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Jemen: USA stufen Huthi plötzlich nicht mehr als iranische Handlanger ein

Jemen: USA stufen Huthi plötzlich nicht mehr als iranische Handlanger ein
Mohammed Ali al-Huthi, Anführer der Huthi-Bewegung, bei der Beerdigung des durch einen saudischen Luftschlag getöteten Vorsitzenden des Obersten Huthi-Rates, Saleh Ali al-Sammad, am 28. April 2018.
Die zaiditisch-schiitische Huthi-Bewegung im Jemen wurde lange Zeit von Saudi-Arabien und den USA beschuldigt, lediglich Befehlsempfänger des Irans zu sein. Das reichte ihnen als Rechtfertigung für den Jemenkrieg, bei dem bisher über 100.000 Menschen getötet wurden.

Allein in diesem Jahr starben laut Angaben des Armed Conflict Location & Event Data Project (ACLED) 20.000 Menschen bei Kämpfen und Luftangriffen der von Saudi-Arabien angeführten Koalition. Millionen leiden unter den Folgen der durchgesetzten Blockade, davon gelten 400.000 Kinder als stark unterernährt. All das wird mit der Begründung gerechtfertigt, dass man den Jemen nicht einfach so via den Huthi-Rebellen dem Iran überlassen dürfe. 

Die US-Präsidentenlimousine parkt vor dem Hauptquartier des Central Command und Special Operations Command in Tampa/Florida (Bild vom 6. Februar 2017).

Obwohl es bereits im Frühjahr in einem Bericht des britischen Parlaments erwähnt wurde, dass die Huthi "keine Stellvertreter des Irans" und "sehr unabhängig" sind, wurde dennoch an diesem Narrativ festgehalten. Noch im September schrieb etwa der US-Sonderbeauftragte für den Iran, Brian Hook, dass die Huthis nichts weiter als "eine weitere Terrorfront" des Irans seien:

Der Iran erweitert heute seine Grenzen effektiv bis nach Jemen, erhöht seine Einflusssphäre und unternimmt tödliche Angriffe auf seine Rivalen. (…) Sollten die USA es nicht schaffen, Irans Strategie im Jemen zu durchkreuzen, werden wir es in Zukunft mit einem größeren Risiko zu tun haben, einschließlich einer potenziellen "Libanonisierung" des Landes. (…) Indem Teheran solche Gruppierungen wie die Huthi und Hisbollah kontrolliert und sie verlegen kann, können sie durch indigene Drittparteien einen simultanen Krieg auf verschiedenen Kriegsschauplätzen gleichzeitig führen.

Knapp drei Monate später bei einer Pressekonferenz am 5. Dezember klang es bei demselben Hook plötzlich ganz anders. "Iran spricht ganz klar nicht für die Huthi", sagte er. Was die Hintergründe dieser Umformulierung sind, wollte der Iran-Sonderbeauftrage von US-Präsident Donald Trump nicht erläutern. 

Dabei ging das US-Außenministerium selbst seit mindestens 2007 davon aus, dass die Huthi-Rebellen nichts mit irgendwelchen iranischen geostrategischen Plänen zu tun haben. Viel mehr sei an deren Entstehung die wahhabitische Missionierung von Saudi-Arabien schuld, die in den Stammesgebieten im Norden Jemens stattfanden. Angie Bryan, Vize-Missionschefin der US-Botschaft in Sanaa, schrieb in einem als geheim klassifizierten Bericht im Oktober 2009 an das Außenministerium in Washington: 

Eine der tiefsten Ursachen des Konflikts in Sa'da ist der andauernde Kampf von religiösen Extremen zwischen dem gewalttätigen Zaidismus der schiitischen Huthi-Rebellen, die in der Region heimisch sind, und dem radikalen sunnitischen Salafismus, der von Saudi-Arabien in den vergangenen 20 Jahren nach unten geschlichen ist.

Die Diplomatin beschreibt in dem Bericht außerdem, wie sunnitische Salafisten mit sehr viel Geld aus den arabischen Scheichtümern ausgestattet, Anfang der 1990er Jahre in den Jemen kamen und schnell Moscheen und Medresen errichtet haben. Sie fingen mit der "weit verbreiteten salafistischen Propaganda" an, die einheimische Bevölkerung der Zaiditen als "Schachfiguren des Irans in einer globalen schiitischen Verschwörung zu porträtieren, die die muslimische Welt spalten möchte."

Das bedeutet, dass das US-Außenministerium wusste, dass die saudischen Behauptungen zu den Huthi-Rebellen und dem Iran nichts weiter als "salafistische Propaganda" war. Dennoch zog man es in Washington bis vor wenigen Tagen vor, aus geopolitischen Gründen dieses Bild aufrechtzuerhalten. Dabei nahm man billigend die hunderttausenden Opfer im Jemen in Kauf.    

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