Saudische Luftschläge im Jemen treffen Hochzeitsgesellschaft und töten mindestens 20 Menschen

Saudische Luftschläge im Jemen treffen Hochzeitsgesellschaft und töten mindestens 20 Menschen
Demonstration von Huthis in Sanna, Jemen, gegen den Besuch Donald Trumps in Saudi-Arabien, 20. Mai 2017.
Ein Luftangriff der saudisch geführten Koalition tötete mindestens 20 Gäste einer jemenitischen Hochzeitszeremonie, manche Quellen sprechen von 40. Bis zu 30 der Verletzten seien Kinder. Die saudisch geführte Koalition verspricht eine Untersuchung des Falls.

Seit rund drei Jahren kämpft die westlich gestützte Allianz der Saudis gegen die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen, die zuvor 2015 in einer Revolte den prosaudischen Staatschef Abed Rabbo Mansur Hadi ins Exil gezwungen hatten. Dem Iran werfen die Saudis vor, die Huthis zu unterstützen. Hunderte von Zivilisten kamen bereits durch Luftangriffe ums Leben. Schon vor dem Krieg galt der Jemen als Armenhaus. Über 10.000 Todesopfer hat der Krieg gefordert, drei Millionen Menschen wurden vertrieben. Krankheiten und Unterernährung bedrohen das Leben der Jemeniten. 

Die deutsche Rüstungsindustrie profitiert weiter vom Leiden der Zivilbevölkerung im Jemen - trotz vermeintlich restriktiveren Exportvorgaben der neuen GroKo.

Zahl der Todesopfer könnte noch steigen

Der Leiter des Al-Dschumhuri-Krankenhauses im jemenitischen Hadschdschah sagte Reuters in einem Telefongespräch, dass in das Krankenhaus 40 leblose Körper gebracht worden wären. Die meisten von ihnen waren demnach schlicht zerfetzt, 46 Personen wurden mit Verletzungen eingeliefert, darunter 30 Kinder. Einige von ihnen befinden sich mit Granatsplitter-Wunden und abgetrennten Körperteilen in einem kritischen Zustand. Der Fernsehsender Al-Masirah schrieb auf Twitter, dass es 33 Tote und 55 Verletzte gab. In der Nacht von Sonntag auf Montag gab es auch Berichte, dass in Taiba eine vierköpfige Familie durch Luftangriffe ums Leben gekommen wäre.

Ein Sprecher der saudisch geführten Koalition äußerte sich nach den Berichten ebenfalls gegenüber Reuters: 

Wir nehmen diesen Bericht sehr ernst und es wird, wie bei jedem Bericht dieser Natur, vollständig nachgeforscht. 

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Der höchste Vertreter des Gesundheitsamts von Haddsch, Khaled al-Nadhri, teilte AP mit, dass es sich bei den meisten Toten um Frauen und Kinder handle, die sich in einem Hochzeitszelt aufhielten. Auch die Braut sei unter den Opfern. In den sozialen Medien verbreiteten sich Bilder der Getöteten und eines Jungen im grünen T-Shirt, der den Körper eines getöteten Mannes umarmte und dabei schrie und weinte. Hilfe kam erst spät, zu groß war die Angst, dass weitere Luftangriffe folgten. Laut des Data Projekts Jemen traf ein Drittel der 16.847 Luftangriffe im Jemen seit Ausbruch des Krieges keine militärischen Ziele.

Auch die USA intensivieren Luftschläge im Jemen

Seit Donald Trump die Präsidentschaft in den USA angetreten hatten, hat auch die Zahl der amerikanischen Luftangriffe im Jemen zugenommen. Vergangenes Jahr flogen die USA 131 Angriffe, 21 mehr als im Vorjahr. Die Trump-Regierung bezeichnet Teile des Jemen und des benachbarten Somalia als "feindliche Gegenden". Diese Deklarierung erleichtert die Angriffsmöglichkeiten im juristischen Sinne. Die Angriffe der USA gelten vor allem Zellen der Terrororganisation Al-Kaida, die versucht, das Machtvakuum zu füllen, das der Bürgerkrieg in vielen Teilen des Landes entstehen lässt.

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