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Allianz mit USA nicht mehr möglich: Türkei bevorzugt regionale Zusammenarbeit mit Russland

Allianz mit USA nicht mehr möglich: Türkei bevorzugt regionale Zusammenarbeit mit Russland
Der russische Präsident Putin hat die strategische Kooperation mit Ankara zuletzt vertieft. Für die Türkei ist Russland eine regionale Alternative, denn sie vertraut den USA in Syrien nicht mehr, und auf dem Balkan bahnt sich eine Konfrontation mit der EU an.

von Ali Özkök

Der stellvertretende Hauptkoordinator des neugegründeten Strategischen Forschungszentrums in Anatolien (ASAMER), Umut Çağrı Sarı, sprach mit RT Deutsch über die türkisch-russischen Beziehungen.

Am Mittwoch fand in Ankara ein trilaterales Treffen zwischen den Staatschefs Russlands, des Iran und der Türkei statt. Ist dies ein Bündnis, das den Krieg in Syrien beenden kann?

Die geografische Lage des Nahen Ostens und seine geografischen Möglichkeiten haben im Laufe der Geschichte bei der Gestaltung seiner politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung eine wichtige Rolle gespielt. Von 2011 bis heute hat die Syrienkrise dazu geführt, dass Tausende von Menschen gestorben sind und auch Millionen von Menschen aus ihren Häusern vertrieben wurden.

Russland, der Iran und die Türkei, alles Staaten mit einer besonderen geografischen Verbindung zum Nahen Osten, die im Astana-Prozess als Garantiemächte agieren, wollen eine politische Lösung für die Syrienkrise. Jetzt sind wir als Türkei Teil einer starken Entwicklung, bei der regionale Mächte aktiv und wirklich einflussreich sind. Diese drei Staaten, die die Hegemonie des Westens in ihrer Region ablehnen, werden wichtige Schritte auf dem Weg zum Frieden in Syrien unternehmen. Ein mögliches Abkommen in Syrien ist für verschiedene Gebiete im restlichen Raum des Nahen Ostens hinsichtlich seiner Auswirkungen von entscheidender Bedeutung.

Aus Sicht der Türkei paktieren die USA derzeit mit dem syrischen Ableger der PKK. Wenn es Ankara ernst meinen würde, könnte es leicht mit der Schließung der US-Basis in Incirlik, Türkei, reagieren. Wie erklären Sie das Verhalten der USA?

Die Beziehungen zwischen Ankara und Washington sind aufgrund der Entwicklungen in der Syrienkrise besonders angespannt. Rüstungsunterstützung und militärische Hilfe für YPG/PYD, die die Türkei als syrischen Ableger der PKK wahrnimmt, durch die USA hat massive Bedenken der Türkei hinsichtlich der nationalen Sicherheit aufgeworfen.

Symbolbild - US-Marinesoldaten bei einer Übung im Juni 2006 in einer nachgebauten irakischen Stadt

Die USA wollen ihre gescheiterten Syrien-Operationen mit dieser Option fortsetzen. Damit entfernten sich die USA von ihrem engsten Verbündeten in der Region.

Die Türkei hat in Anbetracht dieser Bedrohung deutlich reagiert. Sie startete eine grenzüberschreitende Operation mit dem Namen "Operation Olivenzweig" im syrischen Afrin gegen den US-Alliierten YPG. In den Westmedien wurde die diplomatische Kluft zwischen der Türkei und den USA aufgrund der militärischen Unterstützung der USA und der Hilfe für YPG/PYD als Konfrontation und sogar als mögliche Konfliktgefahr zwischen den USA und der Türkei betrachtet.

Jetzt sehen wir deutlich, dass die traditionellen Verbündeten der Türkei keine effektive Zusammenarbeit bieten können und auch selbst in der Region nicht wirksam waren. Deshalb werden regionale Allianzen von Tag zu Tag wichtiger für Ankara.

Die Türkei kontrolliert nun weite Teile Nordwestsyriens. Wird Ankara diese Gebiete jemals an Damaskus zurückgeben?

Die Türkei hat es lediglich auf den syrischen PKK-Ableger an ihrer Grenze abgesehen, der von Ankara als terroristische Organisation angesehen wird. Angesichts des bestehenden Krieges mit der PKK innerhalb der Türkei bedrohte die YPG von Syrien aus zusätzlich die türkischen Grenzen.

Der türkische Präsident Erdoğan erklärte wiederholt, dass die Operationen im Nachbarland unter Berücksichtigung der territorialen Integrität Syriens durchgeführt werden. Am Mittwoch auf dem Dreiergipfel zwischen der Türkei, dem Iran und Russland räumten Erdoğan und die übrigen Staatschefs dem "Wiederaufbau und die Wiederbelebung Syriens" großen Raum ein. Erdoğan unterstrich, dass die Bemühungen im Wiederaufbau möglichst schnell Frieden bringen sollen.

Putin war bei der Grundsteinlegung für das Kernkraftwerk Akkuyu in der Türkei anwesend. Wie wichtig ist das Projekt für die langfristige Energiepolitik der Türkei?

Die Türkei ist bekanntlich ein energieabhängiges Land. Das Kraftwerk Akkuyu ist für die Türkei von großer Bedeutung, um mit der Nukleartechnologie vertraut zu werden und diese zu nutzen. Das Kernkraftwerk Akkuyu, das durch die Bereitstellung verschiedener Ressourcen im Land zur Versorgungssicherheit beiträgt, wird bei Inbetriebnahme rund zehn Prozent des türkischen Strombedarfs decken. Die Tatsache, dass die Stromproduktion in der Türkei weitgehend von Erdgasimporten abhängig ist, unterstreicht einmal mehr die Bedeutung von Akkuyu. Das Projekt mit Russland ist deshalb von großer Bedeutung für die Türkei, die ihre Energieabhängigkeit langfristig minimieren will.

In der Skripal-Affäre sind die meisten europäischen Staaten auf der Seite Großbritanniens. Wie steht die Türkei zu diesem Thema?

Es gab keine Stellungnahme der Türkei zum Fall Skripal, der zur größten diplomatischen Krise in der Geschichte der westlich-russischen Beziehungen wurde. Auf dem Gipfel mit Erdoğan in Ankara erklärte der russische Präsident Putin:

Dieses Thema wurde kurz diskutiert. Präsident Erdoğan stellte einige Fragen. Ich habe ihm auch unsere Position erklärt.

Wie wir die Lage bewerten, bedeutet das, dass die Türkei wahrscheinlich eine ganz eigene Position beziehen wird, da sie die Lage unter Berücksichtigung der Aussagen Putins objektiv bewerten kann. Die Türkei, die ein ausgewogenes Modell der Beziehungen zwischen dem Westen und Russland aufrechterhalten will, bringt sich auf diese Weise in die Lage, ihren Einflussbereich und ihre wirtschaftlichen Vorteile durch das Chancenfenster der Konflikte zwischen diesen beiden wichtigen militärischen und politischen Machtzentren auf der internationalen Bühne zu vergrößern.

Die Europäische Union versucht derzeit, mit Unterstützung der USA auf dem Balkan zu expandieren, einer Region, die auch die Türkei betrifft. Wie kritisch wird diese Entwicklung eingeschätzt, und besteht in Ankara die Bereitschaft, auf Kosten des Westens mit Russland zusammenzuarbeiten?

Die Balkanpolitik der Türkei wird auf einer völlig anderen Ebene umgesetzt als die Balkanpolitik der EU.

Für die Türkei ist es beunruhigend, dass die EU kürzlich Druck auf die Länder der Region in der Frage der Rolle von Gülenisten machten, die laut Ankara hinter dem Putsch in der Türkei von 2016 stehen. Die EU verteidigt die Präsenz der Putschisten und kritisiert zugleich Ankara. Wenn die EU keine kooperative Haltung in der Gülenisten-Frage mit der Türkei zeigt, wird sich die Türkei weit davon entfernen, in der Region noch ansatzweise mit der EU zusammenzuarbeiten.

In wirtschaftlicher Hinsicht verbessern sich die Beziehungen zwischen Moskau und Ankara deutlich. Wo kann die Türkei neben den bekannten Energieprodukten von Russland profitieren, und was bietet die Türkei im Gegenzug?

Von Energie bis Tourismus, von Handel bis zum Bausektor sind beide Länder wirtschaftlich voneinander abhängig. Mit dem Projekt Akkuyu in der Türkei wird die Investition von mehr als 20 Milliarden US-Dollar zu einer neuen Ära der Wirtschaftsbeziehungen führen. Die Zusammenarbeit zwischen der Türkei und Russland in der Verteidigungsindustrie hat auch in den Wirtschaftsbeziehungen einen neuen Sektor zwischen den beiden Ländern geöffnet. Gleichzeitig werden die Visa-Liberalisierung und Steuerbefreiungen im Tourismus- und Bausektor die gegenseitigen Investitionen erhöhen. All diese Entwicklungen werden sich weiterhin positiv auf die langfristigen Wirtschaftsbeziehungen von Moskau und Ankara auswirken.

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