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VAE im Jemen: "Vielleicht bin ich ein Monster" – US-Unternehmen für Todeskommando angeheuert

VAE im Jemen: "Vielleicht bin ich ein Monster" – US-Unternehmen für Todeskommando angeheuert
Screenshot einer Drohenaufnahme von der Operation zur Tötung des Kopfes von al-Islah
Ein exklusiver Bericht deckte nun auf, dass die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) über ein US-Unternehmen ehemalige US-Elitesoldaten anheuerten, um im Jemen gezielte Tötungen durchzuführen. Weder die VAE noch Washington wollen etwas von dem Programm wissen.

Es handelt sich vermutlich dennoch um einen neuen Trend. An der Seite des wahhabitische Königreichs Saudi-Arabien sind die Vereinigten Arabischen Emirate als zweite treibende Kraft am verheerenden Krieg im Jemen beteiligt. Die saudische Regierung geriet zuletzt aufgrund der mutmaßlichen Ermordung des Journalisten Dschamal Chaschukdschi in den internationalen Fokus. Über die VAE und ihre Beteiligung am Jemenkrieg erfährt die Weltöffentlichkeit derweil noch weniger, als über die Operationen der Saudis und deren verheerende Folgen für die jemenitische Bevölkerung.

Ein exklusiver Bericht der Nachrichtenseite BuzzFeedNews bringt nun etwas mehr Licht in die Sache. Demnach heuerten die VAE ehemalige US-Spezialkräfte an, etwa der Green Berets und Navy Seals, um in ihrem Auftrag ihr tödliches Handwerk im Jemenkrieg fortzusetzen. Als Söldner der Emirate war es nun über Monate ihr Auftrag, hochrangige Islamisten - oder zumindest Entscheidungsträger, die den Emiraten als Kriegspartei ein Dorn im Auge waren - zu beseitigen.

Eines ihrer Ziele war etwa Anssaf Ali Mayo, demnach der regionale Kopf der islamistischen Partei Al-Islah (Jemenitische Versammlung für Reform). Nach Ansicht der Emirate handelt es sich dabei um den jemenitischen Ableger der Muslimbruderschaft. Sowohl Saudi-Arabien als auch die Vereinigten Arabischen Emirate stufen diese als Terrorgruppe ein. Doch was Al-Islah anbelangt, scheiden sich die Geister bei der Frage, inwieweit es sich bei diesen tatsächlich um Terroristen handelt, auch wenn es sich bei einem erheblichen Teil der Parteigänger um mutmaßlich äußerst konservative Gläubige handelt.

Im Jahr 2011 wurde ein Mitglied der Partei, nämlich die für viele Jemeniten auch als "Mutter der Revolution" bekannte Tawakkul Karman, gar als erste Frau aus dem arabischen Raum mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Auch deshalb argumentieren zahlreiche Beobachter und Experten, dass es sich bei Al-Islah nicht um Terrorkumpane der Muslimbrüder, sondern um eine legitime politische Partei handele, die jedoch nicht auf Linie mit den außenpolitischen Ambitionen Abu Dhabis ist. Um seine Ambitionen zu erreichen, kann Abu Dhabi auch auf US-Rüstungsexporte im Wert von mindestens 27 Milliarden US-Dollar seit 2009 zurückgreifen.

Um Anssaf Ali Mayo zu beseitigen, sah der Plan der US-Söldner vor, eine Bombe am Eingang des Al-Islah-Hauptquartiers zu befestigen und so im Idealfall "jeden in diesem Büro töten" zu können, wie zwei Teilnehmer an der Operation schilderten. Doch der ursprüngliche Plan schlug fehl.

Es gibt mehr Feindschaft gegenüber Amerika, weil die [Drohnen-] Angriffe Al-Qaida nicht gestoppt haben, sondern sie eher weiter expandierten", wird Mayo zitiert.

Bei dem Attentat handelte es sich um den ersten von mehreren ungeklärten Auftragsmorden, denen mehrere Dutzend der Köpfe von Al-Islah zum Opfer fielen.

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Wie sich nun herausstellte, wurde der Söldner-Deal über ein Unternehmen im US-Bundesstaat Delaware abgewickelt, die Spear Operations Group. Für die Emirate wickelte der ebenso dubiose wie berüchtigte Palästinenser Mohammed Dahlan den Deal ein. Der Mittelsmann wuchs in einem palästinensischen Flüchtlingscamp in Gaza auf, bevor er in den 1980er Jahren während der Intifada zu einer führenden politischen Figur unter den Palästinensern wurde. In den 1990er Jahren brachte er es bis zum Sicherheitschef der palästinensischen Behörde in Gaza und leitete unter anderem Operationen gegen die Hamas. Später traf er dann auf George W. Bush und begann intensive Beziehungen zur CIA aufzubauen. Bei der Hamas war er da schon längst als Kollaborateur der CIA und Israels in Ungnade gefallen. Seine Flucht trieb ihn schließlich in die Arme des Kronprinzen der Emirate, Muhammad bin Zayid Al Nahyan, sozusagen des "wahren Herrschers" der VAE.

Die VAE nahmen ihn als ihren Pitbull auf", erklärte ein ehemaliger CIA-Offizier.

Der Gründer des US-Söldner-Unternehmens, Abraham Golan, weist eine gänzlich andere Sozialisierung auf. Nach eigenen Angaben wurde er als Kind jüdischer Eltern in Ungarn geboren. Im Rahmen seines sehr speziellen Geschäftsmodells unterhält er mutmaßlich seit etlichen Jahren enge Verbindungen nach Israel, wo er angeblich auch für einige Jahre lebte. In London soll er mit dem ehemaligen Mossad-Chef Danny Yatom um die Häuser gezogen sein. Spezialisiert war er dazumal auf "Sicherheitsangebote für Energie-Klienten in Afrika". Golan will in Frankreich die Schulbank gedrückt und später dort in der Fremdenlegion gedient haben. Ein ehemaliger CIA-Offizier fand folgende Worte, um die Qualifikation des Tötungs-Dienstleisters zu beschreiben:

Für verrückten Scheiß ist er der Typ, den sie anheuern können.

Golan erläutert, dass er sein Geschäftsmodell nach dem Vorbild von Israels zielgerichtetem Tötungsprogramm entwickelt habe. Und er argumentiert, dass es Terroristen gäbe, die derart gefährlich seien, dass ein Attentat immer noch die beste Lösung darstelle.

Es war Golan, der das Tötungskommando gegen Mayo im Jemen persönlich leitete. Bis Ende 2015 stellten er und sein Kompagnon Gilmore für die Operation im Jemen ein Team aus einem Dutzend Männer zusammen - drei von ihnen demnach ehemalige US-Elitesoldaten, die meisten anderen ehemalige französische Fremdenlegionäre. Letztere seien die billigere Option gewesen. So hätten diese nur etwa 10.000 US-Dollar pro Monat kassiert, also weniger als die Hälfte dessen, was die US-amerikanischen Söldner verlangten.

Nach Angaben von Golan hätten er und sein Team für eine Reihe von Tötungen hochrangiger Personen verantwortlich gezeichnet, ohne jedoch genauere Details preiszugeben. Seiner Ansicht nach habe das Geschäftsmodell Vorbildcharakter für die US-Regierung.

Ich fordere nur eine Debatte [zum Thema]. Vielleicht bin ich ein Monster. Vielleicht sollte ich im Gefängnis sitzen. Vielleicht bin ich ein schlechter Kerl. Aber ich habe recht.

In der Tat ist der Trend zur Privatisierung des Kriegs auf Basis von externen militärischen Dienstleistern nicht zu leugnen. Daher ist es nach Expertenansicht auch eher unwahrscheinlich, dass die entsprechenden US-Behörden nicht über das privatwirtschaftlich organisierte Tötungsprogramm zumindest informiert waren – dies zudem in einem Krieg, in dem Goliath in seinem wütenden Kampf gegen den David Jemen auf volle US-Unterstützung vertrauen kann.

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Hinzu gesellt sich die Tatsache, dass einer der beteiligten Söldner demnach für das CIA-Äquivalent der militärischen Spezialeinheiten tätig war. Ein anderer sei Oberst in der Spezialeinheit der Maryland Army National Guard gewesen. Ein weiterer Spezialist für Tötungen sei nach wie vor als Reservist der SEALs in der Marine gelistet. Doch wie die US-Regierung, will auch die CIA nichts von dem Tötungsprogramm gewusst haben. Nach Ansicht eines ehemaligen CIA-Offiziellen, der zudem in den Emiraten arbeitete, sei es "ausgeschlossen, dass es Amerikanern erlaubt sei, an solch einem Programm teilzunehmen". Nach der Lektüre entsprechender Informationen ruderte er dennoch schließlich zurück:

Es gab Kerle, die im Grunde taten, was sie [die Journalisten] sagten. [Aber] Welche Mechanismen gibt es, um sicherzustellen, dass der Kerl, den du gerade umgelegt hast, wirklich ein böser Junge war," fragte der ehemalige CIA-Mann verblüfft.

Bei den Söldern würde es sich ja "fast um eine Mörder-Truppe" handeln.

Die legislativen Bestimmungen für militärische Dienstleister wie die Spear Operations Group sind schwammig. Ob diese durch ihre Operationen im Ausland US-Gesetze verletzen, bleibt unklar definiert. Es ist offiziell illegal, im Ausland mit dem Ziel, jemanden zu töten, "(sich) zu verschwören, zu kidnappen und zu verstümmeln". Solche Unternehmen, die ausländischen Staaten militärische Dienstleistungen zur Verfügung stellen, müssen beim State Department vorstellig werden. Doch dieses hat nach eigenen Angaben noch nie einem Unternehmen die Befugnis erteilt, anderen Ländern Kampfeinheiten oder Söldner zur Verfügung zu stellen.

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Hingegen bewegen sich Söldner in den USA nicht in der Illegalität. Und es ist - neben einigen Ausnahmen - legal, im Militär einer anderen Regierung als der eigenen zu dienen, sei es aus Idealismus oder aufgrund des Solds. Dennoch erreichte Spear Operations, dass die an der Mission im Jemen beteiligten US-Bürger offizielle militärische Ränge durch die Emirate erhielten, um sie vor eventueller Strafverfolgung zu schützen. Und sie verlangten, dass ihre Waffen und die Liste ihrer Ziele von uniformierten Militäroffizieren bereitgestellt wurden. "Aus rechtlichen Gründen", wie Golan erläuterte.

Denn wenn die Scheiße am Dampfen ist", fügte er hinzu, würden die Uniform und die Erkennungsmarken der VAE "den Unterschied zwischen einem Söldner und einem Militär ausmachen.

Das Golan-Tötungskommando offenbart somit ein zentrales Problem für gewinnorientierte Mordprogramme und die damit einhergehenden militärischen Dienstleistungen: die Asuwahl der Ziele. Geschäftsführer Golan besteht darauf, dass durch sein Team nur Terroristen getötet worden seien, die vor der Eliminierung von der Regierung der VAE, einem Verbündeten der USA, als solche identifiziert worden seien. Aber wer ist ein Terrorist und wer ein - wenn auch eventuell unliebsamer - Politiker? Wann handelt es sich um eine neue Form der Kriegsführung und wann lediglich um einen klassischen Auftragsmord? Wer ist für den Tod eines unschuldigen Zivilisten verantwortlich zu machen? Wer also das Recht beansprucht, darüber zu entscheiden, ob jemand am Leben bleibt und wer stirbt - nicht nur in Kriegen wie dem im Jemen - wird wohl bis auf Weiteres unbeantwortet bleiben. Wohl auch deswegen wird das private Geschäft mit dem Tod mutmaßlich weiter florieren.

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