immer mehr Medikamenten-Rückstände aus Pharmafabriken

Wasser im Rhein enthält immer mehr Medikamenten-Rückstände aus Pharmafabriken
In Trinkwasser-Reservoiren finden sich immer mehr Rückstände von Medikamenten.
In den Abwässern von Schweizer Arzneimittelfabriken finden sich immer mehr Arzneimittel, darunter Opioide und Antidepressiva, die in den Rhein gespült werden und das Trinkwasser belasten. Zur Reinigung sind kostspielige neue Klärstufen in den Wasserwerken geplant.

Abgelaufenen Medikamente sollte man besser nicht die Toilette runterspülen, denn wenn diese im Abwasser landen, können die Wasserwerke die Rückstände nur schwer herausfiltern. Aber auch ausgeschiedene Medikamente und ihre Abbauprodukte können in die Kläranlagen gelangen – und von dort in die Gewässer. Allerdings sind nicht etwa Privathaushalte die größten Wasserverschmutzer, sondern die Pharmaindustrie. Wie Schweizer Wissenschaftler von der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz herausfanden, reicht das Abwasser einer einzigen Arzneimittelfabrik aus, um die Wasserqualität des Rheins zu beeinträchtigen.

Ein Mülleimer in einem Schweinemastbetrieb in Deutschland – gefüllt mit leeren Antibiotika- und Hormonflaschen

Ein Forscherteam um Heinz Singer berichtet im Fachjournal Environmental Science & Technology, dass sie bei einer Kläranlage, die Abwässer aus einer Arzneimittelfabrik in den Rhein leitete, 25 verschiedene Arzneimittel fanden. Darunter fanden sich Opioide, Antibiotika, Diabetesmedikamente, Antidepressiva und auch ein Medikament, das in der Schweiz gar nicht zugelassen ist. Das Abwasser der Arzneimittelfabrik war außerdem zehn Mal so stark belastet wie das einer vergleichbaren Kläranlage für Haushalte. Selbst fast 100 Kilometer stromabwärts konnten die Wissenschaftler noch Spuren von Arzneimitteln nachweisen. Singer zufolge deutet dies darauf hin, dass ein einziges Pharmaunternehmen die Trinkwasserressource für Millionen von Menschen beeinflussen kann:

Wir haben die Industrie in den letzten Jahren aus dem Blick verloren und zu sehr im Glauben gelebt, dass das Wasser ja sauber sei.

Grenzwerte für Arzneimittelrückstände in Gewässern gibt es den Schweizern zufolge jedoch kaum, und die Giftigkeit und Langzeitfolgen der Schadstoffe ist bisher wenig untersucht. Bekannt ist jedoch, dass Abwässer mit Antibiotika-Resten verheerende Folgen haben, denn so können sich gefährliche, multiresistente Erreger bilden, die der Tagesschau zufolge in den Abwässern einer indischen Arzneimittelfabrik, die auch für zahlreiche deutsche Generikahersteller produziert, nachgewiesen wurde. Limits für Schadstoffrichtlinien gibt es der Schweizer Wasserrahmenrichtlinie zufolge gerade einmal für 40 Stoffe. Unter diesen findet man zwar Sexualhormone und Antibiotika, aber kaum Arzneien.

Bisher war das Ausmaß des Problems kaum bekannt, denn üblicherweise machen die Unternehmen aus ihren Produktionsprozessen ein Geheimnis.

Zur Analyse der Schadstoffe nutzen das Team eine Kombination aus Chromatographie und hochauflösender Massenspektroskopie und untersuchte die Abwasserproben aus der Industrie- und der Haushaltskläranlage in einem Abstand von drei Monaten, denn meist stellen die Unternehmen ihre Arzneimittel-Chargen in bestimmten Zyklen her. Mehrmals im Jahr enthalten die Wasserwerke deswegen Warnungen. Für sie werden die Spurenstoffe zunehmend zum Problem, denn sie können die Substanzen kaum filtern, aber sie sollten natürlich auch nicht ins Trinkwasser der Haushalte gelangen.

Bei einem solchen Alarm müssen die Wasserwerke die Wassergewinnung stoppen und warten, bis die "Schadstoff-Wolke" vorbeigezogen ist. 2019 gab es in den Wasserwerken Nordrhein-Westfalens elf dieser regionalen Warnungen. Die Wasserentnahme immer wieder zu stoppen, ist natürlich auch keine Lösung. Experten zufolge wäre es besser, eine vierte Reinigungsstufe in den Kläranlagen einzuführen. Bei diesem Schritt wird das Wasser noch einmal über Aktivkohle leitet und anschließend mit Ozon behandelt. In dieser Phase oxidiert das Ozon die Schadstoffe zu ungefährlichen Abbauprodukten.

In der Schweiz soll so eine Aufrüstung für 100 Stationen erfolgen. Aber auch in Berlin hat die städtische Umweltbehörde einen solchen Ausbau geplant. Für 20 Millionen Euro soll das Klärwerk bei Berlin-Schönerlinde eine solche vierte Klärstufe erhalten. Die weiteren Kosten dürften allerdings noch höher ausfallen, da in nachfolgenden Schritten alle sechs Klärwerke bei Berlin damit ausgerüstet werden sollen. Umgesetzt werden die dadurch entstehenden Kosten wohl auf den Verbraucher, denn bisher gibt es keine gesetzlichen Richtlinien, die die Belastung von Abwässern mit Arzneimittelresten verbieten.

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